Bilanzen

TUI und Thomas Cook: Gewinn, Verlust – oder beides?

Die beiden größten europäischen Touristikkonzerne haben fast zeitgleich ihre Bilanzen vorgelegt. Wer ist erfolgreicher, wer verdient eigentlich wieviel Geld – und was sagt uns das alles über die Börsenkultur?

von Klaus Hildebrandt, 02.12.2010, 12:05 Uhr

Gestern kam Thomas Cook mit den Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2009/10 (bis 30. September), heute legte TUI Travel nach. Die ausführlichen Berichte mit allen Zahlen lesen Sie auf fvw.de. Diese basieren auf den ausführlichen Veröffentlichungen der beiden Unternehmen, den Konferenzen für Analysten (die per Webcast aus London übertragen wurden) und Telefonkonferenzen für Journalisten mit den Vorstandschefs Manny Fontenla-Novoa (Thomas Cook) und Peter Long (TUI Travel).

Die generellen Aussagen sind bei beiden gleich: Die Aschewolke und eine schwache Sommersaison im rezessionsgebeutelten Großbritannien haben die Gewinne in Mitleidenschaft gezogen, Deutschland hat sich wie auch Skandinavien und einige andere kontinenaleuropäische Märkte gut entwickelt. Aber wie ertragsstark sind die beiden Touristik-Champions wirklich? Die britischen Zeitungen schreiben über hohe operative Gewinne, in der deutschen Presse heißt es, die beiden Konzerne seien in die roten Zahlen gerutscht. Und das Merkwürdige: Beides ist richtig.

Denn börsennotierte Konzerne (nicht nur in der Touristik) in Großbritannien ticken ganz anders als deutsche: Dort zählt vor allem der so genannte underlying operating profit. Das ist ein Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern, Minderheitsanteilen an anderen Unternehmen und jeder Menge Sonderposten. Gerade diese Sonderposten haben es in sich. Da finden sich jede Menge Restrukturierungs- und Integrationskosten (in Konzernen gibt es ja immer irgendwelche Sparprogramme und Fusionen).

Alles klar bis jetzt? Denn jetzt geht es erst richtig los: Bei Thomas Cook finden sich im underlying operating profit auch noch die Kosten der Aschewolke, weswegen die Cookies sogar noch einen bereinigten operativen Gewinn ausweisen. Bei TUI Travel ist die Aschewolke draußen, dafür hat der Marktführer auch den Betriebsgewinn bereinigt: In der Bilanz steht ein stolzes Plus von elf Prozent. Dabei wurde das Vorjahresergebnis wegen des vor einigen Wochen aufgedeckten Bilanzfehlers (der Umsatz war nicht um Stornos und Rabatte bereinigt) nachträglich abgesenkt, so dass der Betriebsgewinn in diesem Jahr mit 447 Mill. Pfund im Grunde auf dem (unbereinigten) Vorjahresniveau von 443 liegt. Im übrigen sind die Finanzchefs beider Unternehmen schon stolz, dass die Sonderposten deutlich niedriger sind als in den Vorjahren kurz nach den Mega-Fusionen auf dem britischen Markt.

Noch spannender wird es, wenn man sich die Gewinn- und Verlustrechnung zu Gemüte führt: Unter dem Strich steht bei TUI Travel ein Verlust vor Steuern von 36 Mill. Pfund, nach Steuern sogar 104 Mill. Pfund, mehr als im Vorjahr. Bei Thomas Cook gibt es zwar vor Steuern sogar noch einen einigermaßen ansehnlichen Gewinn (42 Mill. Pfund). Aber nach Steuern bleiben auch nur magere 2,6 Mill. Pfund übrig, den Aktionären wird sogar nur ein Verlust von 2,6 Mill. Pfund zugewiesen.

Gehen die beiden Konzerne also am Krückstock? Müssen die Aktionäre bluten? Nein, Sie müssen zu Weihnachten noch nicht für London spenden. Denn die Aktionäre haben ihre guten Dividenden schon erhalten. Bei Thomas Cook bleibt die Dividende konstant, TUI Travel hat die Dividende sogar leicht angehoben, so dass Mehrheitsaktionär TUI AG in Hannover eine höhere Überweisung erhält. Und der Gewinn vor und nach Steuern, für viele deutsche Unternehmen eigentlich die einzig wichtigen Kennziffern, interessieren in London nur am Rande: Die Analysten schauen nur auf den operativen Gewinn, also die angeblich wahre Ertragskraft einer Firma, und das Management sowieso: Denn am operativen Ergebnis bemessen sich die üppigen Bonuszahlungen des Top-Managements. Peter Long stellte heute übrigens noch mal klar, dass wegen der nachträglich niedrigeren Gewinne durch die Sonderabschreibungen bei TUI Travel auch die Boni rückwirkend gekürzt wurden. Sonst hätten die Vorstände vom Fehler noch profitiert.

Und was bedeutet das alles für Deutschland? Deren Deutschland-Chefs Peter Fankhauser (Thomas Cook) und Volker Böttcher (TUI) haben ihre Gewinne im abgelaufenen Geschäftsjahr kräftig gesteigert, trotz herber Umsatzeinbußen vor allem in der vorherigen Wintersaison. Fankhauser vor allem durch Einsparungen, Böttcher vor allem durch die Übertragung der Vermarktung von TUIfly-Städtestrecken an Air Berlin. Margenchampion bleibt Fankhauser mit einer Umsatzrendite aus dem Veranstalter- und Airline-Geschäft (also inklusive Condor) von stolzen 4,1 Prozent. Böttcher verbessert die Rendite der TUI Deutschland (also inklusive TUIfly) auf 2,1 Prozent. Jeweils gemessen am operativen Ergebnis. Das versteht sich doch von selbst, oder?

Kommentare

von Wolfgang Hoffmann, 07.12.10, 11:24
ähm..., wie war das im Mittelteil?

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