Alltours

13 Millionen Gewinn - viel oder wenig?

Alltours meldet heute den Gewinn für das abgelaufene Geschäftsjahr. Sind 13 Millionen Euro ein stolzer oder ein eher bescheidener Gewinn?

von Klaus Hildebrandt, 28.06.2011, 09:22 Uhr

Eigentlich müsste Alltours-Chef Willi Verhuven zur Ertragslage seiner Unternehmensgruppe gar nichts sagen. Der viertgrößte deutsche Veranstalter ist nicht börsennotiert, Kollegen wie Dietmar Gunz (FTI) oder Gerald Kassner (Schauinsland) halten sich mit Ertragsangaben eher zurück. Nun lassen sich zwar auch Daten im elektronischen Bundesanzeiger nachschlagen, aber dort landen die Jahresabschlüsse erst mit langer Verspätung und sind für einzelne Gesellschaften (also zum Beispiel Alltours Flugreisen und Alltours Reisecenter) statt für die Gruppe gelistet, was unübersichtlicher ist und wegen interner Verrechnungen auch intransparenter sein kann.

Einen Gewinn vor Steuern von 13,1 Mill. Euro im Geschäftsjahr 2009/10 meldet also Verhuven heute für die Unternehmensgruppe, zu der neben dem Veranstalter und den Reisebüros auch die Tochter Alltours Spanien gehört, die die Allsun-Hotels betreibt. Die Umsatzrendite dürfte bei gut einem Prozent liegen, das Veranstaltergeschäft setzte 2009/10 1,170 Mrd. Euro um.

Nun braucht Verhuven als selbstständiger Unternehmer auch gar keinen höheren Gewinn, zumal er den Ertrag ohnehin nicht ausschüttet, sondern den mittlerweile offenbar gut gefüllten Gewinnrücklagen zuführt. 13 Mill. Euro ist ist eine Menge Geld. Gleichwohl betonen TUI, Thomas Cook und (in abgemilderter Form) die Touristik der Rewe Group gebetsmühlenartig, ein Prozent Rendite reiche ihnen (und den Aktionären) nicht. Drei Prozent müssten es schon im Veranstaltergeschäft sein, besser noch fünf Prozent, die Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla Novoa mal als "heiligen Gral der Touristik" bezeichnete.

Ich habe hier im Blog schon darauf hingewiesen, wie aus deutscher Sicht etwas seltsam die britischen Konzerne TUI Travel und Thomas Cook Group ihren operativen Gewinn berechnen. Dieser "underlying profit" zeigt eine höhere Rendite. Geht man jedoch auf die von Verhuven verwendete und nach deutschem Bilanzverständnis immer noch maßgebliche Kennzahl Gewinn vor Steuern, ergibt sich ein anderes Bild: Bei TUI Travel zeigt sich für 2009/10 sogar ein Minus von 36 Mill. Pfund in der Gewinn- und Verlustrechnung, bei Thomas Cook ein bescheidener Gewinn von 42 Mill. Pfund (47 Mill. Euro), aus dem sich eine Umsatzrendite von 0,4 Prozent ergibt. Wie gesagt, die Engländer rechnen anders, die operativen Margen sind höher. Aber um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: So schlecht liegt zumindest gemessen an der harten Währung Gewinn vor Steuern Alltours nicht.

Dass die gesamte Touristik mit derartigen Renditen (die im Vertrieb ja noch niedriger sind als im Veranstaltergeschäft) nicht zufrieden sein kann, ist ein ganz anderes Thema, dem wir auf dem fvw Kongress in Köln nachgehen. "Viel Umsatz, wenig Gewinn?" Um diese Frage geht es am 13. September unter anderem mit Fontenla-Novoa, Norbert Fiebig (Rewe), Horst Baier (TUI AG) und Wolfgang Altmüller (Raiffeisen-Volksbank Altötting-Mühldorf).

Kommentare

von Jürgen Barthel, 29.06.11, 09:40
Es ist eine alte Weissheit, dass man in der Touristik sehr schnell viel Geld verlieren kann und mit viel Mühe ein bisschen Geld verdient. Ein Grund, warum Investoren (und Banken) gegenüber dieser Branche zurückhaltend sind. Ein Grund mag sein, dass zumeist über den Preis verkauft wird, die Emotion des Käufers wird nur bei Luxusreisen angesprochen. Wie berichtete Ryanair schon vor Jahren: "Die Billigreise - vor Ort aber wird Geld ausgegeben"... Vielleicht kann FVW ja mal über Büros berichten, die auf die Emotion in ihrem Vertrieb setzen und damit höhere Margen erzielen...? Und wie sie das tun...

von Jan Lehmann, 10.07.11, 15:21
Höhere Margen sind mit qulitativ höheren Produkten und der Auswahl spezialisierter Veranstalter möglich. Alles Dinge, zu denen Alltours wohl offensichtlich weniger Bezug hat. Das neueste Zitat von Willy Verhuven im Forum der aktuellen FVW-Ausgabe spricht da wohl Bände (" Ich finde kinderfreie Hotels asozial...")! Da, wo ich aufgewachsen bin, war früher "Asozialität" ein Straftatbestand. Wohl dem, daß dieses mit der Wende abgeschafft wurde, dennoch erzeugt dieses Wort immer noch ein äusserst negatives, fast schon kriminelles Image. Man kann ja zu diesem Thema ja differenzierte Meinungen vertreten, aber Hotels, welche sich auf ruhesuchende Singles oder Paare spezialisiert haben, so verbal zu verunglimpfen halte ich ,gelinde gesagt, für absolut daneben. Das ist populistisches "Gutmenschengelaber", ohne jeglichen kompetenten Hintergrund. Aber sehen wir das Positive: gut zu wissen, daß Alltours wohl auf die entsprechende niveauvolle, zahlungskräftige Klientel keinen Wert legt und also auch aus diesem Grund in unserem Sortiment an Potential verliert.

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