Air Berlin

Achims bitterer Abgang

Joachim Hunold tritt ab. Bei Air Berlin endet damit eine Ära. Auch wenn Hunold früher geht als geplant – seine Leistung bei Air Berlin schmälert dies nicht.

von Klaus Hildebrandt, 18.08.2011, 10:56 Uhr

"Achim", wie ihn viele in der Branche nur nennen, und Air Berlin – das ist eins. Aus einem winzigen Ferienflieger baute er in zwanzig Jahren Deutschlands zweitgrößte Airline, unter anderem auch durch Zukäufe wie DBA, LTU und Niki. Obwohl er seit dem Börsengang nur noch ein Anteilseigner von vielen ist, ist er das Gesicht und der Motor von Air Berlin. Selbst in der breiten Öffentlichkeit gibt es nicht viele Chefs größerer Unternehmen, die so bekannt sind und so eng mit "ihrer" Firma verbunden werden.

Wäre Air Berlin noch eine inhabergeführte Airline mit einem Kreis von eng vertrauten Privatinvestoren wie früher, wäre wahrscheinlich alles ganz anders gekommen. Aber die Aktie von Air Berlin ist im Keller, und wie ungeduldig Investoren sein können, bekam neulich auch Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa zu spüren. Offensichtlich wuchs nun, nach den mäßigen Zahlen zum zweiten Quartal, der Druck von Anlegern und des Aufsichtsrates.

Hunold selbst sagt, ein Führungswechsel könne das eingeleitete Sparprogramm „Shape & Size“ nur beschleunigen. Daran ist viel Wahres. Denn es fällt dem Management sicher nicht leicht, Strecken oder gar ganze Teile des Geschäftsmodells in Frage zu stellen, wenn der Patriarch mit am Tisch sitzt. Dass Hunold dies erkennt, zeigt Größe. Sicher wäre er gerne noch geblieben. Schließlich war Hunold immer ein Kämpfer. Auch in den vergangenen Wochen hat er massiv und mit großer Tatkraft daran gearbeitet, Air Berlin neu auszurichten.

Doch diese Zeit haben ihm die Analysten und das Board wohl nicht mehr gegeben. Das dritte Quartal könnte nach dem enttäuschenden zweiten Quartal dank des gut laufenden Ferienflugs gerade in die wichtige AB-Destination Spanien und eines sehr preisstabilen Last-Minute-Geschäfts (dem Wetter sei dank!) bei Air Berlin schon weitaus erfreulicher aussehen. Und allzu gerne hätte Hunold sicher die Früchte des Programms "Shape & Size" selbst geerntet und den Oneworld-Beitritt, einen Meilenstein in der Firmengeschichte, als CEO mitgefeiert. Nun werde er sich wohl erstmal stärker seiner Familie – der Düsseldorfer hat vier Kinder – widmen, sagte Hunold heute.

Auch wenn er sich seinen Abgang sicher anders vorgestellt hätte und die Gewinnziele in diesem Jahr erneut verfehlt werden – dass Achim mit dem Aufbau seiner Air Berlin und seinem Gespür für Markttrends ein großer Airliner ist und ein gutes Stück deutsche Touristikgeschichte geschrieben hat, steht für mich außer Frage.

Kommentare

von Cruiser007, 18.08.11, 13:17
wenn Mehdorn bei den Flugzeugen dann genauso auf Wartungsintervalle und Sicherheit achtet, wie bei den Zügen, dann gute Nacht AirBerlin .... Ich flieg sowieso Lufthansa.

von Andreas Schuerrle, 18.08.11, 13:22
"Wäre Air Berlin noch eine inhabergeführte Airline mit einem Kreis von eng vertrauten Privatinvestoren wie früher, wäre wahrscheinlich alles ganz anders gekommen." Da der Autor diesen Satz nicht weiter hervorgehoben hat, will ich dies durch Wiederholung tun.

