Börse

Wie gut ist der Finanzmarkt London?

Vier Jahre ist es her, dass die größten europäischen Veranstalter von einer deutschen AG zu einer britischen Plc mutierten. Hat es TUI Travel Plc und Thomas Cook Group Plc geholfen?

von Dirk Rogl, 07.06.2011, 13:41 Uhr

Vieles spricht dafür, dass Europas größter Reiseveranstalter am Mittwoch aus der Liste der 100 wichtigsten Unternehmen an der britischen Börse fliegt. Gemessen am Börsenwert bleibt der FTSE Group wohl gar nichts anderes übrig, als die TUI Travel Plc aus dem Börsen-Index FTSE 100 zu streichen.

Ein Drama ist das wohl nicht. Thomas Cook Group Plc erlebte vor einem Jahr das gleiche Schicksal. Der heftige Kursrutsch blieb aus. Und er ist auch diesmal nicht abzusehen. "Ich erwarte keine langfristigen Effekte auf den Börsenkurs", sagt der angesehene Touristik-Analyst Raimon Kaufeld von West-LB gegenüber der fvw. Weitaus mehr Investoren würden nicht der Listung in den Prime Standards sonden den fundamentalen Daten der Unternehmen vertrauen.

Ein wenig nachdenklich stimmt es allerdings schon, dass die Touristik in der Londoner Finanzwelt künftig nicht mehr in der Premier League spielt. Wir alle erinnern uns an den Grund, weshalb die jeweils frisch fusionierten Veranstalter-Riesen Thomas Cook Group und TUI Travel vor vier Jahren trotz jeweils deutscher Aktien-Mehrheiten als britische Public Limited Company an den Start gingen. Es war einzig und allein die angeblich hohe Affinität des Finanzplatzes London für touristische Werte.

Wie kann es also sein, dass die mutmaßlich so reiselustigen britischen Investoren die beiden pan-europäischen Tourismus-Giganten so deutlich abstrafen? Die Antwort ist einfach. Der vermutliche Ausstieg aus dem FTSE 100 ist natürlich nur eine mathematische Frage. Wer vom Börsenwert nicht zumindest die ersten 110 Plätze belegt, hat auch keinen Anrecht auf einen Platz im Top-Index. So erging es der TUI AG bekanntlich im DAX30. Und so muss es auch im FTSE 100 laufen.

Die nächste Frage ist schon schwieriger: Wieso ist die Performance von TUI und Thomas Cook an der Londoner Börse soviel schwächer als der Index selbst? Seit ihrer Premiere vor vier Jahren mussten beide Konzerne Kursverluste von rund 60 Prozent hinnehmen. Die Gründe dafür sind vielfältig, größtenteils fundamental und bekanntermaßen von externen Faktoren wie Aschewolke und Wirtschaftskrise stark beeinflusst.

Bleibt noch die schwierigste Frage. Sitzen in London wirklich die besseren Investoren für die Touristik? Der Handel an der Börse hat immer auch mit Psychologie zu tun. Ist der mir bislang nicht bekannte Nahrungsmittel-Zulieferer Tate & Lyle, der für TUI Travel in den FTSE 100 nachrücken könnte, tatsächlich mehr Wert als eine TUI Travel Plc? Oder haben die Investoren im noch EHEC-freien Großbritannien einfach nur mehr Lust auf vermeintlich krisenärmere Werte als Reise-Veranstalter?

Kommentare

von KFK, 07.06.11, 16:26
Hallo Herr Rogl, maßgebend ist die Marktkapitalisierung an der Börse, also der Gesamtwert der an der Börse gehandelten Aktien des jeweiligen Unternehmens. Da sowohl bei TUI also auch bei TOC der größte Teil der Aktien von Großanlegern gehalten wrid - z.Bsp. von der TUI AG Hannover über 50% an TUI Travel plc sowie mehrere Großinvestoren - ist die Marktkapitalisierung vergleichsweise gering, auch wenn der Gesamtwert aller Aktien der PLC höher ist als zum Beispiel der des Nahrungsmittel-Zulieferers. Dessen Aktien befinden sich jedoch vermutlich zu 100% im sog. freien Handel und (offiziell) nicht bei Großaktionären.

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