Brähmig

Fankhauser trifft auf Brähmig

Geht es in der Reisebranche nur um Gewinne? Welche ethische Verantwortung haben Veranstalter, wenn sie in Ländern aktiv sind, die Demokratie und Menschenrechte mit Füßen treten? Auf Einladung der fvw diskutierten dazu Tourismuspolitiker Klaus Brähmig und der Top-Touristiker Peter Fankhauser.

von Klaus Hildebrandt, 12.04.2012, 09:19 Uhr

Die Debatte zwischen Klaus Brähmig, dem Vorsitzenden des Tourismusausschusses des Bundestags, und Peter Fankhauser, Chef von Thomas Cook in Zentraleuropa und als Vizepräsident des DRV auch Repräsentant aller großen Veranstalter, war von mir schon lange geplant. Schließlich vertritt CDU-Mann Brähmig, früher lange tourismuspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, seit Monaten offensiv die These, dass Urlauber genau abwägen sollten, ob sie ihren Urlaub in Diktaturen oder Ländern, die etwa Minderheiten oder Grundrechte nicht achten, verbringen sollten. Und den Veranstaltern obliege es, darüber zu informieren.

Nach seinem Interview zum ITB-Partnerland Ägypten und dem öffentlich ausgetragenen Streit mit Tourismusprofessor Karl Born, über den auch im fvw-Blog intensiv diskutiert wurde, hatte sich die Konfrontation mit der Branche zugespitzt. Fankhauser sagte auch erst dann endgültig seine Teilnahme zum fvw-Gespräch zu, nachdem es eine Aussprache von Brähmig und DRV-Präsident Jürgen Büchy zu der Mail eines Brähmig-Mitarbeiters ("sonnengebräunte Drückerkolonnen") gegeben hatte, die trotz ihrer ironischen Überzeichung von der Branche zu Recht als Beleidigung aufgefasst worden war.

Das Gespräch, das ich mit den beiden im Berliner Parlamentsgebäude Paul-Löbe-Haus führte, erscheint in der neuen fvw Nr. 8, die bereits heute (12. April) als E-Paper zu lesen ist. Brähmig beschreibt die Argumente für seine grundsätzliche ethische Position, Fankhauser schildert anschaulich, wie ein Touristikkonzern weltweit agiert, wo das Management bei Geschäften mit Ländern, die nicht unseren Rechtsstandards genügen, aber auch Grenzen ziehen muss.

Insgesamt verlief das Gespräch sachlich und auch weniger kontrovers als nach den jüngsten Aufregungen zu erwarten war. Brähmig wollte offenbar kein weiteres Öl ins Feuer gießen, Fankhauser nutzte die Gelegenheit, beim Vorsitzenden des Tourismusausschusses eindringlich für eine stärkere politische Unterstützung der Outgoing-Branche einzutreten. Denn der Bundestagsausschuss für Tourismus hat nun mal stark die Deutschland-Brille auf. Klar ist aber auch: Touristik ist mehr als Rendite und schnelles Geschäft. Die Branche muss sich ihrer ethischen und politischen Verantwortung bewusst sein, wenn sie auch mit ihren Lobby-Anliegen ernst genommen werden will. Oder wie sehen Sie das?

Kommentare

von Werner H.., 12.04.12, 13:23
Nach der - empfehlenswerten - Lektüre des Interviews kann ich nur sagen: Da hat Klaus Brähmig aber sehr viel Kreide fressen müssen. Ob ihm die wohl sein Koaltionsfreunde Westerwelle und Niebel geliefert haben?

von Jürgen Barthel, 13.04.12, 16:17
Wenn der Wolf Kreide frisst... ... dann wird noch lange kein Schaf daraus! Und wenn ich dann in diversen FVW-Kommentaren und -Ankündigungen zu diesem Artikel lese, dass sich Brähmig als Befürworter von Tourismus NACH Deutschland sieht, dann ist das um so erschreckender, den Artikel in der aktuellen FVW zur Lage der kleinen Airports zu lesen. Denn mit einer vernünftigen (!) Anbindung an Drehkreuze und Direktverbindungen für Strecken mit ausreichendem Aufkommen, liessen sich die Airports sehr wohl positionieren. Seite 20 der Absatz "Es ist ein Drama" bringt es auf den Punkt! Die Frage, die sich aber stellt: Was bringt ein Passagier? An Steuereinnahmen, Abfertigungsentgelten, wie viel lässt er bei seinem Aufenthalt "im Land"? Insofern hat Brähmig Recht, wir "verdienen" nur an eingehendem Verkehr. Aber auch abgehend hat wirtschaftliche Relevanz, erhöht die Standortattraktivität. Sprudelnde Wirtschaft = sprudelnde Steuereinnahmen. Aber uns geht's wie dem Colorado River, der energetisch so ausgeblutet wird, dass er das Meer schon gar nicht mehr erreicht... Im Gespräch ging es "kurz gesprungen" um Tourismus und Ägypten. Es wird Zeit, dass Druck auf die Politik = die namentlich zu nennenden Politiker aufgebaut wird, eine Strategie für Wirtschaft und Tourismusindustrie (ein- wie ausgehend) in Deutschland vorzustellen. Da frisst mir nicht (nur) Herr Brähmig die Kreide, das tun unsere "Lobbyisten" und die Presse schon genug. Nicht nur ich bin zunehmend frustriert, ich höre in fast jeder Diskussion neue "Horrorbeispiele". "Aber 'die' legen sich doch nicht miteinander an"...?

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