Air Berlin

Der Einstieg in den Ausstieg?

Heute gibt es in der Branche nur ein Gesprächsthema: Wird die geplante Fusion von Condor und Air Berlin abgeblasen?

von Klaus Hildebrandt, 24.06.2008, 18:34 Uhr

In der Atompolitik würde man von wohl einem "Einstieg in den Ausstieg" sprechen, sagte mir heute ein Gesprächspartner aus der Branche nach dem Statement von Thomas Cook. Zwar lassen sich Condor und Air Berlin alle Türen offen, aber die Tonalität ist schon eine ganz andere als vor wenigen Wochen. Damals hatte insbesondere Air Berlin sehr vehement die Fusionspläne verteidigt. Allerdings: Wäre es eigentlich gut für den Markt – sprich für Reisebüros, Veranstalter, Destinationen etc – oder schlecht, wenn der Deal nicht zustande käme? Einige Veranstalter hatten das Kartellamt mit Argumenten gegen eine Erlaubnis versorgt – aus Sorge vor einem touristischen Langstreckenmonopol. Andererseits sagen einige Veranstalter heute auch, vielleicht könne es angesichts der horrenden Kerosinpreise eher gut sein, wenn AB und Condor ihre Kräfte bündeln. Was meinen Sie, wie geht es weiter im deutschen Airline-Markt?

Kommentare

von Walter, 25.06.08, 10:54
So richtig begeistert konnten und können eigentlich weder Vertrieb noch Kunden von der Aussicht (gewesen?) sein, dass nach DBA und LTU auch noch Condor von Air Berlin geschluckt und damit der Wettbewerb weiter eingeschränkt wird. Die aktuelle, durchaus kritische Lage von AB stimmt da auch nicht gerade fröhlicher. Offensichtlich werden deshalb und wegen der kerosinpreisexplodierenden Zeiten die Karten neu gemischt. Man sollte TC dankbar sein, dass unter diesen Umständen darüber nachgedacht wird, den unter ganz anderen Voraussetzungen geplanten Condor-Verkauf erstmal in Frage zu stellen. Vielleicht soll mit dieser Meldung von TC ein Stimmungstest (wie hier im fvw-blog) gestartet werden bevor Entscheidungen getroffen werden. AB ist inzwischen eine zu wichtige Größe im Markt, als dass man ihr angesichts der atemberaubenden Expansion der letzten Monate womöglich klammheimlich und schadenfroh weitere Verdauuungsbeschwerden mit der Gefahr eines Exitus wünschen könnte.

von Wolfram Schneppe, 26.06.08, 17:38
Natürlich wäre es nicht gut, wenn die AB die Condor "schlucken" würde, da dadurch - zumindest im Langstreckencharterbereich - überhaupt keine Konkurrenz mehr bestehen würde. Ich denke auch mit Grauen z.B. noch daran, wie sich Condor gleich am nächsten Tag nach den Übernahmeabsichten von Flughäfen wie Nürnberg verabschiedet hat. Dem Wettbewerb dient das in keiner Weise! Verweise auf Mindestgrössen, um im intern. Geschäft erfolgreich mitzumischen, lehne ich mit Verweis auf unsere und andere Branchen ab. Ich denke weiter, dass sich Hunold schlichtweg übernommen hat. Vom "No-name" vor 15 Jahren und als absolut reisebürofreundliche Airline in kürzester Zeit angetreten, selbst "Grossen" wie der LH ein wenig das Fürchten zu lehren hat man jedes Mass völlig aus den Augen verloren und wird an der Börse mangels Erfolgsmeldungen jetzt gnadenlos abgestraft. Die Übernahme recht maroder Airlines wie der DBA oder der LTU, die seit Jahren kein Geld verdient hatte, war aufwändiger als geplant, der notwendige Börsengang hat die Entscheidungfreiheit der AB emminent eingeschränkt. Dadurch wurde erstmals die tatsächliche finanzielle Lage des Unternehmens ersichtlich, die umso miserabler wäre, hätte man nicht die jahrelange, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Reisebüros aufgekündigt und auskömmliche Provisionszahlungen eingestellt sowie rechtzeitig von Papier- auf E-Tickets umgestellt. Der "Erfolg" dürfte neben weiteren Kosteneinsparungen fast ausschliesslich aufgrund dieser beiden Positionen zustandekommen und nicht aus erfolgreicher Geschäftstätigkeit. Der auf den Gesamtumsatz ausgewiesene sehr bescheidene Jahresüberschuss lässt im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld grössere Sprünge wie Flugzeugneubestellungen bei eigenen Auslastungsproblemen oder Firmenübernahmen wenig realistisch erscheinen... Bleibt aus meiner Sicht abzuwarten, was dazu jetzt z.B. eine von "Frederiksens´" traktierte TUI, die mit Germanwings augenscheinlich auch überhaupt nicht so recht weiterkommt, beizusteuern hat. Das bleibt mindestens so spannend wie die Europameisterschaft!

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