Bahn

Auf Kurs bringen

Verzweifelte Menschen versuchen ein Fenster in einem Bahnabteil einzuschlagen, um der unerträglichen Hitze im Brutkasten ICE zu entkommen. Das sind Schilderungen, die haften bleiben. Rührt sich jetzt endlich etwas, damit die Bahn wieder auf Kurs kommt?

von Michael Krane, 13.07.2010, 16:42 Uhr

Es folgt jetzt übrigens keine der üblichen Nörgelarien von Gelegenheitsfahrern, die ansonsten mit Wohlwollen in jedem Stau stehen und ihrem Auto jede Panne verzeihen. Hier geht´s um die Bahn, weil sie ein vernünftiges und angenehm komfortables Verkehrsmittel ist. Meistens jedenfalls. Doch der Ärger nimmt zu, selbst unter den Wohlwollenden. Wie heißt es so schön: Es ist höchste Eisenbahn.

Denn der Ärger mit der Technik ist ja nicht neu. Die Klimaanlage ist das Paradebeispiel: Als wöchentlicher, gemütsmäßig bahnaffiner Fernstrecken-Pendler muss man sich jederzeit bei Außentemperaturen über 30 Grad darauf einstellen, dass es auch mal drei Stunden im Zug ohne Kühlung geht. Unabhängig davon, ob es sich um einen IC oder einen ICE handelt. Warum wird der Fehler eigentlich nicht behoben? Hat die Bahn die Wartung eingestellt? Was tut eigentlich die Aufsichtsbehörde?

Was meinen Sie: Wer bringt die Bahn wieder auf Kurs?

Kommentare

von CaptainJarek, 13.07.10, 17:47
Was die Bahn auf Kurs bringt? Na schon mal sicher nicht ein Börsengang!

von Axel Weimar, 14.07.10, 09:42
Es ist frustrierend, mitanzusehen was Herr Mehdorn mit seiner Sparpolitik im Hinblick auf den Börsengang alles angerichtet hat. Ein erheblicher Teil der Flotte ist nicht betriebsbereit, die Mißstände mit den Klimaanlagen muß man schon als kriminell bezeichnen. Das Bild das dieser Monopolbetrieb abgibt, der JAHR FÜR JAHR seine Preise erhöht und Reisebüros die Provisionen kürzt ist jämmerlich.

von schulz, 14.07.10, 10:44
Markige Sprüche des Vorstands der Bahn sind auf Dauer keine überzeugende Argumentation, dass sich (wieder) was bei der Bahn bewegt. Was jetzt wirklich nur überzeugen kann, sind schnelle und nachhaltige Korrekturen in der strategischen (Service) Ausrichtung.

von Barbara Klüver, 14.07.10, 11:16
Langsam kann die Bahn nichts mehr auf Kurs bringen. Ein eigentlich gutes Produkt wird durch fehlende Wartung und technische Fehler immer mehr mit negativ Image belastet!

von victor, 14.07.10, 12:27
…anscheinend wieder leider nur die nun anlaufenden Klagen! Es sind ja, wie Sie schon schreiben, nicht nur ICE-, sondern auch IC-Züge von Wartungsproblemen betroffen. Das Wagenmaterial ist oftmals uralt, gefahren wird zurzeit bei Hitze teilweise mit offenen Fenstern. Die Frage, ganz analog zu den Zuständen bei der Berliner S-Bahn, ist doch ob es Wartungsvorschriften der Erzeuger für die Klimaanlagen gibt? Wenn ja, wurden diese eingehalten? Wie hoch ist die vertragliche Lebensdauer? Wurde eine Auswechslung gemäß Vorschrift des Erzeugers eingehalten? Es kann doch auch davon ausgegangen werden, dass für die Zulassung von Personenwagen im IC- oder ICE- Verkehr technische Richtlinien des Eisenbahnbundesamtes existieren, die für die Dimensionierung von Klimaanlagen bei der Personenbeförderung nach AEG einen Rahmen setzen und bestimmen, wann die Beförderung z.B. bei Raumtemperaturen über 50 Grad Celsius unzulässig wird und ob beim Bahnbetrieb mit ausgefallener Klimaanlage rechtliche Verstöße aufgetreten sind. Es ist traurig, aber trotzdem zu hoffen, dass wenigstens bald einige (juristische) Antworten vorliegen damit sich etwas ändert und die Bahn dann vielleicht zukünftig bereit ist einen defekten Zug einfach an den Knotenpunkten des Reiseverkehrs auszutauschen.

von Uta, 14.07.10, 13:41
Ich hatte am Sonntag leider das "Vergnügen" in einem dieser Züge sitzen zu dürfen. Das schlimme an der Sache ist, dass es für jeden Tiertransport in Deutschland Bestimmungen gibt, nur für den Transport von Personen bei der Deutschen Bahn scheinbar nicht. Hier wäre wohl ein gesetzlicher Rahmen notwendig und dann wäre die Bahn gezwungen auch die nötigen Wartungs- und Reparaturarbeiten an ihren Zügen durchzuführen. Schlimm genug, das der Konzern nicht von selbst darauf kommt, unter welchen Bedingungen, Menschen zu transportieren sind.

