Ägypten

Jetzt noch Urlaub in Ägypten machen?

In Kairo herrscht Chaos, am Roten Meer scheint die Sonne und ist es friedlich. Die Rewe Touristik rät nun von Ägypten-Urlaub ab. Ist das richtig?

von Klaus Hildebrandt, 31.01.2011, 09:39 Uhr

Am Samstag hatten die großen Veranstalter kostenlose Umbuchungen für Ägypten-Urlaub und auch kostenlose Stornierungen für Reisen nach Kairo angeboten. Nun hat hat das Auswärtige Amt seinen Hinweis allerdings nochmal verschärft und rät von Reisen nach Ägypten "aufgrund der instabilen Lage" ab, vor allem in die Städte. Heute morgen informierten die großen Veranstalter mit Pressemittteilungen: Die Rewe Touristik rät für die nächsten sieben Tage von Reisen ab, "um die Urlaubsgebiete zu entlasten" und die "Versorgung der Urlauber sicherzustellen". Bei der Rewe hatte am Wochenende nur jeder fünfte Ägypten-Urlauber umgebucht. Auch die TUI empfiehlt, die Reiseabsichten zu überprüfen und wenn möglich auf ein anderes Reiseziel umzubuchen.

Thomas Cook und FTI verlängern die kostenlosen Umbuchungen bis zum 7. Februar, raten aber nicht offensiv von Ägypten ab. Die Flüge und Transfers verliefen regulär. Welches Vorgehen richtig ist, lässt sich von außen nur schwer beurteilen. Bei der Tunesien-Krise flog zum Beispiel die Rewe Touristik noch Urlauber ein, als bei Thomas Cook schon über eine Evakuierung beraten wurde. Auch wenn die Ursachen des Protests in Ägypten ähnlich sind wie in Tunesien, aus touristischer Sicht ist die Lage anders: Die Ferienzentren am Roten Meer liegen viel weiter entfernt von Kairo als die Urlaubsregion Hammamet von Tunis. Während sich in Tunesien rund 7000 deutsche Urlauber aufhielten, sind es in Ägypten fünfmal so viele. Das würde eine Evakuierung sehr viel aufwändiger machen.

Für die Veranstalter hat Ägypten allerdings auch eine ganz andere strategische Bedeutung. Das Land am Nil ist im Winter zur wichtigen Kanaren-Alternative auf der Mittelstrecke geworden. Die Touristikkonzerne, allen voran die TUI, sind mit ihren Beteiligungshotels und ihren eigenen Marken umfrangreich vertreten, ob Iberotel, Robinson, Sentido, LTI oder Aldiana. Auch für die ägyptischen Mitarbeiter – Medienberichten zufolge hängt jeder achte Arbeitsplatz in Ägypten direkt oder indirekt am Tourismus – wäre ein übereilter Abzug der Touristen eine Katastrophe. Auch unter den Buchungsflauten nach früheren Terroranschlägen haben vor allem die "kleinen Leute", vom Zimmermädchen bis zum Busfahrer, gelitten.

Vielleicht ist das besonnene Vorgehen der deutschen Veranstalter deshalb richtig, zumal die Urlauber in ihren All-inclusive-Resorts bei strahlendem Sonnenschein offenbar auch nicht vorzeitig ihren verdienten Urlaub abbrechen wollen. Wenn diese Krise vorbei ist – der Druck auch aus dem Ausland auf Mubarak wächst – wird sich Ägypten aber sicher schnell erholen. Denn das Land ist nun mal ein touristisches Gesamtkunstwerk.

Kommentare

von Dominic, 31.01.11, 11:44
Meiner Meinung nach ist es richtig und wieder ein Pluspunkt für die Pauschalreise mit einem deutschen Reiseveranstalter. Nur ist es ein bißchen spät. Urlaub ist ganz viel Gefühl. Man freut sich darauf. Im Moment wäre die Aussage: "Ich fliege morgen nach Ägypten und freue mich riesig" wohl eher iritierend. Und genau das ist/war der Kunde von TUI, Thomas Cook und Co. wenn er von seinem renomierten und seriösen Reiseveranstalter bis letzten Samstag die Nachricht bekam: "Kostenlose Stornierung? Nein, nein! Es gibt keine Probleme!" Mühsam ist es dem Kunden die nackten Fakten mit der Enfernung und den Hotelbeteiligungen zu erklären, wenn die Tagesschau von Volksaufstand spricht. Genauso mühsam wie ein ägyptisches Hotel mit puren Fakten zu verkaufen. Meer, Strand, 600 Betten! Buchen? Kostenlose Stornierungen sind ab heute kulanterweise möglich. Ob aufgrund der zu erwartenden Ausgangssperren, der Leistungseinschränkungen im Hotel oder weil es vielleicht doch billiger ist als eine Evakuierung... Man weiß es nicht und sollte vielleicht auf sein Gefühl hören.

von Klaus, 01.02.11, 06:11
Nach meiner aktuellen, eigenen Erfahrung, ist es derzeit nicht möglich, einen Ägyptenurlaub incl. Kairo, der erst am 03.3.11 Abflug Deutschland beginnen soll, kostenlos umzubuchen, oder zu stornieren. Die Begründung meines Reiseveranstalters, in vier Wochen kann ja alles wieder ganz anders aussehen. Aktuell sind kolo Umbuchungen/Stornos nur bei einer Abreise innerhalb der nächsten 7 Tage möglich. Wer eine spätere Abreise gebucht hat z.B. 3.3.11 und jetzt schon Umbuchen oder Stornieren will, zahlt bis vier Wochen Abflug, 20% des Reisepreises.

von M.Linnhoff, 01.02.11, 10:04
Ich hatte gestern Kunden, die Ägypten (Abflug 14.02.11) gebucht hatten und aus Angst nun umbuchen wollten. Der Kunde wollte sein Geld selbstverständlich beim Veranstalter lassen und dennoch verlangte dieser € 100,00 Umbuchungsgebühr. Jetzt hofft der Kunde, dass sich die Situation in Ägypten weiter verschärft und er kostenlos umbuchen kann. Die Zufriedenheit hat dies nicht gesteigert. Für mich wieder einmal ein Paradebeispiel für die „besondere“ Kundenorientierung und Flexibilität einiger Veranstalter. Fazit: Es ist schon schwer genug neue Kunden zu gewinnen, sie zu halten um so mehr.

von Klaus Hildebrandt, 01.02.11, 16:06
Die großen Veranstalter sagen heute alle Reisen bis zum 14. Februar ab und bieten Umbuchungen bis zum 28. Februar. Anlass ist ein verschärfter Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amts, dass wegen möglicher Versorgungsengpässe der Hotels am Roten Meer nun auch "dringend" von Reisen in das ganze Land abrät. Mehr auf www.fvw.de @Namensvetter Klaus: Kostenlose Umbuchungen für März sind in der Tat noch nicht möglich. Sollten die Unruhen jedoch anhalten, werden die Veranstalter die Fristen sicher noch mal verlängern.

von Wolfram Schneppe, 01.02.11, 17:46
Kairo - man muss sicher immer ganz vorsichtig sein, wenn man z.Zt. Berichterstattungen über Ägypten verfolgt, aber dort "spielt eben die Musik - Kairo also, dieser schreckliche Moloch mit ungezählten, vielleicht 17 oder 18 Millionen Einwohnern, von denen tausende bettelarme mangels akzeptabler Alternativen selbst auf Friedhöfen leben, ist nun an den Rand des Abgrundes geraten. Von der westlichen Welt, vielleicht auch von einigen arabischen Staaten als politischer Stabilitätsfaktor der gesamten fragilen Region jahrzehntelang massiv gestützt scheint die Ära Mubarak, der niemanden neben sich geduldet hat, zu Ende zu gehen. Was dann kommt, ob das, wie Sie schreiben, touristische Gesamtkunstwerk nicht doch schaden nimmt, bleibt abzuwarten. Anders als bei anderen Krisenherden der vergangenen Jahre, bei denen der Urlauber nach ein paar Monaten alles wieder vergessen hatten, geht es hier ans Eingemachte. Bezeichnenderweise ist eine "Moslembruderschaft" momentan eine der wenigen Bewegungen, aus der eine ernsthafte Opposition hervorzugehen scheint. Ich beziehe mich auf ein Auslandsjournal der vergangenen Jahre, dass die Situation der gesammten Region beleuchtete: in Kairo warten tausende Mitglieder fundamental islamistischer Gruppierungen, bis hin zum hochdotierten Hochschulprofessor, auf den Moment, an dem es mit der Regierung Mubarak zu Ende geht, der deren Streben jahrelang bereits im Keim erstickt hat. Sollten sie wichtige Positionen eines neuen Ägyptens besetzen sei die Frage erlaubt, ob ein blühender Tourismus mit halbnackten Urlauberinnen und alkoholtrinkenden Urlaubern am Roten Meer überhaupt in irgendeiner Weise Bestand haben werden. Negativbeispiele wie den Iran gibt es genug, wo sich Ideologie über Kommerz, vielleicht über Vernunft, hinweggesetzt hat. Hoffen wir, dass moderate Kräfte besonnen das Heft in die Hand nehmen.

von Dietmar Pedersen, 01.02.11, 22:11
Im letzten Jahr hat die Vulkanasche die Ergebnisse verhagelt. Dieses Jahr wird es die Ägypten-Krise sein. Seit der neuen Reisewarnungsieht auch der letzte Kunde von einer Ägypten-Buchung ab. Bis zum Reisetermin April gibt es aber kaum preisähnliche Alternativen zu dieser Destination.

von Klaus, 02.02.11, 15:22
Obwohl in Kairo Chaos hoch drei herrscht, gibt es immer noch Reiseveranstalter, die kostenlose Umbuchungen oder Storno für Ägypten/Kairo Reisen nur sehr zögerlich ( in meinem Fall Abflug bis 14. Februar ) ermöglichen. Namhafte, grössere Veranstalter ermöglichen die kostenlose Umbuchung, oder ein Storno der Reise bereits für Abflüge bis in den März hinein. Anscheinend hofft meinVeranstalter an ein Wunder und ist der Meinung, dass ab März wieder gefahrlos Kairo besucht und auf dem Nil herumgeschippert werden kann.

von Mike, 02.02.11, 21:56
FTI zockt bei Änderungen ab und hat abweichende verbraucherunfreundliche AGB's wie eine Wundertüte! Änderungen bis 30Tage vor Reise bei Pauschalreisen eigentlich normal... / ...nicht bei FTI ! Das stellt man fest, wenn man in einer besonderen Lage wie jetzt Kunden hat, welche auf ein anderes Zielgebiet umbzubuchen wünschen. Bei FTI steht dafür nichts in den AGB's und man entscheidet im Einzelfall. Bei einer gebuchten FTI-Pauschalreise nach Ägypten für 27oo,-- bietet man jetzt am 31.1.11, 33Tage vor Abflug bei Umbuchung auf eine Gran Canaria Reise dem Kunden doch tatsächlich Storno und Neuanmeldung an! Der Kunde soll bei FTI 540,- zahlen. Schauinsland in ähnlichem Fall nimmt pro Person € 20,--!!!!!!!! Da stellen sich mir die Nackenhaare! Pfui!

von Horst, 03.02.11, 08:48
Einige Veranstalter in Deutschland nutzen wohl jede Krise für den eigenen Profit. Aber sicher spenden diese die Mehreinnahmen aus Umbuchungsgebühr, Stornokosten und Neuanmeldungen zum Wiederaufbau an die betroffenen Länder... Schön wär's...

von Mike, 04.02.11, 10:36
Das hatte ich nicht erwartet! FTI hat eingelenkt und heute nach mehrfachem Kontakt nachträglich auf Umbuchungsgebühren für eine Ägyptenreise welche auf LPA umgebucht wurde verzichtet. Jetzt müssen nur noch die AGB's branchenüblich geändert werden, damit bis 30Tage vor Reise bei Pauschalreisen problemlos mit € 20,- / 30,- / 40,- p.P. umgebucht werden kann und keine "Einzelentscheidungen" notwendig werden. Kunde und ich sind momentaktuell befriedigt.

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