Air Berlin

Analyse oder üble Nachrede?

Wie weit dürfen Analysten gehen? Die Investmentbank Dresdner Kleinwort warnt heute vor der Pleite von Air Berlin. Kundiger Rat oder Rufschädigung?

von Klaus Hildebrandt, 17.07.2008, 14:44 Uhr

Vor einigen Wochen schockte Morgan Stanley schon mit einer Kursprognose von zwei Euro, aber ein Kursziel von null Euro nach zuvor 5,80 Euro ist ein echter Hammer. Ohne eine Änderung der Bilanzstruktur drohe die Insolvenz, heißt es ziemlich besserwisserisch in einem Analystenkommentar. Das erinnert mich an den Rechtsstreit zwischen Leo Kirch und der Deutschen Bank. Deren Chef Rolf Breuer hatte öffentlich die Kreditwürdigkeit des Medienmoguls angezweifelt, was dann wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wirkte. Im Moment bietet die unter hohen Kerosinpreisen leidende Reisebranche offenbar beste Gelegenheit für düsterste Prognosen. So sagt eine

in Großbritannien gerade mal so eben den Verlust von immerhin 8000 Arbeitsplätzen bei den Veranstaltern voraus. Nun, Voraussagen sind immer schwierig – vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Immerhin: Die Börsianer schenken den Pleite-Prophezeiungen von Dresdner Kleinwort keinen Glauben. Der Kurs von Air Berlin lag am Nachmittag sogar mit 1,4 Prozent im Plus bei 3,61 Euro. Und ob die britischen Veranstalter wirklich 8000 Arbeitsplätze abbauen, steht auch in den Sternen. Nach den Mega-Fusionen und riesigen Kürzungswellen dürften die Firmen dort doch kaum noch viel mehr Mitarbeiter beschäftigen.

Kommentare

von barthel.eu, 17.07.08, 17:06
> NTV: Zur Begründung wiesen die Analysten darauf hin, dass das Unternehmen dem hohen Ölpreis nur wenig entgegenzusetzen hat. Als ob das nur Air Berlin beträfe...?! Das ist ein Antihype... Luftverkehr wird weitergehen. Ggf. weniger agressiv und wieder im Luxussegment, aber jeder, der meint, dass die Airlines jetzt reihenweise pleite gehen sollte sich mal überlegen, wie sehr die lokale, wie die Weltwirtschaft von genau diesen Flügen abhängt. Die Energiekrise (Rohöl oder gar Kerosin sind nur Teilmengen) wird in den kommenden Monaten und Jahren unsere Branche genauso sehr umwälzen, wie das Internet sich auf Kommunikation und Information (auch und gerade in der Reiseindustrie) ausgewirkt hat. Wobei "Internet" übrigens auch nicht unwesentlich ein Energiekonsument ist...

von Stefan Werner, 17.07.08, 17:48
In der Zeitung stand neulich, dass die Analysten gerade auch bei der Prognose von Bankaktien (und da gibt es in den USA ja wirklich Wackelkandidaten) voll daneben gelegen haben. Ein jeder kehre vor seiner eigenen Tür!

von Sylvie, 17.07.08, 17:56
Die Dresdner Bank hat's nötig, andere Airlines schlecht zu reden. Auf vielen Nachrichtenseiten läuft heute die Meldung, dass die gerade von ihrer Mutter Allianz selbst verkauft werden sollen.

von Wolfgang Hoffmann, 17.07.08, 17:59
Gnade diesem Schwätzer Gott, wenn der mit seiner Fahrlässigkeit unsere Touristik kaputtquasselt. Im Gegensatz zu Gesundbetern können Bänker dem possierlichen Dachs nämlich schon mit einer zu lauten Stimme das Klettern vergällen.

von Tony Böhmer, 17.07.08, 20:10
Was hat die Touristik in den letzten Jahrzehnten alles durchgemacht !! Achim Hunold wird die Nerven behalten müssen und die Nachfrage wird ihm langfristig Recht geben. Die Flugzeugbestellungen der Airlines in Farnborough bei Airbus und Boeing in Milliardenhöhe zeigen, dass das Vertrauen in Mobilität und Tourismus ungebrochen ist...

von andreas w. schulz, 18.07.08, 12:08
Analysten-Kommentare und Aktienkurse - der Manipulation sind Tür und Tor geöffnet. Erstaunlich ist nur, wie "erfolgreich" man damit sein kann. Der Ölpreis gehört auch mit in dieses Bild.

von Wolfgang Hoffmann, 19.07.08, 13:37
... ja, ja, es reicht halt eben nicht, dass sich ein Hunold im operativen Geschäft meint, gut auszukennen. Nur weil er eine Mühle von A nach B fliegen kann, ist er noch lange kein Tycoon. Er müsste sich in diesem Business auch etwas im strategischen Geschäft auskennen. Aber da hat er den Bänkern wirklich keinerlei Erfahrungen entgegen zu setzen. Denen liegt das Squeezeout dermaßen im Blut, dass die nur allzugerne nach leichtfertigen Opfern Ausschau halten. Diese Schwatzhaftigkeit seitens der Investmentbank Dresdner Kleinwort ist doch kein Betriebsunfall, da steckt gewaltig viel mehr dahinter. Wo hat die TUI eigentlich ihr Depot?

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