Wirtschaftskrise

Bangemachen gilt nicht!

Wie man in Zeiten allgemeiner Unsicherheit mit der Angst richtig umgeht und die Krise sogar als Chance nutzen kann, lesen Sie hier.

von Anne Otto, 29.09.2011, 11:20 Uhr
Nur nicht aufgeben!
Foto: Image Source

Der Umsatz sinkt, täglich prophezeien die Nachrichten schwere Zeiten, das Stichwort Kurzarbeit geistert durch die Kaffeeküche. Kein Wunder, wenn sich da so mancher Expi von der allgemeinen Unsicherheit anstecken lässt. Eins ist klar: Fast jedem ist gerade etwas bange. „Und ein bisschen Angst ist im Moment auch gar nicht zu vermeiden“, sagt Wirtschaftsprofessor Winfried Panse von der Fachhochschule Köln.

Die Zeiten seien ja tatsächlich unsicherer als noch im letzten Jahr. „Besonders jetzt kommt es aber darauf an, wie man mit der Angst umgeht“, erklärt Panse. Der Wissenschaftler hat in einer Studie erforscht, wie Ängste auf die Produktivität bei der Arbeit wirken. Er fand heraus, dass auch ohne eine Wirtschaftskrise im Nacken bereits bis zu 90 Prozent der Beschäftigten gelegentlich unter betrieblich bedingten Ängsten leiden. Der Folgeschaden, der für die Wirtschaft durch Fehlzeiten, Antriebslosigkeit und psychosomatische Krankheiten entsteht, geht in die Milliarden.

Die Lösung, um diese zerstörerische Angst zu überwinden, ist übrigens nicht, sie einfach zu ignorieren. Besser funktioniert es, wenn man Ängste zulässt – und konstruktiv nutzt. Wie das geht,weiß zum Beispiel Gabriele Reminder- Schray vom Euro Lloyd Reisebüro Breuninger in Stuttgart. „Für uns ist die wirtschaftliche Situation einfach eine Aufforderung, noch stärker aktiv auf die Kunden zuzugehen“, sagt die Büroleiterin mit 55 Angestellten. Experte Panse wäre mit dieser Antwort rundum zufrieden.

Der Wirtschaftswissenschaftler geht sogar noch einen Schritt weiter: Wenn man in der gegenwärtigen Lage am Counter einen Service bieten kann, der den Kunden Sicherheit in diesen unsicheren Zeiten bietet, kann man damit eine Marktlücke füllen. Einzelne Reisebüros haben diese Chance bereits erkannt. „Gerade jetzt sind individuelle Beratung und ein komfortabler Service für die Geschäftskunden noch wichtiger als früher“, sagt Eva Klee, Expedientin im Firmendienst bei Reisehaus Zulauf in Kelsterbach. Ihre Kunden reagieren darauf bisher extrem positiv und loben es.

Besser mit Angst umgehen

Man kann zwischen guter und schlechter Angst unterscheiden. Wir zeigen Ihnen, wie man die lähmenden Sorgen ausbremst und lernt, sie in den Griff zu bekommen.

Bleiben Sie konkret
Die meisten Ängste sind Zukunftsängste: Was, wenn unser Büro dichtmachen muss? Was, wenn ich meinen Job verliere? Solche Befürchtungen verselbstständigen sich sehr leicht. Nehmen Sie von derart diffusen Zukunftsängsten bewusst Abstand. Denn: Man kann sie nicht beeinflussen. Statt sich in der Befürchtung zu suhlen, lieber bei greifbaren Problemen ansetzen. Ist etwa der Umsatz im Büro zurückgegangen – konkrete Maßnahmen überlegen, wie man das ändert.

Stellen Sie sich die größte Katastrophe vor
Gerade, wenn Sie momentan tatsächlich öfter mal in Panik geraten, kann es helfen, sich die Katastrophe wirklich in den düstersten Farben auszumalen. Fühlen Sie, wie es wäre, wenn das wirklich so passieren würde. Auch wenn das paradox klingt: Dann merkt man, dass es zwar schlimm wäre, wenn man seinen Job verlöre. Trotzdem ist das nicht der Weltuntergang. Wenn man die Angst einmal durchlebt hat, kann man sich konkreter einen Plan B machen. Zum Beispiel: einfach mal überlegen, wie man an den Traumjob kommen könnte, den man immer schon haben wollte. Vielleicht einfach mal eine Initiativ-Bewerbung abschicken?

