Air Berlin

Standing Ovations für Achim

Jubiläumsgala der Air Berlin: Promi-Aufmarsch, Merkel-Rede – und unter Touristikern bloß nicht über das aktuelle Geschäft sprechen.

von Klaus Hildebrandt, 29.04.2009, 14:07 Uhr

Das Jahr 2009 ist zwar erst vier Monate alt, aber die Gala gestern abend zum 30-jährigen Jubiläum ist sicher ein Anwärter für den Titel "Touristikparty des Jahres". Mehr Prominente (okay, Roberto Blanco und Bernhard Brink hätten viele wohl auch nicht vermisst, wenn sie nicht da gewesen wären), Top-Politiker und alle, die in der Touristik irgendwie einen Cheftitel tragen (glücklicherweise kommen so auch Chefredakteure auf die Gästeliste) geht nicht. Dass Bürgermeister Wowereit spricht und Kerner moderiert, war ja auch noch zu erwarten. Aber Angela Merkel für eine Firmenparty zu gewinnen, das ist schon ein Meisterstück von Joachim Hunold. Zumal die Kanzlerin locker drauf war. Als Wowereit sagte, er überbringe die Grüße von 3,5 Millionen Berlinern konterte sie spontan, sie überbringe die Grüße von 80 Millionen Deutschen. Und als Hunold die Gelegenheit nutzte, um Angela Merkel ein paar luftfahrtpolitische Forderungen der Branche zu präsentieren, meinte sie trocken: "There is no free lunch in the world", und gab dann auch konkrete Antworten. Am meisten beeindruckten die Gäste aber die Standing Ovations der 2000 Air-Berlin-Mitarbeiter für ihren Chef. Hinterher meinte so mancher Touristiker an der Bar, in so einer Zeit tosenden Applaus von den Mitarbeitern zu bekommen, sage schon viel über den Air-Berlin-Spirit und Achim Hunold aus. So mancher Touristiker schob dann auch gleich nach, er selbst werde in seinem Unternehmen wohl niemals so viel Applaus von seinen Mitarbeitern bekommen. An der Bar und in der Disko ging es bei den Air-Berlin-Grundnahrungsmitteln Averna und Currywurst noch bis spät in der Nacht weiter. Doch über das Geschäft, das im April wegen der Osterferien, des schönen Wetters in Deutschland und nun auch noch der Schweinegrippe-Hysterie wohl ziemlich flau läuft, mochte kaum jemand reden. Gut, dass die anwesenden Promis und der Klinsmann-Rauswurf da genügend Gesprächsstoff boten.

Kommentare

von Wolfram Schneppe, 30.04.09, 09:36
Schön, dass Hunold "faire Rahmenbedingungen" für seine Branche fordert und für seinen "Blick für die Menschen" gewürdigt wird. Schade, dass er den für seine Partner, die Reisebüros, diejenigen, die ihn ausschließlich dahin gebracht haben, wo er sich jetzt von Prominenz feiern lässt, völlig aus den Augen verloren hat. Wer hat vor 15 Jahren Air Berlin gekannt? Habe gerade wieder einen Kunden verloren, der mir genau vorgegeben hat, was der Flug auf der AB-Homepage kostet und der auf keinen Fall dazu bereit ist, bei mir dafür auch nur einen Cent mehr zu zahlen... Kein Tag, mit Currywurst zu feiern... Danke, Hunold! Schön weiterfeiern! Am Jahresende wieder über die miserablen Zahlen jammern! Und bloss nicht das Wesentliche aus dem Blick verlieren!

von Stefan Werner, 30.04.09, 12:35
Natürlich sind wir Reisebüros über die Nullprovision nicht glücklich. Aber bekanntlich ist das ja nicht nur bei Air Berlin so. Auslöser waren damals die US-Carrier und Lufthansa. Meiner Meinung nach wäre die Reisebranche ohne Air Berlin ärmer, Konkurrenz belebt nun mal das Geschäft. Wir Reisebüros machen immer noch viel Geschäft mit AB, unsere Kunden sind zufrieden. Deshalb: Happy Birthday, Air Berlin!

von Wolfgang Hoffmann, 04.05.09, 11:14
Dass seine Mitarbeiter im huldigen, das hat zuallererst damit zu tun, dass Hunold eine charismatische Führungspersönlichkeit ist. Muss uns Reisebüros aber nicht jucken. Dass AB mit der erste Touristen-Airliner war, der den Handelsvertreterstatus abgeschafft hat, damit haben wir Reisebüros allerdings sehr viel zu tun: Wie die Schnarchnasen haben wir doch dem Wertverfall des Gutes "Urlaub" zugeschaut. Da kam weder ein gemeinsamer Protest, noch hatte der Vertrieb eine Alternative. Uns Reisebüros war parallel imagemäßig die Kompetenz abhanden gekommen, je billiger das Reisen wurde, je prolliger Urlaub & Erholung sich in der Öffentlichkeit dargestellt hat. Wir haben gepennt! Sowas begünstigt Unternehmer, wie einen J. Hunold genauso, wie einen O'Leary. Jetzt gilt es für uns, dass wir uns zumindest aus dem Dunstkreis des Ausverkaufs und Grabbeltischs wieder zum Qualitätsimage raufretten. Erst dann sind wir es wieder wert, Forderungen nach Vergütungen für unsere Leistungen zu stellen. Und vielleicht jubeln uns dann unsere Mitarbeiter auch mal zu, und die Kanzlerin kommt. Das nur mal als Randbemerkung an dieser Stelle

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