Airlines

Genug verdient für die Zukunft?

Die wirtschafltichen Aussichten für Fluggesellschaften haben sich weltweit aufgehellt – sagt die Iata. Doch reichen die schmalen Gewinne wirklich, um in eine gesicherte Zukunft zu fliegen? Wohl kaum.

von Lutz Schmidt, 10.06.2015, 16:29 Uhr

Was gab es früher doch für luxuriöse Fluggesellschaften. Zu welchen Preisen waren damals aber auch die oberen Zehntausend unterwegs? Das hat sich alles längst geändert. Die Anzahl der Airline-Pleiten seit dem Zweiten Weltkrieg ist beachtlich. Marken wie Pan American World Airways (Pan Am) oder Trans World Airlines (TWA) sind nur noch alten Fahrensleuten ein Begriff. Heutzutage haben Billigflieger wie Southwest, Ryanair oder Air Asia längst die Etablierten das Fürchten gelernt. Doch bei der Iata wird noch immer weiter geträumt. Auf der diesjährigen Hauptversammlung der Runde der großen und arrivierten internationalen Fluggesellschaften wurde trotzdem gejubelt. Und zwar über eine erwartete Gewinnmarge von 4,0 Prozent. Vier Prozent? Das klingt wie die alte Schulnote "ausreichend", doch könnte es auch schnell zu einem "mangelhaft" werden.

Was haben die arrivierten Airlines eigentlich dafür getan, dass sie endlich wieder nennenswerte Umsatzrenditen erziehlen? Viel zu wenig. In den USA sprudelt das Geld unter anderem, weil die Märkte von den Giganten aufgeteilt worden sind. Und dort profitieren die Carrier zudem am stärksten von dem um ein Drittel niedrigeren Kerosinpreis. Überhaupt sind die vergleichsweise guten Ergebnisse hauptsächlich ein Resultat dieses einen windfall profits. Ansonsten verdienen nämlich vor allem die Billigflieger. Europas größter, Ryanair, kommt auf eine sagenhafte Umsatzrendite von 15 Prozent. Damit lässt sich spielend eine neue spritsparendere Flotte beschaffen. Das schaffen die großen Iata-Mitglieder nicht. Sie fliegen im Schnitt wesentlich ältere Jets und werden deswegen beim nächsten Kerosinpreis-Anstieg auch wieder schnell notleidend. Und dann ist die Umsatzrendite von vier Prozent ebenso schnell wieder Geschichte.

Wenn Mitte Juni in Le Bourget die nächste große internationale Luftfahrt-Ausstellung beginnt, dann darf man gespannt sein, welche Airlines sich umfangreiche Flotten-Erneuerungen überhaupt werden leisten können. Abgesehen von Emirates und einigen wenigen seit Jahr und Tag profitablen Airlines, allen voran dabei natürlich wieder Billigflieger wie Southwest, Ryanair oder Easyjet, dürfte diese Liste nicht so lang ausfallen. Stattdessen werden wir weiter beobachten, wie Märkte funktionieren. Profitable Airlines gewinnen Marktanteile hinzu, Verlustbringer müssen die Segel streichen. Airlines, die in so einer prächtigen Zeit wie heute nur schwerlich überhaupt eine Rendite schaffen – dazu zählt übrigens auch die Lufthansa selbst –, müssen sich warm anziehen. Nichts ist stetiger als der Wandel. In der Airline-Welt haben uns früher Fluggesellschaften wie Pan Am oder TWA fasziniert. Doch die Zeichen der Zeit haben sie zu spät erkannt und sind deswegen verschwunden. Genau in solch einer Zeit befinden wir uns derzeit wieder. Nur wer jetzt genug verdient, hat überhaupt noch eine Zukunft.

Kommentare

von Robert, 11.06.15, 10:18
Eine super Erkenntnis " nur wer jetzt genug verdient, hat überhaupt noch eine Zukunft". Und das ist in der deutschen Touristikbranche sogut wie niemand mehr ! Gewinnmargen nach der Kommastelle sind die Regel. Und zusätzlich ist seit dem Jahreswechsel die Qualität in den Keller gerauscht. Durch die neue Mentalität in Deutschland - guter Verdienst auch bei schlechter Arbeit - ist die Fehlerquote der abgelieferten Arbeit auf über 50% gestiegen!!! Das wird noch ein riesiges Problem werden!

von Jürgen Barthel, 12.06.15, 10:19
Qualität kostet Geld. Eine Studie zum Thema Enteisungsmanagement am Flughafen Zürich zeigte Einsparpotentiale von 20 Millionen Euro auf. In einem Winter. Bei einem Anteil von knapp 50% kann man sich die Einsparungen bei Swiss vorstellen. Investitionssumme liegt bei einem Bruchteil. aber auch der "gemeinsame Luftraum" ist ja seit Jahren "verzögert", die Entwicklung von "A-CDM" hinkt sogar im Ursprungsmarkt Europa deutlich hinter den ursprünglich selbstgesteckten Zielen hinterher. Laut Mobilitätsreport 2014 der DFS https://www.dfs.de/dfs_homepage/de/Presse/Publikationen/Mobilitaetsbericht_2014_Web.pdf gingen 16,7% aller Flüge mehr als 15 Minuten verspätet "raus", 16,4% kamen entsprechend verspätet an. Bei Kosten laut Eurocontrol von ca. 80€ pro Verspätungsminute geht es hier um Milliarden! Dass es anders geht zeigen die Billigflieger, die übrigens in den Ontime-Performance-Statistiken regelmäßig vordere Plätze belegen. Und sich auch gegen die Zuordnung in der Verspätungsstatistik ("Airline-verursachte Verspätung") zunehmend zur Wehr setzen. Einer mir vorliegenden Studie eines Flughafens zufolge liegen die Verspätungsgründe statt 60% Fluggesellschaft eher bei 20-30%, Tendenz fallend, da die Airlines ihre Mitarbeiter sehr stark für das Thema sensibilisieren. Es ist aber eben einfach, "Airline" in der entsprechenden Maske anzuklicken...

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