Karriere

Studienabbrecher starten durch

Ein Studienabbruch muss keinen Karriereknick bedeuten. In touristischen Unternehmen sind soziale Kompetenz und Reife gefragt.

von Nadine Wiesenthal, 06.01.2015, 10:00 Uhr
Wer zum Beispiel ein Jahr Work and Travel gemacht hat, kann viele wichtige Erfahrungen ins Berufsleben einbringen.
Foto: Shutterstock

Während des ersten Semesters ihres Studiums fiel Sonja Thode auf, dass in ihren Studienfächern, Religion und Ethnologie, vor allem über verstorbene Menschen gesprochen wird. Damit, dass der Tod eine so große Rolle in ihrem Lehrplan spielen würde, hatte sie jedoch nicht gerechnet. Als sie sich für das Studium entschied, war ihr Hauptanliegen, mit Menschen zu arbeiten – natürlich mit lebenden. Plötzlich wurde ihr klar, dass sie keine fünf Jahre warten wollte, bis auf die Theorie endlich die Praxis folgt. Sie entschied sich, das Studium an den Nagel zu hängen, und begann nahtlos eine Ausbildung bei Aktivreiseveranstalter Wikinger Reisen. Jetzt hat sie das Gefühl, genau das Richtige für sich gefunden zu haben.

Wie Sonja Thode geht es laut Statistik 30 Prozent der Studenten. Viele gehen allerdings im Gegensatz zu Sonja Thode erst lange mit der Entscheidung schwanger, dem Hörsaal endgültig den Rücken zu kehren. Niemand macht sich so einen Schritt leicht. Vielmehr fragen sich die Zweifelnden, ob dadurch vielleicht ein Bruch in ihrem Lebenslauf entsteht, den sie so schnell nicht wieder kitten können. Befürchtet werden nagende Fragen der Personaler im Vorstellungsgespräch. Die Abbrecher wollen nicht als wankelmütig wahrgenommen werden. Wikinger-Geschäftsführerin Dagmar Kimmel hält solche Ängste für unbegründet.

Im Gegenteil: Die Geschäftsführerin stellt mit Vorliebe Auszubildende ein, die eine Zeit im Ausland verbracht haben oder bereits ein Studium begonnen haben. Für Kimmel ist wichtig, dass ihre späteren Mitarbeiter eine gewisse Reife mitbringen und bereits wissen, was sie wollen. Wer schon einmal einen anderen Weg gegangen ist, schärft sein Bild von den eigenen Neigungen, Stärken und Schwächen. Zudem legt Kimmel Wert auf die soziale Kompetenz der Bewerber.

Herausfinden, wo die Neigungen liegen

Kimmel ist nicht die Einzige, die so denkt. Mit Studienabbrecher.de gibt es sogar ein eigenes Portal, auf dem Unternehmen ihre Stellenanzeigen gezielt an die vermeintlich Unentschlossenen richten. Laut Helmut Wachowiak, Professor und Head of Tourism Management der IUBH School of Business and Management, sind Abiturienten heute dank G8 (acht anstatt neun Jahre Gymnasium) noch sehr jung, wenn sie die Hochschulreife erreichen.

Viele kennen weder ihre eigenen Vorlieben, noch schaffen sie es, aus der Vielzahl der Ausbildungsangebote sofort das Richtige herauszufiltern. Nicht umsonst platzen die Hörsäle bei Studiengängen wie Betriebswirtschaftslehre (BWL) oder Jura aus allen Nähten. Nach dem Motto: Damit kann man alles machen. Wachowiak hört in Gesprächen mit Studenten, die mit ihrem Studium hadern, verschiedene Gründe für ihre Unzufriedenheit heraus. Im Fach Tourismusmanagement unterschätzten viele den Anteil von betriebswirtschaftlichen Inhalten, wie Rechnungswesen, Statistik oder Jura. Die Spezialisierung kommt erst nach einigen Semestern.

Andere Studenten entdecken wie Sonja Thode erst während des Studiums, dass ihnen das praktische Arbeiten mehr liegt als die theoretischen Kenntnisse aus den Lehrbüchern. Geschäftsführerin Kimmel rät dazu, frühzeitig die Reißleine zu ziehen, wenn es mit dem Studium nicht klappen will. „Wenn jemand mit Ende 20 schon drei oder vier Studiengänge abgebrochen hat, stellt sich für mich die Frage: Weiß derjenige, was er will, oder sollte er erst ein Praktikum absolvieren?“, so Kimmel. Die meisten Auszubildenden bei Wikinger Reisen beginnen mit Anfang bis Mitte 20 ihre Lehre. Sonja Thode ist mit ihren 25 Jahren seit Februar 2013 in dem Unternehmen. Ihre Entscheidung hat sie bislang keine Minute bereut.

0

Aktuelle Jobs und Stellenangebote, ob im Reisebüro, bei Reiseveranstaltern oder im Business Travel – hier finden Sie den Job der wirklich zu Ihnen passt. zu den Touristikjobs

 
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten