Air Berlin

Achim, der Kämpfer

Bilanzvorlage bei Air Berlin: Schlechtes 2010, verhalten positiver Ausblick für das laufende Jahr - und ein Joachim Hunold in Bestform.

von Klaus Hildebrandt, 24.03.2011, 10:56 Uhr

Die vergangenen Wochen waren nicht einfach für Air Berlin und ihren Chef: Der unter dem Strich gestiegene Verlust für 2010 sorgte für Kritik bei Analysten, ein für Medienliebling Hunold ungewöhnlich negatives Presseecho - und dann noch eine Schulteroperation, die den CEO auf der ITB zum Tragen einer Bandage zwang. Wenige Tage vor der heutigen Bilanz-Pressekonferenz in Berlin spekulierte das einflussreiche "Manager Magazin" gar, Aufsichtsratschef Hans-Joachim Körber suche nicht nur, wie bekannt, ein zusätzliches Vorstandsmitglied, sondern auch gleich auf mittelfristige Sicht einen Nachfolger für den Mann, der die Airline von einem winzigen Ferienflieger zur sechstgrößten in Europa machte. Das Magazin nannte mit Christoph Müller, früher bei Lufthansa, DHL und TUI und jetzt Chef von Aer Lingus, auch gleich einen möglichen Kandidaten.

Doch Hunold nahm heute vor der Presse gleich allen Wind aus den Segeln. Sein erster Satz war, dass Air Berlin 2010 zwar fast alle Ziele erreicht habe, "nur das wichtigste nicht", nämlich einen positiven Gewinn vor Steuern und Zinsen. Wie in alten Zeiten leitete er die Konferenz, wirkte vital, präsent und konterte selbst hartnäckige Nachfragen zur unbefriedigenden Gewinnentwicklung gelassen.

Und als dann die Frage nach seiner persönlichen Zukunft und möglichen Differenzen zwischen ihm und Aufsichtsratschef Körber kam, lächelte er sogar: Zunächst einmal sei Air Berlin eine britische PLC, und habe damit ein einstufiges Board-System, in dem "bislang alles einstimmig beschlossen wurde." Jedes Mitglied habe eine Stimmer, er also selbst auch. Er habe einen unbefristeten Vertrag bis zum Alter von 65 Jahren, sagte der 61-jährige, und fügte hinzu, dass er "keine Anzeichen sieht, dass der Aufsichtsrat daran etwas ändern will." Wieder ein Lächeln, nächste Frage bitte.

Das Signal ist klar: Hunold geht in die Offensive, so wie er es sein ganzes Berufsleben lang getan hat. Mit einem erneuten Effizienzprogramm sollen die externen Kostensteigerungen, etwa beim Kerosin, aufgefangen werden, die gute Konjunktur soll die Auslastung und Yield der Flotte verbessern. Mit dem Oneworld-Beitritt im kommenden Frühjahr erhält Air Berlin den Ritterschlag, wird endgültig nicht nur als Größe im Ferienflug, sondern auch im lukrativen Geschäftsreiseverkehr gesehen. Das ist die Krönung seiner Karriere - und die will er sich weder durch Ölpreise, Nordafrika-Krisen, Luftverkehrssteuern und schon gar nicht durch vorgezogene Nachfolgedebatten vermiesen lassen.

Kommentare

von Herbert, 24.03.11, 13:31
Als "normaler" Touristiker - also nicht als Air Berlin-Aktionär - der Achim Hunold's Karriere über die Jahrzehnte hinweg verfolgt hat, kann man sich nur wünschen, dass er auch diesmal wieder "die Kurve kriegt". Die Branche wäre schon bisher um sehr vieles ärmer gewesen, wenn es Achim Hunold und seinen ungebändigten Tatendrang nicht gegeben hätte, deshalb muß es ihn auch weiterhin geben. Seine Impulse haben schließlich auch manchen Mitbewerbern Flügel verliehen. Um es etwas abgewandelt mit den inzwischen geflügelten Worten von Uralt-Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier (selig) zu sagen: "Achim Hunold hat sich schon jetzt um unsere Branche verdient gemacht". Falls er noch kein Bundesverdienstkreuz haben sollte - er hätte es sich längst verdient! Und das sagt ein stilles Achim-Hunold-Fan-Club-Mitglied, das keineswegs zu seinem Alt-Düsseldorfer-Sylter-Berliner- "Klüngel-Freundeskreis" gehört- aus dem er aber offenbar auch seine Kraft.

von barthel.eu, 24.03.11, 17:38
Ich finde es vor allem erschreckend, wie nonchalant hier in Deutschland langjährige und erfolgreiche Wirtschaftsmacher von der Presse im eigenen Konzern in Frage gestellt werden. Oft, wie offenbar ja auch hier, höchstspekulativ! Genauso, wie ein Jörg Löw in Frage stellt, ob das "Trainerkarussell" in Deutschland nicht kontraproduktiv ist. Motivierend, sich auf Schleudersitze zu setzen, oder sich langfristig in einem Konzern zu engagieren ist das sicher nicht. Damit fördert man kurzfristiges Profitdenken auf Kosten langfristiger Perspektiven ... die aber hat Air Berlin (vor allem) dank Hunold ja wohl unbestritten - nur der Lufthansa mag dieser Erfolg Kopfzerbrechen bereiten. Das wundertz mich nicht wirklich. Konkurrenz belebt das Geschäft und ich freue mich, wenn Air Berlin den Spagat zwischen Ferien-, Linien- und Low-Cost-Flieger schafft! Zutrauen tu ich's Hunold und den Air Berlin-Leuten die ich die Freude habe zu kennen allemal...

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