von Martin Pundt, 18.08.11, 13:30
Diese Zeilen sind m.E. richtig und wichtig! Es ist ja verständlich, dass sofort eine Diskussion um die Person des ebenso profilierten Nachfolgers entbrennt und darüber wie sehr Herr Mehdorn für diese Position (un)geeignet ist. Aber ein kurzes Innehalten, mindestens, ist angebracht! Die Luftfahrt- und Touristikbranche sollte nicht vergessen, was Achim Hunold - und sein Team unter seiner Führung - in den letzten zwei Jahrzehnten erreicht hat. Klar: Da stehen - vor allem zuletzt - nicht nur Erfolgsmeldungen. Doch wenn man sich erinnert, welche anderen renommierten Fluggesellschaften in den letzten 20 Jahren auf der Strecke geblieben sind (und unter welchen Umständen), dann fällt für mich und für viele, mit denen ich heute schon sprach, unter dem Strich die Bilanz immer noch klar positiv aus: Anerkennung für das Lebenswerk und Respekt für den heutigen Schritt - das hat Achim Hunold sich verdient, ohne Frage.

von Cruiser007, 18.08.11, 13:34
@Martin: Ohne Zweifel deine Aussage! Achim Hunold hat großartiges für die Branche geleistest und AirBerlin hat wirklich einen hervorragenden Ruf. Er tritt zweifelsohne heute unter großem Applaus für sein Lebenswerk ab. Danke Achim!

von ulrichroth, 18.08.11, 13:43
Persönliche Leistungen sollen nicht geschmälert werden und es gebührt dafür Respekt. Allerdings ist häufig das Problem von Patriarchen, dass die Erkenntnis Platz zu machen häufig spät kommt, wie auch in diesem Fall. Ob die Ernennung seines Kumpels Mehdorn als Übergangslösung eine Entscheidung mit Weitblick für die Airline war, darf durchaus bezweifelt werden.

von Michael Buller, 18.08.11, 14:14
Ein Unternehmen zu verlassen das man selber aufgebaut hat ist ein wirklich schwieriger Schritt. Auch wenn die Ergebnisse nicht das sind was sich der eine oder andere wünscht so ist Hunolds Leistung nicht zu unterschätzen und eben zu würdigen (bei all den Unkenrufen die ich ebenfalls heute schon gelesen habe!). Ein Airline-Geschäft zu betreiben ist nicht einfach und von (zu) vielen Faktoren abhängig. Wer lange genug in der Branche ist hat viele Marken kommen und gehen sehen....eine Airberlin gibts immer noch und bietet dem Platzhirsch parole was für alle Beteiligten gut ist. Bei all der Kritik an einem der letzten Blogs....FVW ihr habt hier die richtigen Worte gefunden....und das ist gut so! Gruß buller

von Jürgen Barthel, 18.08.11, 14:49
Dem Kommentar von Martin Pundt ist nichts hinzuzufügen, außer einem Diener gegenüber einem Macher. Meine Hochachtung Herr Hunold!

von Andreas Schulte, 18.08.11, 15:50
Bei allem Respekt sollte man aber auch nicht ganz vergessen, dass in den zurück liegenden Jahren bei der AB noch nie ein nachhaltiger Gewinn erzielt wurde. Im Gegenteil, es wurde - ausweislich der Depotauszüge vieler Anleger - einiges an Geld verbrannt.

von Gerd Hermann, 18.08.11, 16:27
Schade, nach 20jähriger Arbeit solch einen Schritt gehen zu müssen. Aber bevor schon jetzt darüber spekuliert, ob Her Mehdorn geeignet ist oder nicht, soll die Leistung von Achim Hunold gewürdigt werden. In Zeiten in denen wir uns in unserer Branche von bekannten Airlines verabschiedet haben, hat er mit harter Arbeit Deutschland zweitgrößte Airline aufgebaut. Er war und ist das Gesicht der Air Berlin und der heutet erfolgte Schritt war bestimmt sehr, sehr schwer. Das er ihn geht, hat jedenfalls unseren Respekt verdient. Meinen Hochachtung hat Her Hunold jedenfalls.

von Martin Pundt, 18.08.11, 19:35
Danke an Cruiser007 und Jürgen Barthel für die netten Worte. Nur noch mal zur Klarstellung: Nicht MEINE Worte hatte ich für richtig und wichtig gehalten, sondern die von Klaus Hildebrandts Blogeintrag über Achim Hunold hielt ich - und halte ich noch - für richtig und wichtig, denn sie drückten umfangreicher und angemessener das aus, was ich auch hätte sagen wollen. Als ich meinen Kommentar schrieb, war noch kein anderer Kommentar live, als ich ihn postete, waren dann doch noch zwei vor mir. Schließe mich von daher gern Michi Buller an, dass die FVW bzw. Klaus hier absolut die Worte gefunden hat, die vielen aus dem Herzen sprechen. Und jetzt gehe ich, statt weiter zu labern, mit ein paar alten Freunden (die auch schon mehr Branchengrößen gehen als kommen sahen) einen Averna trinken - was sonst!?!

