BTW

Schwarz-gelber Gipfel

Selten fühlte sich die Tourismusbranche besser aufgehoben als bei der neuen Bundesregierung, zeigt sich auf dem BTW-Gipfel. Braucht man bei diesem Kuschelkurs noch Lobbyisten?

von Klaus Hildebrandt, 16.11.2009, 15:10 Uhr

„Herr Präsident, ich melde Vollzug!". Das Statement von Ernst Burgbacher, dem für Tourismus zuständigen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, gerichtet an BTW-Präsident Klaus Laepple, hatte zwar einen humoristischen Unterton. Aber die Verbraucher-Lobbyisten müssten eigentlich aufheulen. Denn sowohl Burgbacher als auch der oberste Branchenrepräsentant Laepple sind sich heute auf dem Tourismusgipfel im edlen Adlon in Berlin einig, dass viele Anliegen der Reisebranche Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden haben. Obwohl: Einiges, was die Branche entlastet, kommt auch unmittelbar den Reisenden zugute. Etwa der reduzierte Mehrwertsteuersatz für Hotels (sofern diese die Ermäßigung an ihre Gäste weitergeben und nicht nur die eigene Marge aufpäppeln) oder Erleichterungen im Busverkehr, eine Entzerrung der Ferienzeiten oder eine abgestimmte Flughafenplanung. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass es selten so harmonisch in Berlin zuging – immerhin ist das heute und morgen schon der 13. Tourismusgipfel. Das liegt nicht nur am CDU-Parteibuch von Laepple. Viele Tourismuspolitiker, und dazu zählen gewiß der langjährige FDP-Tourismusexperte Ernst Burgbacher und der künftige Vorsitzende des Bundestags-Tourismusausschusses Klaus Brähmig (CDU), sehen sich in ihrer politischen Arbeit als Förderer der Branche. Tourismus schafft Arbeitsplätze, und deshalb muss die Branche gefördert werden, lautet die schlichte, aber deswegen nicht minder wahre Gleichung. Dem BTW gehen dadurch schon fast die Themen aus. Natürlich, einen Ausbau der Flughäfen, Straßen und Schienen kann man immer fordern, unsinnige Sicherheitsvorschriften wie die Flüssigkeitskontrollen an den Flughäfen aufs Korn nehmen und vor unsinniger EU-Bürokratie etwa bei einer Mindestteilnehmerzahl für Gruppenreisen warnen. Das war's dann aber auch erst mal schon. Den Rest erledigt Burgbacher, hat er zumindest heute in Berlin versprochen. Aber warum unnütz Konflikte schüren, wo sich doch auch im Bundestags-Tourismusausschuss die Politiker quer über alle Parteigrenzen meist einig sind. Vielleicht passt aber dann für den nächsten Gipfel der staatstragende Rahmen nicht mehr. Wie wär's mit einem netten Abend in einer trendigen Lounge, dazu die neueste Kuschelrock-CD und einen Motivationsredner zum Thema: „Egal ob Krise oder nicht, wir Touristiker sind nette Leute, mögen unsere Volksvertreter und Papa Staat wird's schon richten!"

Kommentare

von Jens, 17.11.09, 16:31
So ganz verstehe ich den Eintrag nicht. Wenn sich doch nun endlich mal gleichmäßig gekümmert wird, warum dann auf die Politik schimpfen? Oder gehen der FVW die Themen aus?

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