von Der Schalk, 14.07.10, 18:55
. . . auch das sind doch nur Einzelfälle und auch dafür hat die Bahn schon eine Antwort: Die neue Bahncard 50 http://twitpic.com/24vjnz

von Frank Dost, 15.07.10, 09:13
Vielleicht bewegt sich ja etwas im Sinne der Kunden bei der DB AG, wenn Anzeigen gegen Herrnr Dr. Grube und Herrn Homberger (Vorstandmitglied DB AG Personen-Fernverkehr) wegen "Beihilfe zur Körperverletzung" bei der zuständigen Staatsanwaltschaft eingehen. Es ist schon peinlich feststellen zu müssen, dass die Staatsanwaltschaft nunmehr gegen den ICE-Chef des betroffenen ICE`s Hannover-Köln ermittelt und offensichtlich die Verantwortlichen in der Chef-Etage in Berlin ungeschoren davon kommen. Die DB AG wird seit Jahren, verstärkt unter der Führung von Herrn Mehdorn. zu Lasten der "einfachen" DB AG Mitarbeiter, zu Lasten des Materials und letztendlich zu Lasten der Kunden, "kaputt-gespart!" Den Oberen der DB AG in Berlin ist es bekannt, wie auch den verantwortlichen Politikern und den Aufsichtsräten (Diesen jedoch nur, wenn sie "Aufsicht", wie der Begriff es ausdrückt, ausüben würden) Aber es gibt ja bei der DB AG nur zwei Ziele: 1. Börsengang 2. Global-Player Der Rest, wie auch der Kunde, ist uninteressant. Vielleicht sollten die Verantwortlichen bei der DB AG mal darüber nachdenken was ein anderes deutsches Unternehmen, Mercedes, mit dem Versuch "Global-Player" erlitten hat = Schiffbruch! Vielleicht müssen ja solche Vorfälle sein, um den Kurs noch ändern zu können. Gruß Frank

von Volker Blum, 15.07.10, 13:44
Mich würde bei der ganzen Diskussion ja mal brennend interessieren, wie sich eigentlich das vor Ort befindliche Zugpersonal verhalten hat. Diese ganze Meckerei auf den längst aus dem Amt geschiedenen Mehdorn etc übersieht doch, daß da ein Zugführer und div weitere Mitarbeiter im Zug keine vernünftige Entscheidung getroffen haben. Braucht die Bahn jetzt also wirklich 4000 Smartphones damit die Zugbegleiter merken wie heiß es im Zug ist? Können die nicht mit der Leitstelle kommunizieren und Anweisungen einholen oder gar beschließen den Zug im nächsten Bahnhof einfach zu stoppen? Natürlich sind die Sparmaßnahmen schlußendlich verantwortlich für den Ausfall der Klimaanlage aber für den Umgang mit diesem Problem ist nunmal die Crew an Bord zuständig. Hier sehe ich ein großes Verbesserungspotential, das direkt und wirkungsvoll ist, aber überdeckt wird von dem üblichen Geschimpfe über "die da oben".

von Wolfgang Hoffmann, 15.07.10, 15:55
"Thank you for struggeling with Deutsche Bahn!"

von Frank Dost, 15.07.10, 17:57
@ Volker: So ganz kann ich deinen Aussagen nicht folgen, denn aus meiner Sicht sind "DIE DA OBEN" ebend die Schuldigen und nicht der "normale" DB AG Mitarbeiter in den Zügen, auf den Triebfahrzeugen (ja so nennt die DB AG die Loks oder Antriebsköpfe oder Steuerwagen), der in den meisten Fällen versucht seine Arbeit korrekt zu machen und im Regelfall zwischen den Stühlen sitzt! Anforderung der Kunden versus Anforderungen seines Arbeitgebers. Alle Diskussionen nutzen bei der DB AG wenig und ein altes Sprichwort bringt es auf den Punkt: "Der Fisch stinkt vom Kopf!" (Wer immer dieser Kopf temporär war und gerade ist!) Frank

von Volker Blum, 15.07.10, 19:58
@Frank, keine Frage, daß die Verantwortung für die technischen Probleme beim Vorstand ihren Ursprung haben. Mir geht es ja um den Umgang damit, denn auch die Nichtschuld befreit einen Mitarbeiter nicht davon im Kundeninteresse zu handeln in der verfahrenen Situation. Und genau daher würde es mich interessieren, was da gemacht wurde. Wurde Wasser verteilt oder braucht es dafür eine Diernstvorschrift. Warum müsseen erst Leute im Zug kollabieren bis des Zugpersonal den Zug stoppt, darf das der Lokführer nicht von sich aus? Hat der die Anweisung auf gedeih und Verderb die Mühle pünktlich zum Endbahnhof zu bringen, auch wenn die Kunden bei Niedertemperatur gegart werden? Das Desaster hätte ggf nicht so eintreten müssen, wenn vorher gehandelt worden wäre und das kann in dem Moment der Vorstand nicht machen.

von Ulrich von dem Bruch, 16.07.10, 09:30
Bei der Anzahl der Krisen, in die die Deutsche Bahn hausgemacht schliddert, lohnt sich ein ständiger Krisenstab. Der könnte dann auch schnell entscheiden, wenn ein Schaffner sich unsicher ist, ob es richtig ist, dass hunderte von Leuten kollabieren.

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