Ashampoo

Vertikal integrierter Softwareanbieter

Google flirtet mit ITA, Microsoft bastelt an Bing und Apple sichert sich ein Patent für Itravel. Ein deutsches Softwarehaus zeigt, wie Touristik richtig funktioniert.

von Dirk Rogl, 12.05.2010, 13:58 Uhr

Gerüchte rund um den IT-Riesen Apple machen immer Schlagzeilen. Und wenn die Mannen um Steve Jobs ein Patent für Itravel anmelden, dann ist Spekulation Tür und Tor geöffnet. Vor einiger Zeit entdeckten die Blogger von Patently Apple offenbar routinemäßig die interpretationsfähigen Patentunterlagen. Das Dokument zeigt nur bedingt Revolutionäres. Klar: eine echte Apple-Revolution sollte gleichermaßen Buchen, Reservieren und Einchecken können. Und das tut sie offenbar auch.

Wie das am besten funktioniert, ist derzeit eines der dominierenden Themen in der Travel Technology. Das von Apple für die Identifizierung der Reisenden bevorzugte Near Field Communication - bislang übrigens kein Bestandteil aktueller Iphone-Modelle - hat sicher Charme. Ob eine solche Technik aber auch von GDS und der Airline-IT unterstützt wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Und ob Leistungsträger ausgerechnet Apple als bevorzugten Vertriebspartner akzeptieren, sei nach den leidvollen Erfahrungen der Musikindustrie einfach mal dahingestellt. Reiseveranstalter müssen sich hier übrigens keine Sorgen machen. Denn Pauschalreisen tauchen in dem Itravel-Patentauszug, anders als Kreuzfahrten und Züge, gar nicht erst auf. Das lässt auf einen eher angelsächsischen Blickwinkel der Entwickler schließen.

Über die potenziellen Ziele von Google und Microsoft haben wir im fvw-Eblog hinreichend geschrieben. Viel handfester und deshalb in diesem Blog sind da schon die touristischen Aktivitäten des deutschen Software-Unternehmens Ashampoo, eines mittelgroßen Anbieters etwa von Virenschutz- und Bildbearbeitungsprogrammen. Still und leise hat sich Ashampoo ein touristisches Standbein aufgebaut. Die Synergien zum Kerngeschäft sind offenbar minimal. Dafür bastelt Ashampoo an einem vertikal integrierten Reiseunternehmen, zugegebenermaßen auf kleiner Flamme.

Seit geraumer Zeit leistet sich Ashampoo auf der Nordsee-Insel Wangerooge eine eigene Diskothek. Zudem betreibt der Softwarekonzern unter Airshampoo.de ein kleines Flugreiseportal, auf dem es alles andere als Linienflugtickets gibt. Auf der Seite werden beispielsweise Charterflüge vermietet. Und im Bedarfsfall können Hobbypiloten auf Airshampoo ein eigenes Flugzeug ordern. Die meisten davon stehen im firmeneigenen Aerodrome, dem hauseigenen Flugzeugmarkt am Firmensitz in Ganderkesee. Diese Aktivitäten sind offenbar die Keimzelle für ein touristisches Projekt, das Sinn machen könnte.

Denn Ashampoo schwingt sich auf, Wangerooge großflächig touristisch zu erschließen. Im abseits gelegenen Westturm der Insel will das Unternehmen ein Erlebniscenter für die Urlaubsgäste eröffnen. Ein eigener Zeltplatz und eine Anbindung an das wichtigste Verkehrsmittel Wangerooges, die Inselbahn, sollen das Projekt abrunden. Und klar: Via Airshampoo.de werden neuerdings auch Charterflüge auf die Insel angeboten, in einer Cessna zu Preisen ab 399 Euro.

Mit Travel Technology hat all das wenig zu tun, vielmehr ist das Bauchtouristik 1.0. Aber wer weiß, vielleicht ist der Buchungs-Button für die Charterflüge künftig ja in der weit verbreiteten Viren-Software Ashampoo-Firewall integriert. Eine Gefahr für die Geschäftslogik im deutschen Reisevertrieb wäre das vermutlich nicht.

Und Apples Itravel? Schauen wir mal, wann und wie das Patent mit Leben erfüllt wird. Mit den Niederungen des durchaus profitablen deutschen Bädertourismus gibt sich Apple aber gewiss nicht ab.

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