Buchungslage

Spannender Start in den Sommer

Die Sommersaison läuft durchwachsen an – und gegen einen Rekord-Januar des Vorjahres. Behalten Veranstalter, Airlines und Hoteliers die Nerven?

von Klaus Hildebrandt, 19.01.2015, 10:46 Uhr

Es geht bekanntlich nichts über ein schwaches Vorjahr. Doch vor Jahresfrist boomte leider die Reisenachfrage. Es mag auch an der Fußball-WM gelegen haben, dass viele Deutsche damals sehr rechtzeitig ihre Ferien planten und dann noch die Frühbucher-Rabatte mitnahmen. Die Sommersaison 2015 liegt zwar laut dem Reisebüro-Panel der GfK-Marktforscher mit Stand Ende Dezember um 6,7 Prozent im Plus. Der Dezember war nach den beiden schwächeren Vormonaten wieder ein besserer Buchungsmonat. Doch die GfK-Zahlen betrachten viele Flugreise-Veranstalter mit Vorsicht: Einerseits ist das Plus im Wesentlichen von den Kreuzfahrten getrieben. Zum anderen ist der Wert tendenziell zu hoch, weil gebuchte Reisen auch noch storniert werden können.

Große Veranstalter und Vertriebsverbünde sind deshalb angespannter: Ihre Umsätze liegen für den Sommer kumuliert oft nur auf Vorjahr oder sogar noch im Minus. Ausnahmen wie Schauinsland mit einem wieder mal zweistelligen Plus bestätigen die Regel. Spannend werden also die nächsten Wochen. Viele Reisemanager hoffen, dass die Buchungskurve dies mal, anders als 2014 mit dem Raketenstart zum Jahresbeginn und dem tiefen Loch von März bis zum Ende der Fußball-WM, gleichmäßiger verläuft. Fraglich ist, ob alle Beteiligten die Nerven behalten.

Die Flugkapazitäten am Mittelmeer liegen nach Expertenschätzung um mindestens zehn Prozent über der progonostizierten Nachfrage, weil vor allem Low Coster und Zielgebiets-Carrier ihr Angebot ausgedehnt haben. In einigen Zielgebieten wie der Türkei zeichnet sich schon ab, dass die Russen wegen des Rubel-Verfalls und der Wirtschaftskrise weniger ins Ausland fahren werden. Das könnte die Hotelpreise ins Rutschen bringen, zumal gerade in der Türkei die deutsche Nachfrage bislang enttäuscht. Auch die ersten Airline-Rabatte werden schon beworben, etwa auf TUIfly.com.

Eins jedoch stimmt optimistisch: Die Reiselust ist dank der robusten deutschen Wirtschaft, realen Einkommenszuwächsen in Deutschland und der niedrigen Energiepreise auf Rekordhöhe, so die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR). Nun muss diese gute Verbraucherstimmung nur noch in die Reisebüros hineinschwappen.

Kommentare

von Dietmar.F.K.Jaschinski, 19.01.15, 15:41
Was soll der interessierte Reisende von 35% Frühbucher bei namhaften Marken bei manchem Reiseveranstalter halten? Und auf den INTERNETSEITEN die Reiseangebote oft mit 50% Rabatt beworben werden? Nichts - und wartet weiter ab, ob es nicht noch billiger alles wird. Schlechtes Marketing und Preispolitik auch leider der TUI mit einer negativen derzeitigen Ramschpolitik. Qualität muß ihren Preis und hat ihren Preis behalten!Das sollte immer wieder deutlich gemacht werden. Realistisch klar ist, daß bei vielen Reisebüros ist ein deutliches Minus gegenüber dem Januar 2014 sichtbar.. Zu hoffen ist, daß die Nachfrage sich auf den Februar und März verschiebt, zudem die Osterferien Anfang April sind.

von Michael Wolf, 22.01.15, 10:27
Jedes Jahr auf´s neue versuchen die „Pauschalanbieter“ mit diversen Frühbucherrabatten schon mal einen guten Teil ihrer Kapazitäten loszuschlagen und jedes Jahr auf´s neue stellt der Kunde dann fest, dass er, zumindest ausserhalb der absoluten Top-Termine, doch besser „Last-Minute“ gebucht hätte. Irgendwann merkt doch auch der Dümmste, dass er geleimt wurde. Verschärfend kommt noch hinzu, dass immer mehr „Billigflieger“ auf die touristischen Strecken drängen, dann noch die Unterkunft über Booking.com (natürlich ohne Anzahlung und Restzahlung dann erst vor Ort) und den Mietwagen über „www.billige-schrottkarren.de“ dazu und schon zeigt der vermeintlich clevere Verbraucher TUI und Co. den Mittelfinger. Wenn dann auch noch auf den ersten Blick deutsche Portale wie z.B. www.hoteltravel.de (Firmensitz Thailand) oder www.tripair.de (Firmensitz Griechenland) die unfassbar naiven und blöden Deutschen dazu bringen, mit wenigen „Klicks“ sich von irgendeinem Laden in Athen oder Phuket mal eben ein paar tausend Euro von der Kreditkarte abbuchen zu lassen (deren Daten dann natürlich unter strengster Einhaltung der Datenschutzrichtlinien – ach lassen wir das…) dann braucht es uns Reisebüros und auch die Veranstalter doch nicht zu wundern, wenn die Umsätze durchhängen weil, unter anderem, ein erheblicher Teil davon mittlerweile über Kanäle im Ausland läuft. Es ist höchste Zeit, dass die Leistungsträger endlich vollständig erkennen, dass ihre Zukunft untrennbar auch mit einem qualifizierten stationären Vertrieb zusammenhängt und alles dafür getan werden muss, diesen noch möglichst lange lebensfähig zu halten.

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