Airports

Münchner Inszenierungen

Müssen wir uns auf noch mehr Kontrollen an deutschen Flughäfen einstellen? Bringt uns das weiter?

von Michael Krane, 27.01.2010, 10:52 Uhr

Offensichtlich ist neulich am Flughafen München ein Unglück passiert, das Haiti fast in den Schatten gestellt hätte. Der Fluggast, dessen Laptop bei der Überprüfung verdächtig erschien, bleibt verschwunden. Dafür steht die Sicherheitskraft kurz davor, aus dem Kreis der zivilisierten Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden.

Das Drama nimmt seinen Lauf. Am Ende werde wir wohl aufrüsten müssen an der unsichtbaren Front.

Vielleicht sollte man daran erinnern, dass wir uns nicht in einem Ausnahmezustand befinden. Haiti ist eine Katastrophe. München ist, mit Verlaub, eine Panne. Sie sollte nicht passieren, sie wird aber immer wieder  passieren.

Geht es um Sicherheit? Jein, denn das, was uns da immer wieder versprochen wird, gibt es nicht: Sicherheit ist ein Näherungszustand. Sicherheit lässt allenfalls als Gefühl von Sicherheit herstellen. Nichts gegen Gepäckkontrollen, aber sie sind eben auch wohltuende Inszenierungen.

Sicherheit verlangt 100 Prozent. Darunter herrscht Unsicherheit. Aber je mehr wir uns den 100 Prozent nähern, desto mehr verlieren wir, wobei Zeit, Geld und Effizienz nur die messbaren Größen sind.

Meine Vorschläge: Stellt die Frau wieder ein. Keine Sicherheitskraft wird künftig aufmerksamer sein. Alarm heißt deshalb so, damit er schnell ausgelöst wird. In München wurden erst die Dienstwege eingehalten. Wenn schon Video-Überwachung, dann sollte sie auch genutzt werden. Führt Nacktscanner erst dann ein, wenn es für die vielen trusted passengers, also die vielfliegenden Normalos, eine vereinfachte Kontrolle gibt.

Zu utopisch? Ist die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten?

Kommentare

von Andreas Schulte, 27.01.10, 12:47
Bedauerlicher Weise wird es immer wieder Leute geben, die nicht begreifen können - oder wollen - dass es absolute Sicherheit nicht gibt und auch bei Einsatz der raffiniertesten Systeme nie geben wird. Das verhindert schon der nicht kalkulierbare Faktor Mensch. Schon mein Großvater Gustav pflegte deshalb zu sagen - solange das Sterben auf der Welt ist, ist keiner seines Lebens sicher.

von Hans-Peter, 27.01.10, 13:12
Im "Darmstädter Echo" vom 27.01.2010 war zu diesem Thema eine sarkastische Karikatur abgedruckt : 5 Taliban stehen, mit Gewehren und Panzerfäusten bewaffnet, vor einem großen Werbe-Plakat mit Bundesadler; darauf steht: "Hallo Taliban! Wir bieten Euch Umschulung zum Sicherheitspersonal für den Flughafen München! Bewerbung an...

von Wolfgang Hoffmann, 27.01.10, 13:13
@Andreas, Deinen Opa in Ehren, aber wir haben nun einmal als Verkäufer von Flugreisen auch eine gewisse Verpflichtung unseren Kunden gegenüber. Ich bezweifle, dass derart lapidare Lebensweisheiten beruhigend wirken. @Michale, ja "Sicherheit" ist ein Annäherungszustand. Aber bitte wenn, dann möglichst nah dran. Und das geht heutzutage nun mal nur durch Einsatz aller Möglichkeiten, um 1. mögliche Täter bereits im Vorfeld abzuschrecken, 2. alle verfügbaren Möglichkeiten einzusetzen, die Material für Attentate aufspüren helfen. Unseren Kunden, wenn die mal meckern, und es gehört mittlerweilen zum guten Ton, über die Kontrollen zu meckern, ich meckere auch, weil's erleichtert, also, wenn die mal meckern, dann sage ich: lieber noch eine Stunde früher am Flughafen sein, als ein leben lang tot. Und für nahe Angehörige gelten dann auch noch ganz andere Kriterien.

von Andreas Schulte, 27.01.10, 15:03
@Wolfgang - Du sagst es, wir haben gewisse Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden. Die erste und wichtigste Verpflichtung ist -- Ehrlichkeit. Ehrlichkeit heißt bei diesem Thema, die Realität sehen und rüberbringen und die Kunden nicht in einer falschen - nicht vorhandenen "Sicherheit" wiegen, nur damit sie vermeintlich beruhigt sind. Das von Dir gebrauchte Zitat von Karl Born, gilt für die Flug-Sicherheitsbranche sicherlich exakt genauso, wie für die Tourismusbranche.

von Titanic Reisen, 27.01.10, 15:07
Wie erfrischend down-to-earth und vernünftig.

