Positiv darstellen

Schönst du noch, oder lügst du schon?

Wir sollen uns im Job möglichst positiv darstellen. Dafür ist die eine oder andere Notlüge in Ordnung – beinharter Betrug nicht. Wir zeigen, wo die Grenzen sind.

von Anne Otto, 02.09.2011, 00:00 Uhr
Foto: Fotolia

Seien wir ehrlich: Beruflich geflunkert hat doch jeder schon mal! Zum Beispiel wenn der nervige Kunde von gestern wieder anruft. Sie sehen es am Display des Telefons. Und haben gerade so gar keine Lust ranzugehen! Da muss die Kollegin herhalten. Sie bitten sie, sich eine Ausrede einfallen zu lassen. Oder heben selbst ab und sagen der Nervensäge, dass sie leider gerade keine Zeit haben, weil Sie im Kundengespräch sind – was nicht stimmt. Gern geschummelt wird auch beim Vorstellungsgespräch: wenn ein Bewerber behauptet, er könne Spanisch sprechen, obwohl er gerade mal eine Tasse Kaffee bestellen kann. Sie haben so etwas noch nie gemacht? Dann sind Sie eine absolute Ausnahme im Berufsleben.

Dass ab und zu geschummelt und gelogen wird, hängt damit zusammen, dass der Druck im Job wächst. Auch die Konkurrenz schläft ja bekanntlich nicht. Und es liegt daran, dass heute von jedem stets eine positive Selbstdarstellung verlangt wird. „In allen Bewerbungs- und Jobratgebern wird empfohlen, sich so gut wie möglich zu präsentieren“, erklärt Alexander Dumschat von der Beratungsfirma Schanze Consulting.

Der Bewerbungscoach hat in seinen Trainings oft festgestellt: „Es ist ein schmaler Grat zwischen positiver Selbstdarstellung und Lüge.“ Wie weit man gehen kann, ist manchem dabei offensichtlich nicht so klar, weiß Detektiv Manfred Lotze von der Düsseldorfer Detektei Kocks. Er hat im Auftrag von Unternehmen in den letzten Jahren etwa 5000 Bewerbungen geprüft. Bei einem Drittel der Unterlagen wurde nicht nur getrickst, sondern auch gelogen – zum Teil wurden sogar Urkunden gefälscht. Lotze: „Wir schätzen, dass ein Viertel der Mitarbeiter ehrlich ist, ein anderes Viertel unehrlich.“ Und etwa 50 Prozent schwindeln, wenn sich die Gelegenheit bietet, meint er.

„In gewisser Weise ist es in wichtigen Bewerbungssituationen unerlässlich, ein bisschen zu schönen“, sagt Personalberater Dumschat. Dabei gehe es nicht um Vorspiegelung falscher Tatsachen. Es sei durchaus clever, ein Bewerbungsgespräch beispielsweise gezielt auf die eigenen Fähigkeiten zu lenken. Geht es also um Fremdsprachen, die man nicht beherrscht – warum sollte man das Thema nicht auf Computer lenken, wo man sich perfekt auskennt? Wichtig dabei: immer genau zu wissen, was nichts mehr mit positivem Selbstmarketing zu tun hat. Denn Lügen fliegen schnell auf. Ehrlich währt eben immer noch am längsten.

Alles was beim Bewerben recht ist

Foto: Fotolia

Wer sich bewirbt, trommelt in eigener Sache. Gute Werbestrategie dabei: Stärken hervorheben und Schwächen – die gibt’s natürlich nicht. So weit, so gut. Aber einige Reiseverkäufer vergessen vor lauter Schönen, dass manches rechtlich problematisch werden kann. Denn: Vor dem Gesetz sind manche Lügen Betrug, andere nicht. Hier eine Übersicht über Tricksereien in Bewerbungen.

Qualifikation: „Ich spreche perfekt Englisch“ ist schnell gesagt im Bewerbungsgespräch. Vorsicht vor solchem Blendwerk, wenn Sie kein Englisch können! Der Grund: Falsche Angaben über Qualifikationen sind ein Kündigungsgrund. Und zwar immer dann, wenn wie in diesem Fall Englisch eine der Hauptqualifikationen für den Job war. Ist das nicht so, hängt’s vom Wohlwollen Ihres Chefs ab, wenn er später merkt, was Sache ist. Lassen Sie es also lieber!

Lebenslauf: Sie brauchten eine Auszeit oder haben versucht, sich selbstständig zu machen – aber das scheiterte. Klar, dass keiner gern in der Bewerbung schreibt, dass er sich auf die faule Haut gelegt oder versagt hat. Also kaschieren einige eine Lücke im Lebenslauf. Oft muss dann ein fiktives Praktikum in der fraglichen Zeit dafür herhalten. – Auch hier gilt: Wenn es nicht die Qualifikation dieses Praktikums ist, die Ihnen die Stelle verschafft, ist es rechtlich kein Beinbruch. Dreist gelogen haben Sie trotzdem – auch noch schriftlich.

Talente: Sie preisen im Einstellungsgespräch Ihre Kommunikationsfähigkeit und Ihr Verkaufstalent in höchsten Tönen, obwohl Sie beides nur in Maßen besitzen. – Vielleicht kommen Sie sich dabei ja sogar komisch vor. Aber: Klappern gehört nun mal zum Geschäft. Man erwartet sogar von Ihnen, dass Sie ein bisschen für sich werben.

