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Low Fare für teures Geld

Wie Sauerbier preisen die Airlines ihre Apps zum kostenfreien Download an. Wer die Programme auf seinem Smartphone installiert, mag auch ein loyaler Kunde werden. Ausgerechnet Ryanair bittet seine Kunden nun zur Kasse. Und das ist ganz schön clever.

von Dirk Rogl, 05.09.2012, 09:25 Uhr

Neue iPhone-Apps sind uns gemeinhin keine Zeile wert. Zu umfänglich ist das Angebot, zu wenig einzigartig die Innovation, zu werblich der Anlass. Die Flut an Airline-Applikationen für mobile Endgeräte von Apple und Android scheint schier unendlich. Jetzt kommt eine neue Variante hinzu: Die iTunes-App von Ryanair.

Das Tool besticht primär durch zwei bemerkenswerte Alleinstellungsmerkmale.

Wieso eigentlich nicht? Ryanair nimmt bekanntlich für quasi jede erdenkliche Dienstleistung saftige Aufschläge, vom Check-In bis zum Gepäck. Die Smartphone-App ist da nur eine neue Facette. Andere Airlines würden mit so einem Gebührenmodell vermutlich gnadenlos scheitern. Ryanair wiederum hat Chancen, weil die Airline ihre Kunden seit jeher mit brutaler Härte zur Buchung auf die eigene Web-Site zwingt.

Die Iren legen bekanntlich großen Wert darauf, dass die eigenen Tarife nur auf der eigenen Web-Site findbar sind. Um sich vor fremden Screenscrapern zu schützen, steht vor der Tarifabfrage auf Ryanair.com die Eingabe eines grafischen Sicherheits-Codes, dessen Entschlüsselung Maschinen und bisweilen auch Kunden vor allergrößte Herausforderungen stellt. Dies zu umgehen, könnte für treue Ryanair-Kunden durchaus ein Anreiz sein.

Dabei muss Ryanair aufpassen. Viele Travel-Management-Systeme und einige ausgesuchte Online-Reisebüros haben die Ryanair-Tarife inzwischen wieder auf offiziellem Wege in ihrem Portfolio. Selbst einige dynamische Veranstalter bündeln ihre Reisepakete, trotz erbitterten Rechtsstreit der Iren etwa gegen den dynamischen Branchen-Primus V-Tours (korrigiert, statt "X-Tours"), inzwischen wieder mit irischen Low-Fare-Flügen. Wer zwingend mit Ryanair-Flügen will, muss also trotz aller technischen Restriktionen nicht zwingend auf Ryanair.com gehen.

Und noch etwas wird deutlich: Der Carrier dürfte gar kein Interesse haben, dass seine Smartphone-App ein echter Renner wird. Über die eigene Homepage lassen sich errtragreiche Zusatzleistungen viel besser verkaufen. Und auf der Homepage ist deutlich mehr Platz für Werbung. Den mobilen Check-In hat Ryanair vorsorglich gar nicht erst als mobilen Service etabliert. Denn wer sein Check-In erst am Flughafen erledigt, wird von Ryanair noch einmal gewinnbringend zur Kasse gebeten.

Und diese Einnahmen sind mindestens so rentabel, wie eine Smartphone-App für 2,99 Euro, die ihren Kunden nicht einmal den vollen Service bietet. Aber keine Frage: Wer diese 2,99 Euro investiert – ich war zu geizig – wird einen zusätzlichen Anreiz haben, über die App auch tatsächlich einen Flug zu buchen. Das ist dann das ziemlich das Gegenteil des von den Iren geprägten Billig-Hypes sondern eine ziemlich gute Kundenbindung. Low Cost kann ganz schön teuer sein.

Kommentare

von Achim Schneider, 05.09.12, 12:15
Guten Tag Herr Rogl, wer ist denn X-tours?

von Dietmar, 05.09.12, 13:17
Wer oder was ist Ryanair? Das müssen doch nur Leute wissen, die sich gerne abzocken lassen.

von Horst, 05.09.12, 18:22
Ryanair hat sehr viel Attraktivität eingebüßt und ist bei vielen nicht mehr erste Wahl. Persönlich fliege ich seit sehr langer Zeit nicht mehr mit Ryanair aufgrund: - Flughäfen im trolligen Niemandsland - Freundlichkeit Mangelware (bei low cost will ich ja noch nicht mal Service, aber Freundlichkeit wäre doch machbar...) - Extra-Kosten für zu lange Fingernägel, vor Abflug nicht auf dem Klo gewesen (groß) und und und ... Fliegen geht einfach nicht wirklich billig! Alle scheitern an den Kosten hinsichtlich Sicherheit, Wartung, Ist-Kosten. Und irgendwie ist das auch gut so. Geld verdienen damit doch nur sehr sehr sehr wenige... Da lobe ich mir die 99,-€ Angebote von Lufthansa. Günstiger als der ICE und alles passt.

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