Airfasttickets

Wie ein fairer Flug-Gutschein aussehen müsste

Immer wieder versuchen innovative Internet-Anbieter, die Preishoheit der Veranstalter und den Sinn von Published Fares der Airlines aufzuhebeln. Dass dies fast unmöglich ist, zeigen die aktuellen Flugcoupons von Groupon.

von Dirk Rogl, 03.02.2012, 13:30 Uhr

In "mehrere große Städte Europa für 29 Euro." Der heute bei Groupon angebotene Fluggutschein klingt prima. Leider hat er ein paar Haken. Nach gewissenhaft dokumentiertem Test des Angebots stelle ich fest:

In Tests dieser Redaktion waren die Groupon-Tarife teilweise identisch mit den Angeboten anderer Internet-Portale. Manchmal war die Konkurrenz sogar deutlich günstiger. Auf der Route Hamburg-Zürich unterbot Lturfly.de das Airfastticket-Angebot sogar um stolze 65,34 Euro, eben weil L´Tur bekanntermaßen Zugriff auf exklusive Lufthansa-Tarife hat.

Das Beispiel zeigt, dass pauschale Gutschein-Angebote im von öffentlich und für jedermann verfügbaren Publishe Fares dominierten Fluggeschäft zumeist wenig Sinn machen. Touristik-Profis wissen: Wer exklusive Flugarife anbieten will, muss diese mit den Airlines verhandeln. Nichts anderes sagt der Name "Nego Fares". Die verhandelten (negotiated) Raten sind eben nicht bei allen Reisebüros im Angebot. Die aktuellen Groupon-Angebote so sie sich mir darstellen scheinen es in ihrer überwiegenden Mehrheit zu sein.

Wer sich derartige Raten Nego Tarife sichern will, muss Gegenleistungen erbringen. Er muss entweder die Abnahme hoher Volumina zusichern (nichts anderes machen Reiseveranstalter) oder selbst ins Risiko gehen. Dies war das einst klassische Geschäft von Ticketgroßhändlern. Deren Business wiederum funktioniert in aller Regel nur auf ausgewählten Routen und nicht im gesamten Streckennetz einer Airline.

Selbst wenn Groupon und Airtfasttickets auf einzelnen mir nicht bekannten Relationen die ein oder andere Nego Fare in ihrer Angebotsdatenbank haben, ein solcher Gutschein ist zumineest fragwürdig. Dass hier auffallend häufig Tarife angeboten werden, die von den Airlines ohnehin öffentlich zu einem mikroskopisch kleinen Nettopreis aber eben doch mit den üblichen Nebenkosten angeboten werden, hat zumindest ein Geschmäckle. Der Ehre halber sei hinzugefügt: Alles andere wäre für einen Ticketmittler, und nichts anderes ist der Groupon-Partner Airfasttickets, wohl auch kaufmännischer Selbstmord oder gar ruinöses Preisdumping, welches das Wettbewerbsrecht ohnehin verbietet.

Kommentare

von Bernd Hellmuth, 03.02.12, 16:35
"Die Krux mit dem möglichen Selbstmord" Sämtliche Reisedeals auf Portalen wie Groupon oder Daily Deal müssen kaufmännisch sehr genau bewertet werden. Es dürfte bereits etliche Partner dieser Portale geben, die nach nur einer Aktion Insolvenz beantragen mussten. Aber so war es auch damals als die "Ebay-Flut" einsetzte. Auch dort waren vermeintliche "Flug-Knaller" für den Profi sofort als "sinnfreie Lockangebot" erkennbar. Ein ehrlich kalkulierter Groupon verkauft sich vielleicht keine 100.000 mal, aber auch hier gilt m.E. "Qualität vor Quantität". Denn dann haben beide Seiten etwas davon.

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