Mitarbeitergespräch

Reden statt Rituale

Für viele steht es zum Jahresende wieder an: das Mitarbeitergespräch. Gilt es für viele als unverzichtbar, suchen immer mehr Firmen neue Wege.

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von Evelyn Sander, 13.10.2016, 09:10 Uhr
Foto: Thinkstock

Einmal im Jahr ist es so weit: Das Mitarbeitergespräch steht an. Unter Führungskräften wie Mitarbeitern herrscht darüber oft wenig Vorfreude. Jahresgespräche gelten als aufwändig, anstrengend und manchmal unangenehm. „Seit einigen Jahren gibt es bei Unternehmen den Trend, ganz darauf zu verzichten“, sagt Armin Trost, Professor von der Hochschule Furtwangen.

Was eigentlich motivieren soll, ist umstritten: 55 Prozent der Beschäftigten empfinden die Beurteilungen ihres Vorgesetzten als willkürlich, und 61 Prozent glauben, dass ihre Vorgesetzten die Gespräche als lästiges Pflichtprogramm betrachteten, so eine Umfrage des Assessment-Spezialisten Metaberatung. Eine weitere Schwäche ist die fehlende Verbindlichkeit: 47 Prozent der Beschäftigten hätten die Erfahrung gemacht, dass Personalgespräche zu nichts führen.

Trotz Kritik wollen die meisten Kollegen nicht auf diese Feedback-Gespräche verzichten: 58 Prozent der Arbeitnehmer finden es wichtig, regelmäßig mit Vorgesetzten Beurteilungsgespräche zu führen.

Die Frage ist nur: wie? Gegen Gespräche zwischen Chefs und Mitarbeitern hat auch Armin Trost nichts, obwohl er ganz klar fordert: „Schluss mit diesen Mitarbeitergesprächen!“ Der Psychologe und Professor für Personalmanagement wertet die Termine als „krampfhafte Konversationen“. Durch die Vorgaben der Personalabteilungen bekämen die unfreiwilligen Gespräche einen „Kindergartencharakter“ – man redet, weil die Personalabteilung das so will.

Unternehmen nennen das auch gern Feedback-Gespräch. „Das klingt so schön flauschig, dabei steht neben Feedback meist die Leistungsbeurteilung im Vordergrund“, sagt Trost. In dieser Doppelfunktion sei Offenheit und Vertrauen jedoch gar nicht möglich. Für den Mitarbeiter wird aus dem Gespräch eine Verhandlung. Sie werden versuchen, sich gut zu verkaufen, um bei Gehalt oder Beförderung zu punkten.

Außerdem: Verordnete Gespräche, so Trost, passten nicht zu modernen Arbeitsformen. Viele Führungskräfte sähen sich heute weniger als Boss, sondern mehr als Teil des Teams. „Für sie ist es unglaublich schwer, einen Mitarbeiter als Richter formal zu beurteilen“, weiß der Psychologe. Die Folge: Sie wollen die Beziehung nicht gefährden, und in der Personalabteilung stapeln sich dann inflationär viele positive Bewertungen.

 
 
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