von Guy Steffen, 27.01.10, 18:17
Immer mehr Geräte, mehr Personal, mehr Aufwand heisst auch immer mehr Kosten, mehr Pannen: statt grundsaetzlich in jedem Reisenden einen potenziellen Attentäter zu vermuten und Millionen von Paxen täglich unnötig weltweit zu durchleuchten - könnte man nicht ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis (möglicherweise downlowdbar, gegen Gebühr) zusammen mit dem Pass vorzeigen und nur noch Stichproben durchführen ? Davon könnten sicher nicht alle profitieren, aber hunderttausenfache Verärgerung könnte man sich sehr wohl ersparen. Und bestimmt manche Panne.

von Hans-Peter, 27.01.10, 18:45
Der Vorschlag von Herrn Steffen erscheint mir etwas weltfremd zu sein: Es soll ja Staaten geben, die über gar keine funktionierende Polizeiorganisation verfügen. Die haben dann möglicherweise gar kein (weil's das dort nicht gibt) oder gar ein gefälschtges Führungszeugnis. Sollen deren potenziellen Passage dann vom Fliegen weltweit ausgeschlossen werden?

von Wolfgang Hoffmann, 28.01.10, 10:49
@ Andreas, das könnte man so sehen. Aber "Ehrlichkeit" in der Touristik...? Wir verkaufen doch Schein & Trug. 1 Woche Karibik, zum Sonne tanken, mal kurz erholen... da kommste doch zurück, als hätte dich ein Pferdefuhrwerk überfahren. 1 Woche Ballermann - Erholung? Hallo? Was sagt die Leber? Vor allem, mitten in der Nacht schellt der Wecker, völlig übermüdet erscheint man am Flughafen, die Kinder quengeln, man steht in Schlangen, sitzt auf harten Stühlen, trinkt Becher "Kaffee" für 8 Euro, quetscht sich in viel zu enge Flugsitze... Wenn wir ehrlich sind, dann müssten wir den Kunden doch anraten, Zuhause zu bleiben, sich eine Packung Neurozil & Haldol bereitzulegen und im Bett zu bleiben. Danach ist man wieder fit für's Leben. ;-)

von hanesrossacher, 29.01.10, 19:09
anstatt fliegen.. kann man doch auch anders reisen..warum nicht in bayern, schweiz oder österreich .. ich habe gerade wieder ein tolles angebot gebucht Grand Tirolia Kitzbühel über Exklusiv-Muenche.de .. die haben 4 nächte inkl. 2 x skipass und 60 min massage und hp.. also ein top angebot..Aufpreis im EZ ist geradezu günstig.. http://www.exklusiv-muenchen.de/news/kitzbuehel-grand-tirolia-2561

von Jürgen, 31.01.10, 21:38
Als "Betroffener" beschäftigt mich die Thematik nahezu täglich. Die Frage die dabei ignoriert wird ist die Verhältnismäßigkeit. Würde bei Bahn, Bus, Kreuzfahrt, Hafen, Autobahnauffahrt, etc. ein entsprechender Aufwand gefahren, kein Mensch würde über Globalisierung reden, wir wären zurück im Mittelalter. Der Flughafen und die Airlines aber werden hier zugebombt mit Auflagen, das Sicherheitsgebühren längst jeden Rahmen im Verhältnis zum Flugpreis verloren haben. Gleichzeitig wird ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt, denn schon vor 20 Jahren sagte der Verkehrsleiter vom Dienst am Frankfurter Flughafen zu mir, dass Sicherheit relativ sei - man könne nie 100%ige Sicherheit garantieren, man könne es potentiellen Bösewichten nur erschweren. -- Und wenn ich an doppelte und verlorene Buchungen in den GDS denke, da sagte mir mal jemand: Es ist ein Wettlauf zwischen GDS/Airline und Reisebüro (oder am Airport halt zwischen Sicherheit und - meist unterstellte, aber selten gesehene - Böse-Buben). Lücken im System werden gefunden und ausgenutzt, bis eine sehr undefinierte "Schmerzgrenze" überschritten oder eine technische Neuerung Möglichkeit eröffnet, die Lücke zu schliessen... Insofern stimme ich der Überschrift zu: Eine Inszenierung in vielen Akten, und wie im Theater zwar mit sehr viel Fantasie und überzogener Realität...

von Wolfgang Hoffmann, 01.02.10, 10:24
Flug nach CDG. Ein etwas bluthochdruckiger Hesse hinter mir: "Gugge ma der! Dass die den iberhaupt mitnämme. Solle den doch do lasse. Wenn dä de Sprengstoff geschluckt hat, fliege mi alle in die Luft." Klar, der sah schon aus, wie ein Terrorist, - irgendwie. Aber wenn dem Hesse der Blutdruck im Flieger explodiert wäre, dann hätte man auch nachher nicht gewusst, ob es nicht doch Bin Laden gewesen ist.

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