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Auch Gründerberater Gerhard Au von Touristik-fit ermuntert immer wieder Gründer, die Ärmel hochzukrempeln. „Es gibt sie noch, diese Macher“, freut sich Au, der sich immer wieder wundert, welche Marktnischen die Existenzgründer ausbuddeln. Die meisten Touristiker, die er berät, versuchen sich als Spezial-Veranstalter, organisieren individuelle Touren in Kleingruppen oder Spezial-Sportreisen.
Aber auch viele Quereinsteiger landen mit neuen Ideen im touristischen Dunstkreis: Bei Rent-a-Bulli kann man sich einen Camper „wie früher“ ausleihen, die Agentur Granny Aupair vermittelt ältere Frauen weltweit in Gastfamilien, im Ruhrgebiet kann man mit Lamas wandern, Scube Parks setzt Ferienhaus-Holzwürfel in Freibäder und in Holland gibt’s ein Scheidungshotel.

Viele Selbstständige nehmen dabei einen sanften Einstieg und bauen ihr neues Standbein nebenberuflich auf. Wenn’s nach drei oder fünf Jahren richtig läuft, satteln sie um. Au: „Für eine neue Firma braucht es nicht nur eine gute Idee, sondern auch Durchhaltevermögen und viel kaufmännisches Know-how.“ Zumal sich kleine Existenzgründer mit ihren Kreditwünschen bei den Banken häufig die Zähne ausbeißen. „Wer 50.000 Euro braucht, hat oft mehr Probleme als Großinvestoren, die fünf Millionen wollen“, kritisiert Au, der auch davor warnt, sich vom Klischee der hippen Start-ups blenden zu lassen. Die scheffeln ja schnell Millionen und hauen eine spektakuläre Geschäftsidee nach der anderen raus. In der Realität haben Gründer schon mal 16-Stunden-Tage und richtig reich werden die wenigsten. Dafür können Selbstständige ihre Ideen umsetzen, sich selbst verwirklichen. „Es macht einfach richtig viel Spaß“, findet Mike Zieseler. Er kam im Studium auf die Idee, sich selbstständig zu machen. In einem Seminar lernte er, wie man Businesspläne entwickelt. „Es war alles gar nicht so kompliziert, wie ich dachte.“

Hochschulen schaffen Gründungskultur

So versuchen immer mehr Hochschulen, Studenten für das Thema zu begeistern. Bereits Ende der 90er-Jahre startete die Initiative „Exist – Existenzgründungen aus der Wissenschaft“. Seitdem haben sich viele Hochschulen aufgemacht, eine Gründungskultur zu schaffen. Businesspläne und Soft Skills stehen immer öfter auf dem Lehrplan. Das Interesse unter den Studenten steigt, wenn auch auf niedrigem Niveau. Bei einer Umfrage unter Tourismus-Absolventen gaben 7,5 Prozent an, selbstständig zu sein. Branchenübergreifend haben 28 Prozent der Gründer einen Hochschulabschluss. Da ist noch viel Luft nach oben: Weniger als die Hälfte der Hochschulen haben einen Gründungslehrstuhl, nur jede vierte bietet konkrete Gründungsförderung an, so eine Stifterverbands-Befragung. In einem Hochschulranking wurden jetzt die besten Gründungshochschulen ausgezeichnet: Vorbildlich sind demnach die Hochschule München, die Leuphana Universität Lüneburg und die HHL Leipzig Graduate School of Management.

Einen besonderen Weg geht die Hochschule in Kempten: Marco A. Gardini will mit dem Master-Studiengang „Innovationen und Unternehmertum im Tourismus“ den Nachwuchs für das Thema begeistern. Die ersten Studenten sind in einigen Monaten fertig, einige haben schon konkrete Firmenpläne in der Schublade. „Ich möchte ein Hotel eröffnen“, erzählt Master-Studentin Manuela Aurich. Am liebsten ein Haus mit 60 Zimmern in Freiburg. „In der Hotelbranche kann man so vieles besser und anders machen“, findet die 30-Jährige. Den Businessplan hat sie fertig, jetzt will sie erst mal ein paar Jahre arbeiten, um zu sparen. Sie weiß, dass eine Firmengründung kein Zuckerschlecken wird. Und der richtige Typ muss man auch dafür sein. Coach Gerhard Au: „Existenzgründer müssen anpacken können.“ Für Manuela Aurich ist das kein großes Thema: „Ich habe bisher alles durchgezogen.“

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