Tourismus-Studium

Tourismus-Master fürs Spezielle

Bachelor ist ja schön und gut. Aber vielen jungen Touristikern reicht das nicht, sie peilen den Master an. Und der wird immer exotischer: Seit Jahren blühen touristische Orchideenfächer an den Hochschulen. Wie sinnvoll sind diese Nischen-Master?

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von Evelyn Sander, 10.08.2016, 14:00 Uhr
Karrieredschungel: Tourismus-Master
Foto: Shutterstock

Mit dem Bachelor in Tourismusmanagement in der Tasche schrieb Annika Heckler ihre ersten Bewerbungen. Halbherzig, denn eigentlich war klar: „Ich wollte weiter studieren.“ Nichts Allgemeines, lieber etwas Spezielleres. Nach einem Praktikum in einem kleinen Hotel auf La Reunion stand ihr Lieblingsfach fest: „Destinationsmarketing hat mich am meisten interessiert“, erzählt die 27-Jährige, die dann an der Hochschule Harz den Master in Tourismus- und Destinationsmanagement anpeilte.

Nischen-Studiengänge haben Konjunktur. Fächerübergreifend gibt es bereits über 4550 Master-Studiengänge. „Es sieht so aus, als gäbe es immer mehr spezialisierte Studiengänge“, sagt Sabine Behrenbeck vom Wissenschaftsrat. Verlässliche Studien lägen jedoch noch nicht vor.

Auch im Tourismus – an sich schon ein Orchideenfach – gibt es immer mehr Spezialisierungsmöglichkeiten. Mittlerweile bieten rund 70 Prozent der touristischen Fakultäten auch Master-Studiengänge an, so eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft (DGT).

Wie sinnvoll ist es aber, sich hier zu spezialisieren? Erweist sich die erhoffte Schnellstraße in den Job am Ende als Sackgasse? Dass sie sich mit ihrem Schwerpunkt um Arbeitsmarktchancen gebracht hat, glaubt Annika Heckler nicht: „Wenn ich richtig hinter etwas stehe, finde ich auch etwas. Außerdem sind in immer mehr Stellenangeboten spezielle Kenntnisse gefragt.“ Daneben versichert auch Professor Michael Schreiber von der Hochschule Harz, dass der Tourismus-Master in Destinationsmanagement trotz Schwerpunkt viel Spielraum lasse: „Es ist nicht so, dass die Absolventen nur für Jobs in Destinationen geeignet sind.“

Ausgefallene Abschlüsse sind im Master erwünscht, auch in der Tourismusbranche. Studenten können sich so mit einzigartigen Qualifikationen von anderen Bewerbern abheben. So hält Studienberater Thorsten Schütz eine Spezialisierung im Master für „durchaus sinnvoll“, wenn man im Bachelor erste berufliche Erfahrungen und Kontakte zu möglichen Arbeitgebern geknüpft hat. Haben sich die Nachwuchstouristiker die grundlegenden Kenntnisse angeeignet, „wäre eine spätere Umorientierung in eine andere Tourismussparte sicherlich möglich, das Risiko der Spezialisierung also überschaubar“.

Tourismus-Master immer beliebter

Und doch warnt Roland Conrady vor zu exotischen Studiengängen im Tourismus: „Jeder sollte genau hinsehen, ob die Spezialisierung auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist“, betont der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft und Professor an der FH Worms. Und so regelt der Markt den Grad der Ausdifferenzierung der Fächer: Wenn ein Master-Programm keine Studenten anzieht, muss die Hochschule es umbauen oder einstellen. Grundsätzlich wird der Master unter Studenten wie auch Arbeitgebern immer beliebter. Zwar reicht auch ein Bachelor für den Jobeinstieg, doch die Studenten fühlen sich nicht richtig auf das Berufsleben vorbereitet und zweifeln an der Akzeptanz eines Bachelor-Abschlusses. Viele wollen direkt weiterlernen.

Unter Touristikstudenten schätzt Conrady die Fortsetzungsrate auf rund 50 Prozent, fächerübergreifend sind es noch mehr: Fast drei Viertel aller Bachelor-Absolventen hängen noch den Master dran, um ihre Berufschancen zu verbessern, belegt eine Studie des HIS-Instituts für Hochschulforschung. Zwei Drittel wollen sich mit dem Master spezialisieren und ihre Kenntnisse vertiefen. Im Verzeichnis vom Hochschulkompass sind aktuell 31 touristische Master-Studiengänge aufgelistet – mehr oder weniger auf den Tourismus spezialisiert. Bereits zum Wintersemester 2002/03 startete zum Beispiel an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde der Master-Studiengang über nachhaltigen Tourismus – mit 17 Studierenden. Heute stehen für diesen touristischen Master-Studiengang pro Semester 40 Studienplätze zur Verfügung. Kleiner ist der Master-Studiengang für Tourismus- und Destinationsmanagement an der Hochschule Harz mit 15 bis 20 Studienplätzen. Bis zu 100 Bewerbungen gehen für den Tourismus-Studiengang ein, immer mehr Interessenten kommen aus dem Ausland und von anderen Hochschulen. Ein reizvoller Mix, und doch zählt zu allererst die Qualität der Bewerber: „Man braucht schon sehr gute oder gute Bachelor-Noten, um ins Auswahlgespräch zu kommen“, sagt Professor Schreiber.

 
 
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