Anschläge

Der Terror in Paris und der Tourismus

Mit dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" ist der islamistische Terror zurück in den westlichen Metropolen. Leider hat diese Form von Gewalt häufig auch eine indirekte Verbindung zur Reisebranche.

von Klaus Hildebrandt, 08.01.2015, 09:19 Uhr

Der barbarische Angriff auf die Satirezeitschrift in Paris, bei dem zwölf Menschen getötet und elf verletzt wurden, schockiert die Welt. Seit dem 11. September 2001 wissen wir, dass Gewalttaten, bei denen der Islam missbraucht wird, auch eine direkte Wirkung auf den Tourismus haben. Ich rede jetzt nicht einmal von den unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen, die auch Madrid und London nach den Anschlägen dort zu spüren bekamen. Es geht eher um eine Islam-Debatte im allgemeinen. Die Terroristen wollen einen Kampf gegen die westliche Kultur anzetteln, zu der auch eine Pressefreiheit gehört, die wie beim Satiremagazin "Charlie Hebdo" bis über die Schmerzgrenzen hinaus gehen kann.

In der Folge derartiger extremistischer Anschläge, die muslimische Verbände zu Recht auch als Angriff auf ihre Religion verurteilt haben, können sich leider anti-islamische Strömungen verstärken. Darunter leiden dann wirtschaftlich muslimische Länder, für die Tourismus eine wichtige Einnahmequelle ist. Vor allem trifft es viele Menschen in der Reisebranche persönlich, die seit Jahren gute Kontakte zu Reisemanagern und Tourismusverantwortlichen aus arabischen Staaten pflegen. Vielen Menschen in der Reisebranche (und auch mir) sind jetzt schon die Pegida-Demonstrationen unendlich peinlich, und es ist großartig, wieviele Gegendemonstranten in Köln, Hamburg und anderswo auf den Beinen waren. Die Tourismusverantwortlichen aus Dresden haben im übrigen Mühe, das Bild einer weltoffenen Stadt zu vermitteln, weil die Bilder dieser montäglichen Aufmärsche um die ganze Welt gehen. Mir als Journalist geht es darüber hinaus gründlich gegen den Strich, wenn die Pegida-Demonstranten gegen eine angeblliche "Lügenpresse" wettern – ein Begriff den, wie Medienexperte Hans-Peter Siebenhaar ausführt, NS-Propagandaminister Joseph Goebbels geprägt hat und der von Rechtsradikalen verwendet wird.

Ermutigend ist, wie stark die Welt jetzt nach den Anschlägen von Paris zusammenrückt. Das gilt insbesondere für die Journalisten, aber auch für den Tourismus. Denn der lebt nicht nur von einer offenen Welt. Er ist auch – und das ist keine Phrase – einer der besten Wege, dass Menschen andere Kulturen und Religionen kennenlernen. Diese Branche ist das beste Beispiel dafür, wie über alle Grenzen hinweg Menschen zusammenleben und arbeiten können.

Kommentare

von Hüseyin Baraner, 08.01.15, 16:18
Angesichts des grausamen und beklagenswerten Attentats in Paris müssen wir nun auch als Touristiker aus aller Welt noch weiter zusammenrücken, müssen gemeinsam demonstrieren, aber auch gemeinsam leben, reisen und Urlaub machen. Nur dadurch können wir den Terroristen deutlich machen, dass wir uns einerseits nicht einschüchtern lassen, aber andererseits auch nicht dazu anstacheln lassen, Hass und Feindschaft zu empfinden. Dabei sollte uns die ruhige Art ein Vorbild sein, wie die Menschen in Paris ihr Mitgefühl mit den Opfern und ihre Verurteilung des Anschlags zum Ausdruck bringen, ohne dabei angebliche Fremde zu „Anderen“ abzustempeln. Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, dass es genauso leicht ist, Gemeinsamkeiten zu finden wie Trennendes, und uns Tag für Tag entscheiden, das Gemeinsame zu betonen! Wir müssen uns aber auch bewusst sein, dass es Reisen und Urlaub nicht ohne Menschen und das Verständnis zwischen ihnen geben kann. Wir dürfen niemals davon ausgehen, dass die Pflege einer Destination damit geleistet ist, dass man die neuesten Flugzeuge einsetzt, bequeme Transfers bietet und tolle AI-Hotels anbietet. Vielmehr muss man auch den Dialog mit den Menschen pflegen, die an den Urlaubsorten leben, und muss sich für sie und mit ihnen engagieren, um Toleranz, Verständnis und Gemeinsamkeit zu ermöglichen. Da wir die Gefahren, die heute so deutlich werden, bereits vor Jahren erkannt haben, haben wir vor vier Jahren das Inter Dialogue Institute unter Vorsitz des Präsidenten Nuri Özaltin gegründet. Wir werden uns weiterhin für den Dialog zwischen den Kulturen, Religionen und Völkern einsetzen, und finden dieses Engagement wichtiger denn je. Hüseyin Baraner Generalsekretär Inter Dialogue Institute – Institute for International and Intercultural Dialogue e.V. Uhlandstraße 175 10719 Berlin www.int-dialog.org

von Steffen Butzk, 08.01.15, 16:46
Lieber Herr Hildebrandt, schön, daß Sie so schnell auf den scheußlichen Terror-Akt in Paris reagiert haben. Etwas bedenklich finde ich allerdings, daß Sie hauptsächlich auf die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen hinweisen. Ziel eines jeden Terrors ist es, Angst und Schrecken zu verbreiten, damit die jeweilige Bevölkerung eben gegen diesen Terror nicht aufbegehrt und die Terroristen das tun & lassen können, was sie wollen. Verbunden mit den schlimmsten Auswirkungen auf jeden einzelnen Bürger. Wozu dies führen kann, hat uns hierzulande der NS-Terror von Hitler und seinen Schergen auf schrecklichste Art & Weise vor Augen geführt. Insofern geht es um weit mehr als nur wirtschaftliche Auswirkungen. Daß insbesondere wir Touristiker von Akzeptanz & Toleranz in vielen anderen Ländern leben, sollte gerade uns veranlassen, uns viel stärker öffentlich als "je suis Charlie" zu bekennen. Ich bin sehr gespannt, ob dies in den nächsten Tagen der Fall sein wird ... . Mit freundlichen Grüssen Steffen Butzko Geschäftsführer adamare SingleReisen

von Manuel Butler, 09.01.15, 09:17
Lieber Klaus, Vielen Dank für Deine Meinung, an die ich mich anschliesse. Du hast es perfekt ausgedrückt!! Manuel Butler Direktor Spanisches Fremdenverkehrsamt in Berlin

von Skeptiker, 09.01.15, 14:06
Wollen wir hoffen, dass die politischen Reaktionen auf diese Morde nicht amerikanisch geraten (Ausrufung des Rachekriegs), sondern norwegisch (dies ist eine Prüfung der offenen Gesellschaft, die wir bestehen müssen). Jedenfalls ich hoffe das. Dies ist mein Land und mein Europa und meine Welt, und ich will nicht, dass wir Gewalttätern erlauben, darüber zu bestimmen, wie wir leben dürfen. Verzeiht mir das Pathos. Je suis Charlie aussi.

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