11. September

Der Tag, der das Reisen veränderte

Der zehnte Jahrestag der Anschläge vom 11. September steht bevor. Die Terror-Angriffe haben die Reisebranche nachhaltig verändert.

von Klaus Hildebrandt, 09.09.2011, 12:31 Uhr

Fast jeder von uns weiß noch heute, wie der Tag ablief. Bei der fvw in Hamburg hatten wir am Vormittag des 11. Septembers 2001 Stefan Pichler, damals Chef des Touristikkonzerns C & N (heute Thomas Cook), zu einem Interview zu Gast. Pichler war gerade fort und fast die gesamte Redaktion in einer Konferenz, als wir von der Nachricht erfuhren. Den Rest des Tages verbrachten wir dann vor dem Fernseher und sahen mit an, wie die Twin Towers einstürzten.

Der 11. September stürzte die gesamte Welt und mit ihr die Reisebranche von einem Tag zum anderen in eine Schockstarre: Bis dahin war das Jahr erfolgreich gelaufen. Doch nun untersagten Firmen ihren Mitarbeitern Flugreisen, bei den Reisebüros gingen keine neuen Buchungen für Urlaubsreisen mehr ein. Wir bei der fvw beschlossen mitten im Jammertal, mit einer Sonderveröffentlichung mit dem Mutmacher-Titel "Raus aus der Krise!" Wege aufzuzeigen, wie gerade Reisebüros mit der Situation umgehen und ihr Geschäft retten können.

Die Branche brauchte lange, um sich von dem Einbruch zu erholen. Zumal 2003 dann schon der Irak-Krieg folgte. Weitere Terroranschläge, etwa in London, Madrid und Ägypten folgten.

Wie haben Sie "Nine-Eleven" erlebt, welche langfristigen Folgen und Veränderungen hat aus Ihrer Sicht der Anschlag nach sich gezogen? Sollten die Regierungen die in den vergangenen Jahren verschärften Sicherheitsbestimmungen wieder zurückfahren, da sie das Reisen erschweren, wie die Lobby-Organisation WTTC fordert? Und was hat die Reisebranche aus diesem schrecklichen Erlebnis gelernt? Ich freue mich über Ihre Meinungen.

Kommentare

von Walter Krombach, 09.09.11, 16:57
Ich saß am Schreibtisch in meinem Ameropa-Büro in Bad Homburg. Meine Frau rief mich an und sagte, ein Flugzeug sei in einer der WTC-Türme gestürzt, es würde live im TV berichtet. Sofort schaltete ich meinen Mini-Fernseher ein, den ich erst kürzlich ins Büro mitgenommen hatte - für alle Fälle. Ich traute meinen Augen nicht, als ich den brennenden Nordturm sah, wo ich wenige Wochen vorher noch ein faszinierendes Dinner im "Windows of the World"- Restaurant im 102. Stock genossen habe. Minuten später der nächste Schock: der Anflug des 2. Flugzeugs und der Sturz in den Südturm. Unbeschreiblich. Unvergesslich. Die Gedanken gingen an die armen Menschen oberhalb der Eiinsturzstellen, weil eigentlich klar war, dass es für sie keine Rettung geben würde. Der nächste Gedanke: Was wird erst passieren, wenn die Türme umstürzen. Stattdessen der Einsturz: Apocalypse pur! Die Folgen für die Branche? Pauschal gesagt: Vor allem Flugreisen haben durch die in der Folge massiv verstärkten Sicherheitsbestimmungen und -kontrollen ihre frühere "Leichtigkeit" eingebüßt. Pistolenbewaffnete Sicherheitskräfte erinnern uns an überall lauernde Gefahren. Für jüngere Reisende heute ein Normalzustand, wir Älteren denken vielleicht mit etwas Wehmut an lockerere Zeiten zurück. Trotzdem: die Branche boomt, wenn auch gelegentlich schwankend, sie hat, wie bei allen Katastrophen davor und danach, nur für relativ kurze Zeit innegehalten. Das Leben geht weiter. Und das Reisen auch.

von Rainer Wedel, 09.09.11, 17:23
An 9/11 war ich mit der Lufthansa auf dem Wege auf die Bahamas. Die Willy Scharnow-Stiftung und Bahamas Tourist Board hatte geladen. Etwa1 1/2 Stunden vor der Zwischenlandung in Miami kamen aus dem Cockpit unserer Maschine, Nachrichten, die wir unglaublich fanden. Sinngemäß verkündete der Captain: wegen terroristischer Angriffe auf das World Trade Center in New York müssen wir zurück fliegen, da der gesamte amerikanische Luftraum ab sofort gesperrt sei. Unter den Passagieren gab es leichte Unruhen und Raunen. Die Technik war noch nicht so weit, dass man aus dem Flugzeug (als Passagier) telefonieren konnte. Wir mussten der Crew dankbar sein, dass sie uns - mit Tankstopp - auf den Bermudas, wieder nach Frankfurt zurück geflogen hatte. Abflug am 11.09.2001 um ca.10.00 ab Frankfurt, Ankunft ca. 03.00 Uhr, am nächsten Tag. Bis heute war ich nicht auf den Bermudas. Unabhängig von diesem Erlebnis sind die Reisegewohnheiten keine reine Freude mehr, da die Kontroll-Mechanismen oft wie reiner "Aktionismus" daher kommen. Vor allem der USA Tourismus dürfte in Gänze seit 2001 stark gelitten haben. Oft haben wir nur noch den ethnischen Verkehr von Familien, Verwandten und Bekannten, ein bruchteil von Buchungen wie es früher mal war. Entwürdigend manchmal die Abwicklungen auf den Flughäfen mit den Sicherheits-Kontrollen, da weltweit eingeführt, fällt das schon (fast) nicht mehr auf. Vor allem der Hick-Hack wegen der "Flüssigkeiten" ist nicht unbedingt zu begreifen(da nach den Kontrollen der Commerz wieder obsiegt!?). Genau so besorgniserregend sind trotz Schengen-Abkommen, die Sonderwege, die Dänemark z.Zt.praktiziert. Fakt ist, früher hat das Reisen mehr Spass gemacht; Fakt ist aber auch, dass durch die Globalisierung und die schnellen Nachrichten die Welt insgesamt mehr in Unruhe gekommen ist. Rainer Wedel, REISEBÜRO PRITSCH, Hauptstr. 20,64665 Alsbach-Hähnlein

von Martin Pundt, 09.09.11, 17:39
Auch ich saß an meinem Schreibtisch, damals noch bei der Flughafen München GmbH, bis ein Kollege mit der Meldung "Ein Flugzeug ist mitten in New York abgestürzt" den Flur entlang kam. Die ganze Abteilung traf sich im nahegelegenen Konferenzraum der Geschäftsführung, der mit damals modernster Technik ausgestattet war: Das TV-Bild wurde über einen Beamer auf eine Großleinwand projiziert. Der Raum füllte sich in den nächsten Stunden immer mehr; doch ich kann mich nicht erinnern, dass wir viel - wenn überhaupt - miteinander gesprochen hätten: Alle waren viel zu sehr geschockt von den Bildern auf der Leinwand. Als auch der zweite Turm einstürzte, war uns allen klar, dass wir Zeugen einer Tragödie (einer Katastrophe? eines abscheulichen Verbrechens? Ich suche noch heute, zehn Jahre später, nach einem angemessenen Begriff) geworden waren, wie sie nie zuvor im Fernsehen live in diesem Ausmaß gezeigt wurde. Noch heute bin ich dankbar, dass die Auflösung des Beamers zu gering war, um an diesem Tag wirklich zu begreifen, dass sich Menschen aus den oberen Stockwerken in den Tod stürzten. Irgendwer sagte dann den Satz "Das wird den Luftverkehr für immer verändern". Keiner widersprach - und keiner konnte damals auch nur ahnen, wie sehr dies Wahrheit werden würde. Noch bis tief in die Nacht saßen wir zusammen, um uns gegenseitig etwas Halt zu geben. Die nächsten Tage gab es dann genug zu tun, um auf andere Gedanken zu kommen: Die Rückholung gestrandeter Mitarbeiter aus den USA galt es ebenso zu organisieren wie die Betreuung der in München hängen gebliebenen Fluggäste. Ich habe dabei nur einen sehr, sehr kleinen Beitrag leisten können - immer in Erinnerung bleiben wird mir aber die grenzenlose, herzliche Solidarität der großen Flughafenfamilie: Die Flughafenkapelle war zentraler Treffpunkt von Menschen aller Religionen und Nationalität; die Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander schon wenige Stunden nach den Anschlägen der beste Beweis, dass es nicht gelungen war, die Werte der westlichen Zivilisation zu zerstören.

von A. Kretzschmar, 09.09.11, 17:43
wir saßen damals im fvw konfi und fragten uns ist das real...

von Jürgen Barthel, 09.09.11, 18:03
Ich war in Frankreich in meinem dortigen Büro. Die ersten Nachrichten wurden als "Science Fiction" oder übler Scherz oder Hollywood-Blockbuster-Werbung verworfen, bis uns klar wurde, dass dem mitnichten so war. Ich war zum Glück mit Auto vor Ort. Meine Eltern waren in Washington, knapp zwei Kilometer vom Pentagon entfernt, sie wurden aus der Stadt "evakuiert" und wir machten uns bis in die späte Nacht grosse Sorgen, dann noch fast zwei Wochen, bis wir sie endlich zurück in Deutschland hatten. Bis in die Folgewoche hatten viele Freunde und auch wir Gäste, ich habe selten so eine selbstverständliche und natürliche Gastfreundschaft erlebt wie in diesen Krisentagen. Bei all dieser Berichterstattung fällt mir dennoch die einseitig 'westliche' Sicht auf, auch in Deutschland. So wird nur selten über den Einfluss der USA berichtet, der den Lebensweg Osama Bin Ladens bestimmte. Genauso, wie wir uns in Libyen oder Afghanistan wie Kolonialherren präsentieren, aber oft nicht einmal versucht wird die andere Kultur zu verstehen... Wir sind alle Ausländer. In 193 Ländern (und 12 Territorien) dieser Welt. Aber es bringen sich mehr Christen, Muslime und Juden in Kriegen gegenseitig um, die doch alle an den gleichen Gott glauben und obwohl "Mord" eine Todsünde ist, als alle Anhänger anderer Religionen zusammen... Dein Christus ein Jude dein Auto ein Japaner deine Pizza intalienisch die Demokratie griechisch dein Kaffee brasilianisch die Zahlen arabisch dein Urlaub türkisch deine Schrift lateinisch und dein Nachbar ist "nur" ein Ausländer!

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