Blog zu Sprachassistenten

Alexa, ich will doch nur eine Reise!

Sprachassistenten gelten als das nächste große Ding. Viele Reiseunternehmen setzen auf Amazons Alexa oder Google Home. Doch heute schon mit Alexa Reisen zu suchen oder gar zu buchen, ist sehr ernüchternd, wie ein Selbstversuch zeigt.

von Klaus Hildebrandt, 19.02.2018, 15:15 Uhr
fvw-Chefredakteur Klaus Hildebrandt testete die Reise-Skills von Alexa.
Foto: fvw

Seit einigen Monaten ist Alexa Teil unserer Familie. Sogar unser Hund zuckt nicht mehr, wenn eine unsichtbare Frau zu uns spricht. Wetterbericht, Fernsehprogramm, Nachrichten, Timer, Radio und natürlich Witze funktionieren prima. Auch viele Reiseunternehmen programmieren Skills – so heißen die Anwenderprogramme bei Amazon. Vergangene Woche etwa stellte Ab-in-den-Urlaub eine Reisesuche vor. Wenn die Vision von Googles Mastermind für Shopping und Travel, Oliver Heckmann, eintrifft, werden wir schon bald ganz anders allein per intelligenter Sprachsteuerung unsere Reisen organisieren (siehe Link zum Video unten).

Bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg, wie ein Test von deutschsprachigen Reise-Skills zeigt. Gleich der erste Versuch mit Fluege.com, programmiert von der IT-Schmiede Ypsilon.Net, geht in die Hose. Alexa kann den Skill nicht mehr finden: „Ich weiß nicht, wie ich Dir dabei helfen kann.“ (Anmerkung: Ypsilon.Net hat mich inzwischen darauf hingewiesen, dass man bei der Eingabe den Punkt oder Dot nicht mitspricht. Dann funktioniert der Skill. Das zugesendete Angebot entspricht allerdings nicht immer der Sprachansage.)

Okay, dann eben Swoodoo. Ich suche einen Flug von Hamburg nach London für Anfang März. Ich erhalte eine Verbindung mit Zwischenstopp in Brüssel, obwohl es jede Menge Direktflüge gibt. Bei der Suche nach einem Return-Ticket für Mallorca im August das selbe Spiel: Ich erhalte nur eine Umsteigeverbindung über Wien für 190 Euro, obwohl es sogar günstigere Direktflüge gibt. Einen Buchungscode präsentiert mir die Kayak-Tochter nicht, ich müsste also auf der Website von vorn anfangen.

Jetzt wird es komplexer: Ich suche bei Ab-in-den-Urlaub eine Woche im August nach Belek. Brav antworte ich zu Abflughafen, Sternekategorie, Personenzahl und gebe als Zeitraum 7. bis 16. August und als Verpflegungart in der All-inclusive-Hochburg Halbpension ein. Alexa schlägt mir den Club Calimera Palm Beach vor, ab 644 Euro AI pro Person. In der App gibt es für dieses Angebot einen Code (und weitere Angebote). Den Code muss man auf einer Website eingeben, anders geht es heute wohl noch nicht. Bei Aidu erscheint aber dann eine Reise vom 21. bis 30 August mit ITS oder Jahn Reisen, und der Urlaub kostet mit 1957 Euro für zwei Personen auf einmal deutlich mehr.

Weiter geht es zur Reisesuche von Traffics. Dort kann man nach verschiedenen Kriterien wie Strandnähe filtern, leider nicht nach dem Ort in einer Destination. Ich suche für Mallorca nach Pauschalreisen mit Thalasso-Therapie. In der App-Liste werden mir 29 Hotels präsentiert, am günstigsten ist bei Air Marin das Nautic Hotel für 700 Euro die Woche. Eine zweite Suche für die Malediven liefert stolze 41 Hotels, es beginnt mit 1172 Euro bei Vtours (mit der Aussprache hat Alexa Probleme). Ich erfahre noch, dass ich bald auch über diesen Skill buchen kann. Aber derzeit wäre ein Reisebüro deutlich komfortabler.

Eine einfache Reise mit der Bahn müsste doch kinderleicht sein. Ich probiere es mit einer Fahrt ab Hamburg-Harburg für morgen nach Berlin und danach für übermorgen nach Frankfurt. Beide Male das gleiche Ergebnis: Alexa schlägt mir Verbindungen für heute abend vor. Ich finde mit einem weiteren Versuch nicht heraus, wie man die Abfahrt auf einen anderen Tag oder eine frühere Tageszeit ändern kann.

Jetzt brauche ich Entspannung und starte die „Mein Schiff Entspannungsreise“ von TUI Cruises. Aber da gibt es gar keine Kreuzfahrten, sondern nur drei verschiedene Meditationen (Nordland, Karibik, Mittelmeer). Dafür habe ich keine Zeit. Reisesuche im Internet, und sei es das gesprochene Web, muss offensichtlich funktionieren wie Medizin: Die wirkt auch nur, wenn sie sie bitter schmeckt.

Wie wäre es mit Naherholung? Ich wohne in Hamburgs Süden und will mich über die Lüneburger Heide informieren. „Die Heideblüte ist eines der größten Naturschauspiele Europas“, frohlockt Alexa. Informationen zu Hotels oder zum Wildpark verweigert sie mir jedoch: Die Lüneburger Heide sei eine „samtwellige Landschaft“ und somit ideal für Radtouren, höre ich stattdessen auf beide Fragen. Zum Schluss lerne ich noch, dass sogar zwei Heideköniginnen gekrönt werden (in Amelinghausen und Schneverdingen) und dass Jenny Elvers die bisher berühmteste war. Hieß die nicht Alexa mit Vornamen? Ich bin verwirrt und gebe auf. Aber nur fürs Erste. Denn die Technik wird große Fortschritte machen, bin ich überzeugt.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Sprachsteuerung, wie sehen sie die Chancen für die Reisebranche? Ich bin gespannt auf Ihr Feedback.

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