Traineeship

Karriere-Kick für Einsteiger

Trainee-Programme als Turbo für Job-Anfänger? Lesen Sie hier, was Absolventen beachten müssen.

von Evelyn Sander, 21.10.2014, 09:57 Uhr
Der Wechsel zwischen Abteilungen ist typisch für Trainees.
Foto: Thinkstock

Daniela Schaeffer lernt im Reisebüro und weiß danach genau, wohin sie will: zum Veranstalter. In welche Abteilung genau weiß sie allerdings nicht. Erst mal studiert sie BWL, macht Praktika bei DER Touristik, doch nach dem Bachelor ist die Frage noch da: Wohin genau? „Natürlich habe ich an den Klassiker Produktmanagement gedacht“, erinnert sie sich. „Aber vielleicht liegen meine Stärken woanders?“ Statt direkt einzusteigen, wollte sie ein Traineeship.

In diesen Programmen arbeitet man nicht sofort in bestimmten Positionen, sondern startet mit einem Rundflug durch das Unternehmen. „Es ist besonders für Absolventen interessant, die nicht genau wissen, in welche Richtung sie später gehen wollen“, sagt Trainee-Experte Daniel Furth vom Karriereportal Absolventa.de. Dieser offenere Berufseinstieg wird bei Hochschulabsolventen immer beliebter. Vorteile haben beide Seiten. Furth: „Berufseinsteiger werden im Idealfall sehr gut auf ihre künftige Karriere vorbereitet, Firmen können ihre Nachwuchskräfte richtig kennenlernen und zielgerichtet ausbilden.“

Und wer bietet’s an?

Traineeshipsfindet man vor allem in Konzernen wie bei der Deutschen Bahn, die rund 75 kaufmännische Stellen hat oder Lufthansa, die 12 „Proteam“-Trainees einstellt. Bei Veranstaltern sieht es dagegen eher mager aus: Thomas Cook hat gar kein Programm, Marktführer TUI stellt zweimal im Jahr jeweils acht Trainees ein. Die Konkurrenz ist erdrückend: Rund 2500 Bewerber aus aller Welt buhlen um einen Platz. DER Touristik bietet fünf Stellen, davon nur zwei in der Touristik, 2015 sollen es drei touristische sein. FTI hat gerade das erste Trainee-Programm auf die Beine gestellt: „Wir starten mit fünf Absolventen, die über 15 Monate diverse Abteilungen durchlaufen und auch ins Ausland gehen“, erklärt FTI-Personalleiterin Heike Niederberghaus. Auch bei TUI ist das Traineeship international ausgerichtet. „Konzernweit sind fünf Einsätze geplant, je nach Projekt auch im Ausland“, sagt TUI-Trainee-Managerin Sandra Look-Haasler. Schon der Nachwuchs selbst ist international – manchmal kommt jeder Trainee aus einer anderen Nation. „Das macht sehr viel Spaß und stärkt die interkulturelle Kompetenz“, beobachtet Look-Haasler.

Sich im Auswahlverfahren durchzusetzen ist schwer. Daniela Schaeffer hielt das nicht ab. Sie bewarb sich bei DER Touristik. „Es war ein langer Auswahlprozess“, erinnert sie sich. Einstellungstest, Bewerbungsgespräch, Assessment Center, noch ein Gespräch. Heute kann sie darüber lachen. Sie setzte sich durch und absolvierte das Trainee-Programm. Alle drei, vier Monate wechselte Schaeffer die Abteilung. „Es war ideal, um einen Überblick zu bekommen“, sagt die 31-Jährige. In jeder Abteilung war sie für ein Projekt zuständig. Für die junge Frau genau der richtige Mix: „Ich hatte Verantwortung, aber auch eine Art Welpenschutz.“ Nach ihrem Traineeship landete sie doch nicht im klassischen Produktmanagement, sondern in der Presseabteilung, seit Anfang des Jahres ist sie Projektmanagerin Marketing und Verkaufsförderung bei Meier’s Weltreisen. „Die Abteilung kannte ich schon von meiner Trainee-Zeit“, so Schaeffer. Ihr Networking von damals hilft ihr heute noch.

Für das Karriere-Rundum-sorglos-Paket müssen sich Trainees tendenziell mit weniger Gehalt als Direkteinsteiger zufriedengeben. Das durchschnittliche Trainee-Jahresgehalt liegt branchenübergreifend bei rund 38.000 Euro brutto, berichtet Furth. Dabei zahlt die Elektrotechnik mit rund 45.700 Euro am besten, der Tourismus eher wenig mit 23.900 Euro brutto. Furth: „Doch auch innerhalb einer Branche variiert das Gehalt stark.“ Je größer die Zahl der Mitarbeiter, desto höher das Gehalt. So zahlt TUI seinen Trainees 36.400 Euro brutto im Jahr – plus Unterstützung für Auslandsaufenthalte.

Mittelständler bieten mehr Traineeships

Neben den Konzernen bieten auch immer mehr Mittelständler Trainee-Plätze an Doch die Ansprüche an die Programme sind hoch, kleine Firmen scheuen den Aufwand oder machen es sich manchmal zu leicht. „Nicht überall wo Traineeship draufsteht, ist ein gutes Programm drin. Der Begriff ist leider nicht geschützt“, kritisiert Furth. Teilweise bestehe die Gefahr für Trainees, als günstige Arbeitskraft ausgenutzt zu werden.

So hat Claudia Matzner bei ihrem Trainee in einem Familienhotel nicht das bekommen, was ihr zugesagt wurde. Nach ihrem Bachelor in Tourismus- und Eventmanagement am European Business College (EBC) will sie ins Hotel. „Natürlich gehört der Service-Bereich dazu“, findet die 24-Jährige. Es habe ihr viel Spaß gemacht, doch als sie andere Abteilungen kennenlernen wollte, wurde sie vertröstet. Wegen akuten Personalmangels blieb sie beim Bankett. „Das war schade, trotzdem habe ich viel Positives für mich rausgezogen“, sagt Matzner. In Zukunft weiß sie sich besser durchzusetzen und hat obendrein viele Ideen, wie sich Personalmanagement im Hotel verbessern lässt.

Auch Johann Stooss, Kanzler der EBC Hochschule, hört gelegentlich von Traineeships, die nicht so gut laufen. Die Hoch- schulen tauschen sich aus und geben Absolventen entsprechende Tipps. Ein gutes Programm sollte mindestens zwölf Monate dauern, in denen Teilnehmer verschiedene Abteilungen kennenlernen, betont er. Auch Kurse für potenzielle Führungskräfte sollten drin sein. „Es ist ein gutes Gefühl, dass einem der Weg für die Karriere schon geebnet ist“, findet die ehemalige Trainee Schaeffer. Es macht Lust auf mehr.

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