Kommen Sie zurück in den Alltag
In manchen Reisebüros wird zu viel geredet. Wenn es auch in der Mittagspause kein anderes Gesprächsthema als die düstere Zukunft gibt, machen Sie bewusst eine Pause von der Krise: Reden Sie über Alltägliches, das entspannt. Tipp: Auch frische Blumen auf dem Tisch oder ein paar neue, schöne Tassen für die Teeküche können ein gutes, entspannendes Gefühl geben.

Gehen Sie in die Offensive
Die Angst vor der Lage wird ganz schnell kleiner, wenn man sich ihr stellt. Also beschließen Sie, die Herausforderung anzunehmen und bewusster auf neue Kunden zuzugehen. Dann wird die Angst ganz schnell kleiner. Damit das funktioniert, hilft es nichts wegzuschauen. Etwas Angst bewirkt sogar eher, dass wir die Komfortzone verlassen – und loslegen.

Behalten Sie die Übersicht
In wirtschaftlich turbulenten Zeiten nimmt oft auch der Druck zu. Man muss mehr arbeiten, mehr wegschaffen, eventuell Zusatzaufgaben übernehmen. Damit das gelingt: Wichtiges von Unwichtigem trennen. Und: ein bisschen Hirnschmalz in Zeitmanagement investieren. Denn gerade wenn man hektisch wird, verzettelt man sich oft in Kleinigkeiten.

Aktiv werden – Die Krise als Chance

Es gibt viele Tricks, um sich bei der Arbeit unentbehrlich zu machen. Allen voran: Kunden binden und aktiver verkaufen als bisher. „Das erreicht man oft schon mit kleinen Gesten“, sagt Experte Winfried Panse.

Mehr Engagement
„Mitarbeiter, die Eigeninitiative ergreifen und aktiv auf Kunden zugehen können, schätze ich am meisten“, sagt Büroleiterin Gabriele Reminder-Schray. Klar: Wer aktiv Kunden gewinnen kann, macht sich tatsächlich unentbehrlich. Ideen: ein Flyer oder eine Mailing-Aktion.

Angebote für Familien
Auf die Familien kommt es in diesem Sommer an. Denn die wollen verreisen, werden aber weniger Geld haben als bisher. Expis, die Angebote für diese Zielgruppe heraussuchen, steigern den Umsatz im Büro – und ihr eigenes Ansehen beim Chef.

Sicherheit bieten
Im Augenblick sind viele Arbeitnehmer verunsichert. Deshalb punkten Sie, wenn Sie Kunden das Gefühl geben, gut aufgehoben zu sein. Zum Beispiel: bei aufwendigen Individualreisen „Waschzettel“ mit Zusatzinfos mitgeben.

Kundenabend anbieten
Ergreifen Sie die Initiative, und schlagen Sie Ihrem Chef einen Kundenabend vor. Ob USA oder Türkei – zu einem unterhaltsamen, gut recherchierten Themenabend werden die Leute gern kommen. Auch wenn die Kunden nicht direkt buchen – vielleicht ja im nächsten Jahr.

Mehr wissen als andere
Vertiefen Sie Ihr Wissen über bestimmte Destinationen oder Spezialbereiche wie etwa Kreuzfahrt durch gezielte Info-Reisen oder E-Learning. Generell gilt: Weiterbildung hilft, wenn man vorher mit dem Chef bespricht, was gebraucht wird. Seminare zu Service-Orientierung gibt auch Wirtschaftswissenschaftler Winfried Panse (prof.panse@web.de).

0

Aktuelle Jobs und Stellenangebote, ob im Reisebüro, bei Reiseveranstaltern oder im Business Travel – hier finden Sie den Job der wirklich zu Ihnen passt. zu den Touristikjobs

 
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten