Airbnb

Wenn die soziale Blase einmal platzen sollte

1,3 Mrd. Dollar für Airbnb, 15 Milliarden für Groupon, vielleicht 100 Milliarden für Facebook. Andere mögen entscheiden, ob die denkbare Marktkapitalisierung der touristisch relevanten Web2.0-Giganten gerechtfertigt ist. Wir beschäftigen uns schon einmal mit der Zeit danach.

von Dirk Rogl, 22.09.2011, 11:42 Uhr

Springer-Boss Mathias Döpfner wird gut überlegt haben, was er da angeblich tun will. 70 Mill. Euro will das Verlagshaus in das amerikanische Bettenportal Airbnb stecken. Airbnb hat ein ziemlich geniales Geschäftskonzept. Es kombiniert den wenig strukturierten Markt der privaten Unterkünfte mit persönlichen Empfehlungen. Um es moderner zu formulieren: "Long Tail" trifft auf "Social Media". Das klingt toll, ist aber auch ein Nachteil. Denn der Unternehmenswert soll sich nach jüngsten Berechnungen auf 1,3 Mrd. US-Dollar belaufen. und weil das so sind, gibt es mit 9flats von Lastminute.com-Mitgründer Stephan Uhrenbacher und Wimdu von den omni-präsenten Samwer-Brüdern ziemlich bissige Konkurrenz.

1,3 Mrd. Dollar ist eine Menge Geld. Vielleicht zu viel. Die Marktkapitalisierung der TUI liegt aktuell bei rund einer Milliarde Euro. Auch Lufthansa kommt trotz robuster Gewinne, global starker Marke und üppigem Eigenkapital aktuell nur auf rund 4,3 Mrd. Euro. Aber Lufthansa ist halt nicht "long tail" und TUI noch viel zu wenig "social".

Ist es so einfach? Ich denke schon. Aber der Hype um trendige Start-Ups hat Konsequenzen auch für die Reisebranche. Das Gutschein-Portal Groupon soll kürzlich 15 Mrd. Euro wert gewesen. Der abgesagte Börsengang und die Übernahme des Klons Dailydeal durch Google dürften den Wert nicht beflügelt haben. Genau weiß man es erst, wenn Groupon sich doch wieder an den Finanzmärkten messen lässt.

Gleiches gilt auch für Facebook. Auf gigantische 100 Mrd. US-Dollar wurde das Unternehmen zuletzt geschätzt. Realisitischer wären rund 60 Mrd. Dollar Das entspricht in etwa den Anteilen der letzten Finanzierungsrunden und der wenigen im Graumarkt gehandelten Mitarbeiteraktien, die als Indikator dienen. Ist also Facebook einhundertmal mehr Wert als die TUI? Wiegen die Millionen Friends und Fans soviel mehr als die Kontrolle über Europas größtem Reiseveranstalter, einer hoch profitalben Hotelsparte und (bislang) zwei Reedereien?

Die Werte fast aller Internet- und Techno-Start-Ups orientieren sich zurzeit am potenziellen Börsenwert von Facebook. Wenn hier einmal die Luft rausgeht hat das Folgen für unzählige Reiseportale, Communities und Traveltech-Anbieter, die zurzeit vor einer neuen Finanzierungsrunde stehen. Ich werde mich hüten, hier Ross und Reiter zu nennen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass derzeit viele Online-Touristiker mit Hochspannung auf die Finanzmärkte blicken.

In diesem Sinne ist der mögliche Einstieg Springers bei Airbnb eine tolle Sache. Bis zu 70 Millionen Euro für einen kleinen Anteil am Anleger-Liebling Airbnb – solche Nachrichten haben Signalwirkung für den ganzen Markt. Und natürlich kann sich das Investment lohnen. Schließlich gehörte der Springer-Verlag einst über seine alte Beteiligung an den First-Reisebüros indirekt auch zu den Gründern der TUI. Hier ist die Rechnung für das Verlagshaus aufgegangen. Vor neun Jahren dann lief Qivive, das Lifestyle-Joint-Venture mit Amadeus und DEAG in die Insolvenz. Hauptgrund: Die geplatzte Dot.com-Blase. Wünschen wir Springer-Boss Döpfner, dass sich sein aktuelles Investment eher am erst genannten Beispiel orientiert.

