Aschewolke

Aschewolke - wer hat dazugelernt?

Wieder sind Flughäfen dicht, wieder leisten Airlines, Veranstalter und Reisebüros Schwerstarbeit. Und wieder gibt es ein politisches Wirrwarr.

von Klaus Hildebrandt, 25.05.2011, 08:54 Uhr

Seit heute morgen waren die Flughäfen in Hamburg, Bremen und Berlin für mehrere Stunden geschlossen. In der Reisebranche muss wieder kräftig umdisponiert werden. Schon am Dienstag kündigte sich das Ungemach an, Flüge etwa nach Schottland wurden gestrichen. "Ich hatte heute bereits sieben Anrufe besorgter Kunden und hoffe nicht, das es sich wieder wie im letzten Jahr entwickelt!", schrieb Lisa Fassbender von Airportreisemarkt.de bereits gestern auf der Facebook-Seite der fvw.

Die Reisebranche beweist einmal mehr, wie professionell ihr Krisenmanagement inzwischen funktioniert. Wenn man das doch nur auch von der Politik sagen könnte: Verkehrsminister Peter Ramsauer, der sich bei der Aschewolke vor einem Jahr nicht gerade mit Ruhm bekleckerte, wirft der EU vor, dass es bislang keine einheitliche Regelung für die Flugverbote gibt, EU-Verkehrskommissar Siim Kallas keilt zurück: "Die Festlegung eines einzigen Grenzwertes ist äußerst problematisch, weil die Beschaffenheit der Asche unterschiedlich ist und jede Aschewolkenkrise anders verlaufen kann."

Ryanair-Chef Michael O'Leary, der sonst gerne gescholten wird, hat gestern, ähnlich wie Air Berlin und Lufthansa im Vorjahr, einen sinnvollen Selbstversuch starten lassen: Ein Ryanair-Jet durchflog eine Zone in Schottland mit angeblich hoher Aschekonzentration – doch während des einstündigen Flugs und bei der Inspektion nach der Landung war von Asche nichts festzustellen.

Zumindest gehen die Behörden in den einzelnen Ländern dank des abgestuften Grenzwerte-Modells differenzierter als vor einem Jahr vor und legen nicht mehr gleich ganze Nationen lahm. Zudem scheint dem Vulkan Grímsvötn langsam die Puste auszugehen, der Spuk könnte nach Meinung von Ramsauer schon heute wieder vorbei sein. Einige Flugkonkurrenten sehen sich trotzdem als Krisengewinnler: "Erneute Aschewolke über Europa steigert Nachfrage nach internationalen Bahn-, Bus- und Fährverbindungen", meint zumindest das Portal Verträglich-reisen.de. Aber bislang scheinen die Kunden das neue Ungemach mit einiger Ruhe zu ertragen – oder wie sind Ihre Erfahrungen?

Kommentare

von Jürgen Barthel, 25.05.11, 10:33
Also was hier wieder seitens der Politiker abgeht spottet doch jeder Beschreibung. Hamburg, Bremen, nun auch Berlin gesperrt. Und das ohne jeglichen Testflug, nur anhand 'empirischer' Daten. Und obwohl die wie im Blog ja berichtet, Ryanair diese 'Modelle' ad absurdum geführt hat... Also wird wieder der Luftverkehr massiv geschädigt - ausschliesslich anhand von 'theoretischen' Rechenmodellen...

von Wolfgang Hoffmann, 25.05.11, 10:39
es ist unseren Kunden, die ab HAM fliegen wollten nicht zu erklären, warum der dänische Luftraum frei ist. Es ist für deren Geschäftspartner im Ausland nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet deren Flug nicht als annuliert gekennzeichnet ist. Dass wir Reisebüros wieder einmal die gewachsenen Netzwerke nutzen, um persönliche Katastrophen abzumildern, dass wir Kulanzen erwirken und immer noch ein Hintertürchen entdecken, dabei die Qualitäten von Seelsorgern, Psychiatern und Superman entwicklen, das sei nur nebenbei erwähnt. Und denen, die ganz verzweifelt bei uns anrufen, obwohl sie nicht bei uns gebucht haben, denen sei gesagt: Zumindest wisst Ihr jetzt, dass wir gerne für Euch tätig werden, aber nur, wenn Ihr bei uns gebucht habt. Bis zum nächsten Mal.

von Wolfgang Hoffmann, 25.05.11, 12:00
Alles wieder auf..., ÄÄÄTSCH! Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu, oder? So ne angebliche "Wolke" dürfte doch nicht so labil sein, oder? Hat die eigentlich jemand wirklich gemessen? Tja! Alle akuten und vorsorglichen Stornos für'n Ar***! Wer bezahlt den wirtschaftlichen Schaden? Der Verbraucher! Im Zweifelsfall der Steuerzahler. Ich sag ja, wenn die Verantworlichen in der Politik sich ihre Apanagen unter marktwirtschaftlichen Umständen erwirtschaften müssten, dann müssten die sich von der Tafel ernähren!

von Peter Melchior, 25.05.11, 15:26
Also als Norddeutsche mit insgesamt 9 Abflügen oder Ankünften in Hamburg und Bremen -wir haben auch vorsichtshalber FMO und HAJ Abflieger einbezogen- war heute morgen für jeden 2 Telefongespräche, SMS oder Twitter angesagt und unsere Kunden haben sich gefreut, dass sie informiert waren, getröstet wurden und Sie sich bei uns gut aufgehoben fühlten. Im übrigen wurden die meisten Flüge am Nachmittag mit großen Verspätungen dann doch durchgeführt. Zwei Geschäftskunden mit Flügen in den Nahen Osten haben wir mit Mietwagen versorgt und direkt nach Frankfurt geschickt. Unserem Menschen von der Lokalzeitung haben wir dies natürlich auch berichtet, das steht dann morgen in der Presse. Das die Europapolitik immer noch schläft und sehr unflexibel ist, wundert mich in keiner Weise.

von Weis,Joachim, 25.05.11, 17:48
GOTT SEI DANK - der Spuk hat ein rasches Ende gefunden. Welcher Messwert nun gelten soll 2 mg oder 4 mg pro Kubikmeter? Jeder regelt es bisher anders. Ich denke hier ist die Forschung aufgerufen einen annäherenden Wert zu ermitteln, bei dem ein sicheres Fliegen möglich ist. Dies darf auch etwas an Geld und Zeit kosten. Und dann wäre es zu begrüssen, wenn über Europa ein Einheitswert gilt!

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