Karriere-Tipps

So meistern Sie die Probezeit

Mit dem Arbeitsvertrag kommt die Bewährungsprobe. Nicht nur die neuen Aufgaben stellen eine Herausforderung dar. Auch im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten gilt es zu überzeugen. Hier kommen hilfreiche Strategien.

20.03.2014, 14:17 Uhr
Foto: Shutterstock

Eben noch im Praktikum war alles ganz easy. Der Chef nervte zwar mit seinen Geschichten vom Fußballplatz, und die nette Kollegin schob ständig lästige Arbeiten rüber. Doch das war halb so schlimm; das Ende des Praktikums war ja absehbar. In der Probezeit ist es plötzlich anders. Warum? „Der Neue kommt in ein soziales Gefüge am Arbeitsplatz hinein und muss sich aktiv einleben“, sagt Karriereberater Christian Püttjer (www. karriereakademie.de). Das Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten steht genauso wie die Qualität der eigenen Arbeit auf dem Prüfstand.

Beobachten statt urteilen

Eine Gefahr besteht darin, sich vereinnahmen zu lassen. Zum Beispiel, indem man sich zu schnell auf die Seite einzelner Kollegen oder des Chefs schlägt. „So gerät man möglicher- weise in Grabenkämpfe, aus denen man nicht mehr herauskommt“, warnt der Trainer und Buchautor („Erfolgreich in der Probezeit“, Campus). Püttjer empfiehlt deshalb, erst einmal gelassen zu beobachten, wie jeder Einzelne tickt.

Smalltalk-Themen ansprechen

Dabei geht es nicht nur um die individuelle Arbeitsmethodik, auch das Zwischenmensch- liche ist extrem wichtig. Am Montag direkt mit Gesprächen über Arbeitsthemen zu starten sei keine gute Idee. „Sie gewinnen eher Freunde, wenn Sie ein bisschen Bescheid wissen, wie ein bestimmtes Sportereignis gelaufen ist, oder nachfragen, wie denn der Zirkusbesuch mit den Kindern war“, sagt der Experte. Mit den entsprechenden Smalltalk-Themen lassen sich Gespräche auf der Beziehungsebene gestalten. Das sorgt für gute Stimmung. „Dazu müssen Sie aber wissen, worauf der Einzelne anspringt.“ Püttjer rät, zu jedem Kollegen und auch zum Chef eine Art Karteikarte anzulegen und Eigenarten zu notieren: Wie heißen die Kinder? Welche Hobbys hat er? Für welchen Sportclub schlägt sein Herz?

Strategien in der Probezeit

Anfänger

  • Auf die Arbeit konzentrieren.
  • Dem Chef Feedback geben.
  • Positiv reden.
  • Kollegen kennenlernen.
Fortgeschrittene
  • Zusätzlich Leute aus anderen Bereichen kennenlernen (in der Kantine, beim Betriebssport).
  • Sich – wenn Zeit bleibt – für Sonderaufgaben melden.

Gefälligkeiten vermeiden

Einsteiger lassen sich aber auch leicht von der Arbeit vereinnahmen. Weil sie nett sein wollen, übernehmen sie Aufgaben, die ihnen Kollegen zuschieben – und sind am Ende womöglich selbst überlastet. „In der Probezeit wird oft aus Nettigkeit vergessen, dass die Eigenleistung mehr zählt als die Teamleis- tung“, gibt der Karrierecoach zu bedenken. Ein neuer Mitarbeiter wird allein an seiner Leistung bei den Arbeitspflichten gemessen, die ihm auferlegt wurden. Um Gefälligkeitsdienste abzuwehren, kann sich der Neue immer darauf beziehen, sagt Püttjer: „Es tut mir leid, aber ich muss mich erst einmal um meine Aufgaben kümmern, die mir der Chef gegeben hat. Sobald ich Luft habe, helfe ich gern.“

Sich Tratsch und Klatsch entziehen

Der Verweis auf die eigene Probezeit kann auch dienlich sein, um sich Flurfunk, Tratsch und Klatsch elegant zu entziehen: „Oh ja, interessant, ich muss jetzt aber wieder an die Arbeit, ich stehe ja noch unter Beobachtung.“ Entscheidend ist, zu Kollegen und Vorgesetzten immer freundlich zu sein, sich auch Sprüche über andere gelassen anzuhören, aber nicht emotional einzusteigen. Allerdings dürfe man die Lästereien auch nicht als wertvolle Information ansehen. „Wenn Sie jemand mit Abteilungstratsch zutextet, kann es sein, dass er einfach nur eine Beziehung aufbauen möchte.“ Im deutschsprachigen Raum ist Negativkommu- nikation nämlich oft ein bevorzugter Smalltalk-Stil, sagt Püttjer. Das Schimpfen über den Vorgesetzten dürfe sich der Neue aber natürlich nicht zu eigen machen.

Positive Dinge ansprechen

Was besser ankommt: benennen, was gut läuft, und auch mal ein Lob in Statement-Form abgeben. „Danke, dass du mir das mal eben kurz erklärt hast.“ Kritik ist immer nur dem gegenüber angebracht, den sie tatsächlich ngeht. Wenn der PC spinnt oder Infos fehlen, kann der Neue seine Kritik sachlich formuliert an einen Kollegen richten: „Ich komme da gerade nicht weiter, mir fehlt noch die Info zum Katalogstart.“ In der Probezeit geht es aber auch darum, selbst Punkte zu sammeln. Problem: „Im Arbeitsalltag wird viel zu selten gelobt“, sagt Christian Püttjer. Obwohl Vorgesetzte umfassend Feedback geben sollen, tun sie es oft nur, wenn etwas nicht läuft, gibt der Berater zu bedenken.

Nicht zu dick auftragen

Um die eigene Leistung ins Gespräch zu bringen, sei es daher wichtig, selbst immer wieder positive, sachliche Statusberichte abzugeben: „Ach Chef, ich wollte nur kurz Bescheid geben, dass ich mit dem Bericht durch bin, die Präsentation ist dann morgen fertig.“ Ein schmaler Grat, denn auch hier gilt: Allzu viel ist ungesund. „Wer sich auffällig geriert nach dem Motto ,Hoppla, hier komm ich‘, steht schnell vor einer geschlossenen Front der Kollegen“, sagt Karrierecoach Püttjer. Der Neue sollte also nicht mit zu vielen eigenen Zielen starten. Denn: „Die nicht ausgesprochene Grunddimension in der Probezeit heißt Anpassung.“

Keine Aufgaben ablehnen

In die Bredouille geraten Einsteiger auch, wenn sich herausstellt, dass die offizielle Arbeitsbeschreibung nicht der Wirklichkeit entspricht. „Das kommt durchaus vor, eine Protesthaltung hilft aber nicht viel“, sagt der Fachmann. Aufgaben ablehnen ist ein No Go. Und die Tricks der Kollegen, um Arbeitslast loszuwerden, sind in der Probezeit tabu. Püttjer empfiehlt: Machen, was machbar ist. Aber auch rechtzeitig eine Rückmeldung geben, wenn Aufgaben nicht zu schaffen sind. Im schlimmsten Fall hilft jedoch nur noch die Reißleine. „In den ersten sechs bis acht Wochen merkt man das“, weiß der Coach. Dann heißt es: nicht abwarten, Arbeitseinsatz reduzieren und wieder rein in die Bewerbung.

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