Karriere

Wie sich Loyalität im Job auszahlt

Jung, flexibel und wenig loyal heißt es oft, wenn man von jungen Führungskräften spricht. Dabei geht’s auch anders: drei Beispiele für loyale Karrieren.

von Evelyn Sander, 24.04.2014, 09:44 Uhr
Erfahrungsaustausch unter jungen Führungskräften, die ihrem Unternehmen treu geblieben sind: Alexandra Ulm, Oliver Fuchs und Tatjana Hildago.
Foto: fvw/Heike Fritsch

„Was? Du bist immer noch da?“ Tatjana Hidalgo zuckt mit den Schultern, wenn sie das hört. Wa¨hrend andere schon zig Arbeitgeberwechsel hinter sich haben, bleibt die 37-Jährige gelassen. Sie ist immer noch bei FTI – seit knapp zehn Jahren. Es ist die erste Firma nach ihrem Studium. Aber langweilig? Da muss sie lachen: „Von wegen! Es geht ja immer weiter. Ich plane meine Karriere nur nicht nach erstens, zweitens, drittens.“ Von der Strategie, für die Karriere alle paar Jahre den Arbeitgeber zu wechseln, hält sie nichts. „Das ist doch ein Schmarrn!“, findet die Münchnerin. Entscheidend sei doch, dass man in einer Firma gefördert und gefordert werde.

Dass dies auch ohne Job-Hopping funktioniert, zeigen Nachwuchskräfte in der Touristik. Einige engagieren sich im Kreis der jungen Fu¨hrungskräfte des Deutschen Reise Verbands (DRV): So wie Tatjana Hidalgo halten auch Oliver Fuchs (DER) und Alexandra Ulm (Fraport) nichts vom schnellen Jobwechsel für die noch schnellere Karriere. Seit Jahren arbeiten sie für ein und dieselbe Firma. Arbeitgeber sehen solche Mitarbeiter natürlich gern. Wenn man Vorgesetzte fragt, worauf sie neben der Arbeitsleistung am meisten Wert legen, steht Loyalität an erster Stelle, so die Karriereberaterin Petra Begemann. Denn Jobwechsler kosten Geld, ihr Wissen und eventuell auch Kunden gehen verloren, neue Kollegen müssen gefunden und eingearbeitet werden.

Doch loyale Mitarbeiter müssen aufpassen: Sich zurückzulehnen ist keine gute Idee. „Jeder sollte flexibel bleiben, seine Qualifikation auf dem neuesten Stand halten und lebenslang lernen“, betont die Arbeitswissenschaftlerin Monika Küpper. So gewinne man eine innere Freiheit zu bleiben, wenn es gut ist, aber gewinne auch die Freiheit zu gehen, wenn es fu¨r die Karriere wichtig ist. Küpper: „Ein Mitarbeiter muss dafür sorgen, dass er in Bewegung bleiben kann.“

Dass sie beweglich und flexibel sind, stellen die drei Führungskräfte ständig unter Beweis. Stillstand ist nichts fu¨r sie – loyal hin oder her. Und natürlich haben sie auch Ansprüche an ihre Firma: Coaching, Weiterbildung und neue Perspektiven gehören dazu. Einen öden Routinejob will keiner. Und den müssen die drei Talente kaum fürchten. Fu¨r Tatjana Hidalgo ergeben sich durch das Wachstum von FTI ständig neue Chancen. Ihr Chef Richard Reindl unterstützt sie bereits von Anfang an. Auch Oliver Fuchs wurde gleich zu Beginn seiner Karriere vom Vorgesetzten gefördert und Alexandra Ulm absolviert gerade ein Schulungsprogramm fu¨r Führungskräfte.

Der enge Draht zum Chef kann auch für Konflikte sorgen. „Wenn man befördert wird und sich gut mit dem Chef versteht, wird’s zum Teil schwierig“, weiß der 38-jährige Fuchs. Man will netter Kollege sein, habe aber plötzlich einen anderen Status. Und gerade bei den ersten Karriereschritten freut sich nicht jeder Kollege mit – vor allem, wenn er vielleicht selbst gern den Posten gehabt hätte. Auch Hidalgo und Ulm kennen „fiese Seitenhiebe“, „Lästereien hinterm Rücken“, „Stutenbissigkeit“ und Kollegen, die plötzlich nicht mehr mit einem Mittagessen gehen wollen. Alle drei nutzten die Strategie „Augen zu und durch“ und zeigten mit ihrer Leistung, warum sie den Job bekommen haben. Fuchs: „Dann werden die kritischen Stimmen automatisch leiser.“

Auch sonst läuft nicht alles automatisch, nur weil man schon länger im Unternehmen ist. „Keiner sollte darauf warten, dass etwas von allein passiert“, betont Alexandra Ulm. Als die 40-Jährige mal unzufrieden war, forderte sie direkt neue Aufgaben, blieb hartnäckig und bekam sie dann auch. Hidalgo und Fuchs gehen ihre Karriere zwar nicht so systematisch an, Pläne haben sie aber schon. „Ich lasse eigentlich alles auf mich zukommen, will aber schon in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen“, so Fuchs. Allerdings nur, wenn sich Job und Privatleben vereinbaren lassen. An einen Firmenwechsel denkt keiner der drei. „Loyalität zahlt sich aus“, findet Fuchs. Wenn man interne Abläufe und Kollegen jahrelang kennt, geht manches leichter. Man weiß, wie Kollegen ticken und wer nicht gleich um neun Uhr ansprechbar ist. „Gerade das Zwischenmenschliche läuft leichter und manches geht einfach schneller“, schmunzelt Hidalgo.

Nur eine Sache fürchtet Alexandra Ulm: „Ich will auf keinen Fall betriebsblind werden!“ Damit das nicht passiert, sucht sie den Austausch mit anderen, nutzt Networking auf Tagungen, guckt über den Tellerrand und achtet darauf, sich aktiv weiterzuentwickeln. Tatjana Hidalgo schmiedet keine konkreten Pläne. „Ich nehme, was kommt“, lacht sie. Und da kommt sicher noch einiges.

Alexandra Ulm
Karriere: BWL-Studium, seit 2002 bei Fraport, Einstieg im Beteiligungsmanagement, später Vertrieb, heute: Senior Manager Sales Vertrieb und Kundenbetreuung. Motto: Jeder sollte immer mal wieder raus aus seiner Komfortzone!

Oliver Fuchs
Karriere: Ausbildung im Reisebüro, Bu¨roleitung, 2001 Leitung der Pro Tours-Buchungszentrale, Übernahme Vertriebsleitung RCE, heute: Vertriebsreporting/Provisionssteuerung beim DER Touristik Partner-Service. Motto: Ich lasse Herausforderungen einfach auf mich zukommen.

Tatjana Hildago
Karriere: Ausbildung im Reisebüro, BWL-Studium, 2004 Einstieg bei FTI in Mu¨nchen, zunächst Key Account, diverse Leitungspositionen, heute: Head of Sales. Motto: Immer dranbleiben und neue Perspektiven nutzen.

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