Bahn

Die Bahn bloggt planmäßig

Die PR-Affäre bei der Bahn weitet sich aus. Lohnschreiber machten in Online-Foren und per Leserbrief gut Wetter. Auch beim Trio Touristico?

von Klaus Hildebrandt, 02.06.2009, 12:27 Uhr

Bahnchef Grube (nach diesem Vornamen bin ich immer noch geneigt, den Nachnamen Mehdorn zu schreiben) zog vergangene Woche schon Konsequenzen aus den unlauteren PR-Aktivitäten mit fingierten Studien und Meinungsartikeln (fvw.de berichtete). Marketing-Chef Klein-Böltig musste seinen Hut nehmen. Wie der

heute schreibt, hat die Bahn planmäßig Internet-Foren manipuliert. Das gilt auch für Online-Marktführer Spiegel.de selbst: "Von insgesamt rund 2400 Beiträgen in drei Bahnforen waren etwa ein Viertel der Beiträge verdeckt im Auftrag des bundeseigenen Konzerns gepostet", schreibt das Blatt. Auch beim Trio Touristico geht es ab und zu um die Bahn – der Börsengang (und darum ging es in der verdeckten PR) ist allerdings weniger unser Thema als die DB-Vertriebspolitik, wie zum Beispiel die Aufregung um das neue Bahn-Portal für Geschäftsfreisende (siehe dazu die aktuelle fvw vom Freitag). Okay, okay, und außerdem hat das Trio Touristico wohl noch nicht so ganz die Reichweite und bundespolitisch schlagende Bedeutung von Spiegel Online & Co. Das hat den Vorteil, dass wir unsere zahlenmäßig überschaubaren Einträge noch händisch überprüfen können – verdeckte PR war noch nicht dabei. Allerdings scheint sich ein ganz neues Berufsfeld zu etablieren: Der bezahlte Online-Kommentator – ein Web 2.0-Junkie irgendwo zwischen Redaktion, PR und den unendlichen Weiten des WWW. Auf dem Online-Marketing-Day der fvw sagte ein Experte, es gebe sogar schon Leute, die für Firmen gegen Bezahlung twittern. Und Reisecommunities kennen das Phänomen des "Student Generated Content", wo Studenten auf 400-Euro-Basis Reiseführer-Tipps abtippen und so die Communities füllen. Das kann man alles ganz furchtbar und als einen Sittenverfall ansehen. Oder ganz lässig nehmen: Der Fall Bahn zeigt, dass sowas über kurz oder lang meistens doch auffliegt. Und mit dem Börsengang hat's ja übrigens auch noch nicht geklappt – trotz Blogger-Offensive!

Kommentare

von Stephan Reichmann, Booking.com, 04.06.09, 10:05
No Badge-PR ist ein bisschen so wie beim Sport das Doping.

von Wolfgang Hoffmann, 04.06.09, 14:25
innerhalb der Parlamente wird gespindoctort, bis die Lobby bricht..., Unternehmensvertreter schreiben den Abgeordneten die Gesetzentwürfe und Reden..., alles ist unterwandert, und wenn es die Organisation ist, die man eigentlich verbieten lassen will...Warum also sollte man darauf verzichten, das permanete, öffentliche Bahnbashing nicht ein wenig positiv aufzupeppen? Das Internet ist doch prädestiniert dafür! Meinung muss gesteuert werden, sonst wird sie anarchisch! Und dafür darf einem kein Preis zu hoch sein! Bei Holidaycheck funzt es doch auch ganz hervorragend ;-)

von Daniel - Tourismuszukunft.de, 18.06.09, 18:56
Verdeckte PR ist sicher nicht der richtige Weg im Web 2.0 Kommunikation hin zum Kunden zu betreiben, jedoch könnte man schon die provokative Frage stellen, ob der Umsatz infolge gefälschter Bewertungen höher ist als durch das nachfolgende PR Debakel. Nachdem aber sogar Angestellte gehen mussten, sind die negtaiven Kosten sicher nicht zu unterschätzen. Prinzipiell sind gefälschte Beqertungen nicht nachhaltig, da a) eine nicht erfúllbare Erwartungshaltung aufgebaut wird, b) differenzierte Bewertungen glaubwürdiger sind und c) die Bewertungen am meisten Einfluss auf Entscheidungen haben, die entlang sozialer Verbindungen konsumiert werden. Grüße, Daniel Amer. vom Institut für eTourismus

0

Informativ, spannend, subjektiv: Abonnieren Sie den RSS-Feed für den fvw Blog und bekommen Sie ungewöhnliche Einblicke in die Touristik.

 
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten