Ägypten

Die Branche braucht Ägypten und Tunesien

Droht in Kairo nach dem jüngsten Gewaltausbruch nun doch das Chaos? Und wie geht es weiter in der Touristik?

von Klaus Hildebrandt, 02.02.2011, 18:04 Uhr

Die friedlichen Proteste in Kairo sind am Mittwoch durch gewalttätige Schlägertrupps, offenbar im Auftrag der Regierung, gestört worden. Vor diesem Hintergrund ist es sicher richtig, dass das Auswärtige Amt am Dienstag den Sicherheitshinweis verschärft hat und die Veranstalter derzeit keine neuen Gäste nach Ägypten fliegen. Auch wenn es in den Ferienzentren am Roten Meer weiter ruhig ist und auch von befürchteten Versorgungsengpässen in den Hotels offenbar keine Rede sein kann.

Am Dienstag schöpften die deutschen Touristiker und ihre ägyptischen Partner noch Hoffnung, dass Präsident Hosni Mubarak vielleicht schon in wenigen Tagen abtritt und sich die Lage unter einer Übergangsregierung wieder stabilisiert. Doch der ägyptische Präsident ist nicht vergleichbar mit Tunesiens Ex-Diktator Ben Ali.

Die deutschen Veranstalter und auch die Reisebüros, die derzeit mit Umbuchungen alle Hände voll zu tun haben, warten nun auf positivere Signale aus Ägypten. Auch der derzeitige Ausfall des Zielgebiets Tunesien schmerzt, denn gerade für preisbewusste Familien gibt es nicht immer geeignete Alternativen am Mittelmeer. Bislang funktioniert das Krisen-Management der Veranstalter und des DRV im Fall Ägypten offenbar reibungslos, eine das Image stark belastende Evakuierung der Urlauber am Roten Meer kann vermieden werden. Es gibt sogar Neubuchungen, berichten Spezialisten.

Und es gibt trotz der dramatischen Ereignisse heute in Kairo auch Anekdoten, wie die eines Langzeiturlauber-Pärchens, das seine Wohnung untervermietet hat. Nach der Evakuierung aus Tunesien entschieden sie sich für einen Urlaub in Ägypten. Müssten sie nun auch am Roten Meer auch früher abreisen, müssten sie sich noch ein Zielgebiet zum Überwintern suchen. Oder der Golf-Trupp, der sich standhaft weigerte, Tunesien zu verlassen. Nun verleben die Senioren einen traumhaften Urlaub: Der Golfplatz gehört ihnen fast allein, die tunesischen Gastgeber sind dankbar, dass die Deutschen geblieben sind.

Hoffen wir also, dass sich die Lage in Kairo bald entspannt und dass auch Tunesien wieder touristisch in Schwung kommt. Damit später eher die Anekdoten als die Unannehmlichkeiten im Gedächtnis bleiben. Denn wenn die Lage weiter angespannt bleibt, fehlen zwei wichtige Zielgebiete. Europas Marktführer TUI hat heute in der Quartalsbilanz schon mal die wirtschaftlichen Folgen überschlagen.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem aktuellen Ägypten-Tourismus, wie beurteilen Sie das Krisenmanagement der Veranstalter, des Deutschen Reise Verbands und des Auswärtigen Amts? Eine große Ägypten-Story lesen Sie übrigens auch in der neuen fvw, die als E-Paper ab Donnerstag zur Verfügung steht und bei Abonnenten am Freitag in der Post ist.

Kommentare

von Sylvie, 11.02.11, 21:05
Endlich ist Mubarak weg. Hoffe, dass die Veranstalter nun bald wieder ihre Flüge aufnehmen, denn Ägypten braucht jetzt unsere Unterstützung. Und ich hoffe, dass ab Montag keine Kunden, die ihren Urlaub für Juli gebucht haben, mehr nerven, warum sie denn nicht kostenlos umbuchen könnten.

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