Air Berlin

Das Kartellamt zeigt Zähne

TUIfly und Air Berlin dürfen zwar bei Städteflügen kooperieren, aber aus der Überkreuzbeteiligung wird's wohl nichts.

von Klaus Hildebrandt, 08.09.2009, 11:09 Uhr

Kartellrichter Klaus Paetow, Vorsitzender der für die Touristik zuständigen Beschlussabteilung, gilt als harter Hund. Als er noch für Medien zuständig war, hatte er die geplante Übernahme des Fernsehunternehmens Pro7Sat1 durch den Axel Springer Verlag untersagt – ein Fehler wie viele Fachleute heute meinen, denn der deutsche Fernsehsender fiel danach an ausländische Heuschrecken, die nicht viel Gutes anrichteten. In der Touristik hat Paetow Air Berlin schon so manchen Strich durch die Rechnung gemacht. So untersagten die Wettbewerbshüter die Fusion mit Condor. Nun wird auch die Kooperation mit TUIfly abgespeckt. Air Berlin kann zwar deren City-Geschäft betreiben, wird aber wahrscheinlich die TUI nicht als weiteren großen Gesellschafter bekommen (neben Pegasus-Chef Ali Sabanci). Die Linie des Kartellamts ist klar: Die Wettbewerbshüter wollen, dass die großen Player in Deutschland nicht kapitalmäßig und über Aufsichtsratsmandate miteinander verflochten sind. Schon bei der großen Fusionswelle Ende der 90-er Jahre, als TUI, Thomas Cook (damals noch unter dem Namen C & N) und die Rewe Touristik in ihrer heutigen Form entstanden, machte das Kartellamt zur Auflage, dass die drei Blöcke fein säuberlich alle ihre Querverbindungen kappen. Nun rücken TUI und Air Berlin einander nicht so nahe wie geplant. Zuvor waren schon mehrere Anläufe von Michael Frenzel und Joachim Hunold an unterschiedlichen Unternehmensinteressen gescheitert. Jetzt sind die beiden sich endlich einig, und nun bremst das Kartellamt. Aber an der Ausgestaltung der Kooperation dürfte das Kartellamt trotzdem nicht viel ändern. Die wenig erfolgreichen TUIfly-Städteflüge werden von Air Berlin vermarktet, und die Berliner erhalten sogar noch eine Mitgift aus Hannover. Im Touristikflug sind Air Berlin und TUIfly Konkurrenten – und das Kartellamt wird sicher gut aufpassen, dass sie das gegenüber den Drittveranstaltern auch bleiben. Wenn nicht, liebe Konkurrenten von Air Berlin und TUI: Ein Anruf bei Herrn Paetow dürfte reichen.

Kommentare

von Ulrich von dem Bruch, 08.09.09, 12:02
Misst das Kartellamt hier mit zweierlei Maß? Während die LH die AUA übernehmen darf und der österreichische Staat noch 500 Mio. dazugibt untersagt man der Air Berlin und TUI einen Deal mit einem Beteiligungsvolumen von nicht mal 50 Mio. Wer sorgt eigentlich dafür, dass die LH nicht weiter in Richtung Marktbeherrschung fliegt? Das Kartellamt sicher nicht.

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