Hobbys: Sie geben als Hobby in der Bewerbung Golf an, obwohl Sie denken, Golf sei etwas für alte Herren, die gern spazieren gehen. Rein rechtlich kann man Ihnen hier nichts anhaben. Es kann nur sehr peinlich werden, wenn Ihr Gesprächspartner Golf-Fan ist und Sie mit Insider-Fragen in ein Gespräch verwickeln will. Also: Prahlen Sie besser nicht mit Dingen, in denen Sie sich überhaupt nicht auskennen!

Urkunden: Hoppla, wie kommt denn die Null dahin? Bei einem Zertifikat über einen fünfstündigen PC-Kurs haben Sie aus der 5 eine 50 gemacht. Vorsicht bei solchen Tricks wie auch bei einer Notenänderung im Zeugnis. Damit bewegen Sie sich im Bereich der Urkundenfälschung und können angezeigt werden. Kommt es vors Gericht, können eine Geldstrafe und ein Eintrag ins Führungszeugnis auf Sie zukommen. Generell gilt: niemals an Dokumenten manipulieren!

Schummeln oder lügen – der feine Unterschied

• Souveräner Auftritt für Frauen. Do’s an Dont’s für die clevere Selbst-PR. Von Karin Rück, Verlag Redline Wirtschaft (Februar 2007), 7,90 Euro.

• 30 Minuten für gelungene Selbst-PR. Von Stéphane Etrillard, Gabal Verlag (2006), 6,50 Euro.

• Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. Von Erwin Goffman, Verlag Piper (2003), 8,95 Euro.

• Lügen ist Chefsache. Das kleine Buch der Bürolügen. Von Bruce T. Smith, Laura Goecke Burns, Michael Burns, Lappan (2002), 5,95 Euro.

Es gibt Abstufungen der Unwahrheit – das gilt natürlich auch für die Arbeit im Reisebüro. TravelTalk zeigt Ihnen anhand von Beispielen aus dem Alltag unterschiedliche Arten: von ehrlich übers Schönreden und Schummeln bis hin zum Lügen.

Beim Bewerbungsgespräch
Sie haben nicht besonders viel Ahnung von Computern. Der künftige Chef in der Agentur fragt Sie, ob Sie Spezialkenntnisse besitzen und für ihn eine kleine Kundendatenbank aufbauen können.

• Ehrlich sein: Nein, das kann ich nicht, Computer sind bisher nicht mein Spezialgebiet. Ich bin dafür ein sehr guter Verkäufer.
• Schönreden: Die Datenbanken hat bei meiner letzten Arbeitsstelle immer ein anderer Kollege betreut.
• Schummeln: Also, ich bin natürlich schon versiert im alltäglichen Umgang mit Computern. Ich könnte mich in die Materie einarbeiten.
• Lügen: Ja, natürlich kann ich diese Aufgabe übernehmen. Mit PCs kenne ich mich hervorragend aus.

Konkurrenz mit Kollegen
Es geht um Orte, die man schon bereist hat. Das Gespräch kommt auf die Insel Teneriffa, auf der Sie noch nie waren. Im Reisebüro sind aber alle wirklich weit gereist, und Sie wollen mithalten.

• Ehrlich sein: Also, ich war noch niemals auf den Kanarischen Inseln. Aber ich würde dort wirklich gern mal hinfahren, um mein Fachwissen auszubauen.
• Schönreden: Teneriffa, ja, stimmt. Wenn auf dem Pico del Teide Schnee liegt, ist das sehr malerisch.
• Schummeln: Doch, ich war auch schon mal auf Teneriffa, ist aber so lange her, dass ich mich nicht mehr daran erinnere.
• Lügen: Herrlich, diese Strände im Süden. Ich bin ein absoluter Fan der Kanarischen Inseln.

Bei alltäglichen Aufgaben
Sie sollten zwei Kunden wegen einer Buchung zurückrufen, haben es aber in der Hektik nicht geschafft. Jetzt fragt der Chef nach.

• Ehrlich sein: Tut mir Leid, heute war einfach zu viel los. Ich habe es nicht geschafft anzurufen.
• Schönreden: Oh! Gleich morgen früh mache ich das. Versprochen.
• Schummeln: Ich habe mehrfach angerufen. Es ging keiner dran.
• Lügen: Doch, ich habe mit den Kunden gesprochen, sie haben sich aber beide noch nicht entschieden. Ich rufe morgen wieder an.

Gegenüber Kunden
In einem Katalog haben sich Kunden ein Hotel auf Mallorca ausgesucht. Sie waren noch nicht in dieser Anlage. Jetzt fragt das Paar nach, will wissen, wie es dort ist.

• Ehrlich sein: Ich kenne das Haus nicht. Ich kann aber gern mal meine Kollegin fragen.
• Schönreden: Bei diesem Anbieter sind die Hotels eigentlich immer in Ordnung.
• Schummeln: Also, der Ort ist traumhaft. Ich kann Ihnen das Reiseziel empfehlen.
• Lügen: Ein traumhaftes Hotel! Sie haben eine gute Wahl getroffen.

In der Kaffeepause
Es geht Ihnen nicht gut, denn Sie hatten Streit mit ihrem Partner, möchten aber nicht darüber reden. Jetzt fragt die Kollegin nach: Wie geht es dir?

• Ehrlich sein: Ich bin heute einfach nicht so gut gelaunt, habe aber keine Lust, darüber zu sprechen.
• Schönreden: Heute ist nicht mein Tag. Ich bin mit dem falschen Bein aufgestanden.
• Schummeln: Doch, ganz gut. Und Dir?
• Lügen: Prima. Wirklich, ja, mir geht es doch immer gut.

0

Aktuelle Jobs und Stellenangebote, ob im Reisebüro, bei Reiseveranstaltern oder im Business Travel – hier finden Sie den Job der wirklich zu Ihnen passt. zu den Touristikjobs

 
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten