Air Berlin

Bordsprache Katalanisch?

Sollen Stewardessen auf Mallorca-Flügen künftig katalanisch sprechen? Air-Berlin-Chef Joachim Hunold hat in Spanien eine Kontroverse ausgelöst.

von Klaus Hildebrandt, 09.06.2008, 11:02 Uhr

In seinen Editorials des AB-Bordmagazins nimmt Hunold nie ein Blatt vor den Mund. Oft bekommen dort deutsche Politiker ihr Fett weg, diesmal sind es die der Balearen. Denn die Landesregierung hatte in einem Brief an Air Berlin einen "adäquaten Gebrauch der offiziellen Sprache" eingefordert. Sprich: Katalanisch-sprachige Kunden sollten in ihrer Sprache angesprochen werden. Dann könne man ja auch verlangen, dass das Bordpersonal Baskisch oder Galizisch spreche, meint dagegen Hunold. In Spanien sorgt diese Debatte nun für Furore, vor allem bei den selbstbewussten Katalanen. Denn es handele sich nicht um einen Dialekt, sondern um eine eigenständige Sprache, die zudem während der Franco-Diktatur unterdrückt wurde. In der

und anderswo wird nun erbittert gestritten – mit verbalen Ausfällen in beide Richtungen. Übrigens: Ich stamme aus einer norddeutschen Gegend, wo traditionell Plattdeutsch gesprochen wird. Ich warte immer noch darauf, dass mich Flugkapitäne endlich mit "Moin, moin" begrüßen.

Kommentare

von Walter Krombach, 09.06.08, 12:12
Während meiner Bremer Jahre (1987-1996) gab es einen in Bremen stationierten Lufthansa-Captain, der regelmäßig die Fluggäste mit moin moin begrüsst hat und auf dem Spätflug FRA-BRE stets auch eine komplette Ansage auf plattdeutsch machte - in der nicht ganz falschen Annahme, dass auf diesem (Heimat-)Flieger ohnehin nur Norddeutsche an Bord waren. Selbst die geschäftsreisenden Fluggäste quittierten das oft mit Beifall.

von Robert G., 09.06.08, 13:08
Wäre doch mal etwas anderes! Am besten wir verlernen jetzt schnell die Weltsprache Spanisch (ca. 500 Mio. Menschen) und lernen dafür Baskisch, Galizisch und die restlichen Sprachen oder Dialekte der Minderheiten die ca. von 1,7 Mio. Menschen gesprochen werden. Das steht selbstverständlich in der Relation der Notwendigkeit. Ich frage mich weshalb muß man heutzutage regionalnationalistisches Gedankengut für ernst nehmen. Man sollte sich das mal für Deutschland vorstellen. Ein Berliner zieht nach München und muß bayrisch lernen, oder ein Schwabe sollte im Norden friesisch oder platt lernen.

von Mark, 09.06.08, 15:14
Kulturelle und sprachliche Vielfalt ist ein wertvolles Gut, dass es zu bewahren und zu schützen - vor allem aber - wertzuschätzen gilt. Es soll ja nicht alles zu einem Einheitsbrei verkommen. Schließlich lebt unsere Branche zum großen Teil vom Reiz des Fremdartigen und dem kaufkräftigen Interesse der Menschen daran. Ein leidenschaftlich-meditativ gesungenes 'Ooohmmmm' beim Landeanflug auf Lhasa wäre doch sicher auch eine Bereicherung, oder?

von Worldtrotter, 09.06.08, 16:15
Das Zeitalter indem man eigentlich Gemeinsamkeiten suchen sollte, suchen manche nach Unterschiede. Die Menschen, die sich gerne ausgrenzen wollen, sollte man nicht vom Gegenteil überzeugen. Denn es wäre sehr schwer beide Scheuklappen aufzulockern. Ich wäre dafür das Esperanto wieder eigeführt wird.

von Jürgen Barthel, 09.06.08, 17:17
Spanische Airlines müssen dann die Ansage in München auf Bayerisch halten? Bei Nürnberg bitte in fränkisch und in Hamburg up platt? In die Schweiz bitte schwyzer dütsch, immerhin auch ganz offiziell Amtsdialekt. Wo anfangen, wo aufhören? Hmm. Boommarkt China. Mache ich die Durchsage jetzt in mandarin? Oder doch lieber kantonesisch? Flug nach Dublin oder Edinburg dann bitte in Englisch, deutsch und gälisch? Liebe Spanier, ich liebe Euer Land, aber mich haben schon die Frankzosen mit Ihren Keskidi-Flights genervt. Muss doch jeder Verkehrslinienpilot der Paris anfliegt BIS HEUTE damit rechnen, dass der Fluglotse KEIN englisch kann... Verkehrssicherheit und Globalisierung auf französisch. (Mehr zu Keskidi: http://www.nzz.ch/2004/01/03/fe/article99KIZ.html)

von Anxo, 09.06.08, 18:06
an Jürgen Barthel: Du kannst auch weiterhin Spanien und die Spanier lieben, denn die Katalanen haben rein gar nichts mit Spanien zu tun. Die sind schon seit jeher für ihre Extrawürste bekannt. Das sie nichts mit Spanien zu tun haben sage ich allein aus dem Grund, dass dort Ausländer besser als die Spanier behandelt werden. Wenn ich schon sehe, dass sie auf ihren Euro-Kfz-Kennzeichen statt eines "E" ein "CAT" haben.... Ich finde, dass die Katalanen ihre eigene Fluggesellschaft gründen sollen, um ihre Wünsche in die Realität umzusetzen. Ansonsten sollten sie anderen bzw. ausländischen Firmen nicht vorschreiben, wie sie ihre "Firma" zu führen haben. Cataluña gehört politisch UND geographisch nunmal zu Spanien, und Amtssprache in Spanien ist und bleibt (erstmal) spanisch. Die Katalanen sollten mal lieber den Ball sehr viel flacher halten!!!

von Wolfgang Hoffmann, 10.06.08, 10:34
Das hat seinen Reiz. Vor allem, weil man eh nicht mehr viel in der Touristik nachvollziehen kann. Warum sollte man da nicht noch ein babylonisches Sprachgewirr in den Borddurchssagen einführen?

von Klaus Hildebrandt, 12.06.08, 09:34
Sprachenstreit vorerst befriedet: "Der Zwist ist beigelegt, nun blicken wir in die Zukunft", sagt Balearen-Ministerpräsident Francesc Antich nach einem Treffen mit Air-Berlin-Spanienchef Alvaro Middelmann - zugleich Präsident des Fremdenverkehrsverbands von Mallorca. Beide Seiten wollen nun beraten, wie der Gebrauch der katalanischen Sprache künftig auf den Mallorca-Flügen gefördert werden kann. Also, liebe AB-Stewardessen, beim nächsten Zwischenstopp in Palma statt Strand und Shopping schon mal vorsorglich die Sicherheitshinweise auf Katalanisch (auf den Balearen neben Spanisch offizielle Amtssprache) lernen!

von Guy Steffen, 15.06.08, 10:55
Katalanisch ist nun mal Amtssprache, genauso wie Deutsch es in Deutschland ist (und nicht Pälzisch, Bayrisch, Sächsisch etc). Deshalb ist die Forderung durchaus legitim. Doch wer wie ich als Luxemburger (dort ist auch Luxemburgisch Amtssprache)auf Mallorca mit einer Mallorquinerin deren ganze Familie Katalan spricht lebt, weiss, dass das Sprachenthema ein Sensibles ist, doch dass nirgendwo in katalanischsprechenden Regionen daraus ein Problem gemacht wird. Für Air Berlin, deren CEO ich u.a. auch wg. seiner klaren politischen Meinung schätze, wäre es eine tolle Werbung geworden, wenn alle mallorquinischen Zeitungen vermeldet hätten: INFORMATIONEN AN BORD VON AIR BERLIN NUN AUCH AUF KATALAN! Dazu würde ein entsprechender Flyer und ein kurzer Hinweis bei der Ansage durchaus reichen.

von actorcgn, 16.06.08, 19:40
Also die ganze Diskusion ist doch wirklich lächerlich. Sollen künftig die Flugbegleiter alle Sprachen der Welt sprechen können um entsprechen der Destination die ansagen machen zu können!!!!!Natürlich auch die dementsprechenden Dialakte. Also mehr als Quatsch!!!!

von Txose, 19.06.08, 14:18
Ich werde die Diskussion nicht weiter führen, aber um erhlich zu sein, IHR VERSTEHT GAR NICHT WORAN ES LIEGT. Und dir "von Anxo" würde ich sagen, dass du überhaupt gar keine Ahnung von die Catalanes hast, weil was du geschrieben hast, spricht gar nicht von weit entfernt die Realität. Wir sind stolz auf unsere Sprache und Kultur, und es halt Catalan die Officielle Sprache in Balearen und Catalunya. Also muss ihr und AB leider durch. Fangt ihr bitte erstmal um euren Turken und andere Ausländer gut umzugehen, und wird ihr irgendwann verstehen andere kuluturen zu schätzen. Erscheint ihr nicht gelernt zu haben von die 2 Weltkrieg. Wie traurig. Übrigen in Air Berlin wird auch keine richtiger Spanisch gesprochen, dass dem Kassette die für on Bord nutzen ist mehr als lächerlich. Also! Lernt ihr mal noch etwas anderes als nicht nur Deutsch!

von Wolfgang Hoffmann, 20.06.08, 11:33
sorry, aber muss man sich jetzt hier öffentlich auch noch pauschal verunglimpfen lassen? Wenn das hier im Blog einreißt, dann adios!

von Klaus Hildebrandt, 22.06.08, 16:09
Lieber "Txose", ich verstehe die Argumente der Katalanen, halte aber wie Herr Hoffmann die Wortwahl und vor allem den Bezug zum Zweiten Weltkrieg auch für absolut unangemessen. Zumal der Ministerpräsident der Balearen und der Spanien-Chef von Air Berlin selbst ja in ihren Äußerungen nach dem Treffen selbst um Mäßigung und gegenseitiges Verständnis bemüht waren. Klaus Hildebrandt

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