Kommentare

von barthel.eu, 22.09.11, 19:46
Es gab eine Zeit, da kaufte AOL den Konzern Time Warner - und nicht umgekehrt. Viele "Ältere" erinnern sich noch mit Grausen der CD-Schwemme von AOL, die mit Bauerntricks User fingen. Yahoo war das Mass der Internetsuche. Wer redet heute noch von AOL? Wer erinnert sich an CompuServe? AT&T wurde seinerzeit wegen "Marktbeherrschung" zwangszerschlagen. Und wir stehen erst am Anfang, reden wir in 10 Jahren noch von Microsoft, Apple, Facebook oder gar dem guten alten "Google +"?

von Neo22, 23.09.11, 10:46
Der Vergleich zwischen Tui und Facebook passt irgednwie nicht. Auch die Orientierung daran ist mir schleicerhaft und für mich wohl mit dem Hype begründet - und da liegt das Problem - ein Hype vergeht oder endet abprubt. @Vorposter: ich denke auch an Altavista oder gar nicht so lange her studivz...die Onlinewelt ist schnellebiger als unsere Reale...

von Bernd Hellmuth, 23.09.11, 12:47
Frage: Geht denn wirklich noch jemand ehrlich davon aus, dass es sich bei den genannten Zahlen um "echtes Geld" handelt? Apple hat gerade Exxon als "wertvollstes Unternehmen der Welt" abgelöst. Womit? Mit einem innovativen aber "begrenzten" Produkt und jeder Menge "Markengeilheit" der Käufer. Groupon hat 2009 lediglich 90.000$ erwirtschaftet und das Geschäftsmodell von Airbnb ist aufgrund der Gesetze z.B. zu Nebenverdiensten und Wohnraumentfremdung gar nicht 1zu1 auf Deutschland übertragbar. Für uns "Ältere" sind 1Mrd. Euro noch richtig viel Geld. Doch wer in den Nachrichten hört, dass die USA zig-zig-zig-tausende Milliarden an Schulden hat, für den hört sich der Marktwert von Airbnb mit 1,5 Mrd doch echt wie überschaubare Investition an, oder? Eines ist klar, der nächste Knall wird heftig! Schönes Wochenende

von Robert, 25.09.11, 19:07
Wenn wir mal ehrlich sind, wer einige Freunde in Facebook hat und dann auf seine Startseite schaut - sieht dort zu 95% nur völlig sinnfreie Mitteilungen oder puren Blödsinn als Kommentare. Wer will für so etwas wirklich Geld ausgeben - das ist in der Mülltonne besser aufgehoben - denn dort findet es vielleicht jemand der was sinnvolles damit anfangen kann. Für die kommerzielle Nutzung sind solche AllerweltsSozialnetzwerke völlig überflüssig !

von Sebastian Winkelmann, 21.10.11, 14:01
@Robert: "....Netzwerke sind überflüssig" Die Menschen halten sich in Netzwerken auf, also sind sie auch nicht überflüssig. Oder ist Werbung in einem Cafe Unfug, weil sich nur über banales dort ausgetauscht wird? Sind Anzeigen-Schaltungen bei Googe überflüssig, weil die Leute dort ja nur nach Hobbys, Informationen oder mal nach dem passenden Schlüsseldienst suchen? Wenn derjenige, der sonst in der gedruckten Tageszeitung blättert, interessante Artikel oder Themen über Facebook empfohlen bekommt, wieviel Sinn macht es dann, ihm Werbung in diesem Kontext, dort wo er sich aufhält, anzuzeigen?

von Robert, 04.11.11, 17:49
@ Sebastian normalerweise wären diese Netzwerke ja nicht überflüssig, jedoch in der Realität der Nutzung wird eben dort überwiegend nur Blödsinn geredet - dadurch geht die Möglichkeit dort sinnvoll Werbung zu machen gegen 0. Das ist sicher nicht so vorgesehen gewesen - aber die Nutzer bestimmen nun mal was sie daraus machen und daher ist z.Bsp. das kostenlose Facebook für seriöse Werbung nicht nutzbar., es sei denn man will massenhaft irgendwas verschenken !

von Sebastian Winkelmann, 07.11.11, 12:41
@Robert, "Facebook ist für seriöse Werbung nicht nutzbar" Die Menschen unterhalten sich über das, was sie interessiert, natürlich unabhängig davon was andere dazu sagen. Sie haben Recht, dass Mitteilungen wie "gehe gleich einkaufen" o.ä. in dem Sinne "Blödsinn" ist, aber nochmal: der Inhalt ist doch für den Werbetreibenden Nebensache, wenn sich sein Kunde bei Facebook "aufhält". Wenn dieser zwar kurz ein Printmagazin liest, sich aber 5h am Tag auf Facebook aufhält (ganz unabhängig davon was er dort tut), ist dort natürlich seriöse Werbung möglich. Für diejenigen, die dort über Anzeigen werben wollen.

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