von Robert, 18.08.11, 20:19
Nun geht der Kahlschlag bei den Flugplänen los. Die Flughäfen zittern schon !

von Surfingo, 18.08.11, 22:03
@Cruiser007, sorry aber das ist total unangebracht. Wartungen werden vom LBA kontrolliert und nicht vom CEO einer Airline. Aber flieg mal weiter LH, tut unserem Umsatz ganz gut!

von H.D. Konrad, 18.08.11, 22:10
Mit Hr. Hunold geht ein Teil von Air Berlin. Ohne Ihn stände die Airline nicht da wo Sie jetzt ist. Schade drum. Aber es muss weitergehen. Mann kann dem Nachfolger nur auch so ein glückliches Händchen wünschen wie Hr. Hunold. Aber vielleicht sieht man Ihn an anderer Stelle ja wieder.

von Robert, 20.08.11, 20:26
Um noch mal auf AIR Berlin zurückzukommen und die Auswirkungen für uns alle in der Touristik - börsennotierte Unternehmen geben wenn überhaupt nur sehr selten schlechte Zahlen bekannt, nur dann wenn es sich gar nicht mehr schönrechnen lässt und dann sind das auch nur 10% der Wahrheit. Das bedeutet in Wirklichkeit kommt es jetzt ganz Dicke und es sollten sich auch die Konkurrenten nicht allzusehr darüber freuen, denn die Touristik funktioniert nur als Ganzes, sobald ein wichtiger Leistungsträger ausfällt bricht Chaos aus. Und alle großen Reiseveranstalter und Flughäfen in unserem Land arbeiten Personalmäßig absolut am Limit jede nochmalige größere unplanmäßige Veränderung kann das AUS bedeuten.

von Andreas Schulte, 20.08.11, 21:04
@Robert - endlich auch mal jemand, der die Problematik von der richtigen Seite her betrachtet. Denn was passiert in der Tat mit der deutschen Touristik, wenn AB in noch ernsthaftere Schwierigkeiten gerät ? Dabei sollte bei allen Überlegungen nicht außer Acht gelassen werden, was die AB mittelfristig an bereits vereinnahmten Kundenanzahlungen erst noch abarbeiten muss. Da dürften nicht unerhebliche Beträge im Spiel sein, die die ganze Branche ins Trudeln bringen könnten.

von Bogdan Nitulescu, 23.08.11, 10:22
Gruß aus dem Reisebüro Ältere Reisebüromitarbeiter können sich sicher erinnern wie Air Berlin in den Anfangsjahren die Reisebüros umwarb, eine super Agenturbetreuung hatte, ein freundliches Callcenter und überhaupt sehr bemüht war. Als Air Berlin nach paar Jahren sich ordentlich aufgebläht hatte bezeichnete Herr Hunold Reisebüros als überflüssig, stellte die Agenturbetreuung fast ein und auch sonst alles um. Air Berlin war es lieber Endkunden direkt zu tun zu haben. Am liebsten mit Prominenten. Kann sich noch Jemand daran erinnern dass der damals sicher mittellose, heutige Bundespräsident Wulff nebst Familie auf seinem Flug nach Amerika von gebuchter Economy kostenfrei auf Business upgegradet wurde?!? Erst als das publik wurde fand der persönlich Freund von Herrn Hunold doch noch etwas Geld um das zu bezahlen. War wahrscheinlich die Idee: Was ich den Reisebüros wegnehme kann ich Freunden geben, die bringen mir viel mehr Kunden als diese nutzlosen Reisebüros. Scheint dass er da daneben gelegen hat. Nun wird er sicher mit einer ordentlich Abfindung bedacht, seiner super Leistung gerecht. Ich hoffe es ist so viel, dass er nie wieder arbeiten wird müssen! Oder zumindest nicht mehr in der Touristik. Vielleicht bei einer großen Brauerei mit dem Konzept die Endkunden direkt zu beliefern, schliesslich sind Getränkegrosshändler auch nutzlos. Und wenn er dann selber Bier ausfährt, dann bestelle ich bei ihm und trinke einen mit ihm!

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