IHK

Wofür ist die Kammer gut?

Nicht nur Reisebüros sind „Pflichtmitglieder“ der Handelskammer. Ein Zwang, der seit Jahren umstritten ist. Dabei kann man die IHK auch für sich nutzen.

von Evelyn Sander, 15.01.2015, 09:25 Uhr
Foto: Imago

Die einen nehmen’s hin, andere sind dafür, und wieder andere kriegen die Krise: An der Pflichtmitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer (IHK) scheiden sich die Geister. Schon vor zwei Jahren hat der Kasseler Reisebüro-Leiter Kai Boeddinghaus Verfassungsbeschwerde gegen die IHK-Pflichtmitgliedschaft eingelegt. Ob sie angenommen wird, ist noch offen. „Wie das Ganze ausgeht, ist reine Kaffeesatzleserei“, so der Touristiker.

Nach einem umfassenden Anhörungsverfahren wertet der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts derzeit die Stellungnahmen aus. Schon jetzt freut sich Boeddinghaus, der auch Geschäftsführer des Bundesverbands für freie Kammern ist, über rege Diskussionen. „Dass ich in einer Demokratie zu einer Mitgliedschaft gezwungen werde, ist ein Widerspruch in sich.“ Noch dazu würden Beiträge für Luxusdienstwagen und überzogene Chefgehälter verschwendet. Auch die IHK-Angebote sieht er kritisch: „Als Reisebüro-Chef habe ich mit den Beratungen schlechte Erfahrungen gemacht.“

Ist die Schelte berechtigt? Was bieten die Kammern überhaupt? „Viele wissen gar nicht, was die IHK leisten“, sagt Ulrike Regele, Tourismusexpertin vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Berlin. Auch Ingo Dobbert, Chef von CTS-Gruppenreisen aus Lemgo, war zunächst skeptisch, heute engagiert er sich in Ausschüssen: „Wer die Möglichkeiten der IHK nutzt,kannvielfürsichherausholen.“

Immer weiterkommen

Aus-und Fortbildung sie sind zentrale Themen der IHK. Neben der Prüfung angehender Tourismuskaufleute werden Seminare für Ausbilder und Beratungen bei Problemen mit Azubis angeboten. Kostenfrei kann man sich zum Thema Weiterbildung beraten lassen: Welcher Kurs ist sinnvoll? Welche Institute bieten was an? An der IHK selbst kann man unter anderem Kurse zum Tourismusfachwirt absolvieren. Neben fachlicher Qualifikation gibt es auch funktionsgebundene Weiterbildungen, etwa im Personalmanagement. Zudem werden IHK-Zertifikatslehrgänge angeboten, die meist über ein Jahr berufsbegleitend laufen: Die Themen reichen vom Führungskräftetraining, E-Commerce im Tourismus, Projektmanagement bis hin zum Arbeitsrecht, Controlling und Online-Marketing. Die Konzepte sind in der Regel bundesweit einheitlich. Wenn man es „maßgeschneidert“ braucht, kann man auch firmeninterne Inhouse-Schulungen buchen. Neben diesen kostenpflichtigen Angeboten gibt es zahlreiche Informationsveranstaltungen, die in der Regel kostenfrei sind. Dazu zählen Vorträge über Mindestlohn, Unternehmensnachfolge oder Rechtsfragen.

Networking unter Kollegen

Austausch In IHK-Gremien, bei Branchentreffs oder Stammtischen können Unternehmer viele Kontakte knüpfen und dabei auch mal über den Tellerrand schauen. Man tauscht Erfahrungen aus, rekrutiert Geschäfte oder sucht potenzielle Firmennachfolger. „Interessant ist immer der Mix aus großen und kleinen Firmen“, weiß DIHK-Tourismusexpertin Ulrike Regele. Mitunter stehen auch Vorträge an, die IHK Stuttgart bietet zum Beispiel für Jungunternehmer die Netzwerk-Reihe „Young Business Network“ an – eine Kombination aus Fachbeiträgen und Erfahrungsaustausch. Dabei geht das Networking auch über die Landesgrenzen hinaus: „Auf Delegationsreisen können Unternehmer internationale Geschäfte aufbauen“, so Regele. Dazu vermittle man zwischen deutschen Firmen und weltweit 130 Auslandshandelskammern. Als Mittler ist die IHK auch in der Politik aktiv: Zum Thema Gewerbesteuer konnte Ingo Dobbert, Chef von CTS-Reisen, seinen Ärger im Finanzministerium Düsseldorf loswerden. „Wir haben mit dem zuständigen Staatssekretär Rüdiger Messal diskutiert.“ Allein hätte er so eine Chance wohl nicht bekommen.

Alles, was recht ist

Schlichtungsstelle Gibt es Streit, zum Beispiel bei einer Hotelklassifizierung, kann man die Schlichtungsstelle der IHK nutzen. Auch bei einer Abmahnung, die man für ungerechtfertigt hält, kann man sich kostenfrei beraten lassen. „Dabei geht es nur um eine erste rechtliche Einschätzung, die IHKs dürfen keine umfassende Rechtsberatung anbieten“, erklärt DIHK-Tourismusexpertin Regele. Im Notfall, wenn die Existenz bedroht ist, hilft die IHK in Kooperation mit der KfW-Mittelstandsbank. Daneben gibt es auch Steuerexperten: „Als Veranstalter habe ich manchmal sehr spezielle Steuerfragen, die ich so schnell loswerden kann“, sagt Ingo Dobbert, Chef von CTS-Reisen. Daneben gibt die IHK Tipps rund um Geschenke oder Incentives, und was Firmen steuerlich beachten müssen, wenn sie Mitarbeiter belohnen.

Finden und binden

Mitarbeiter Sie zu finden und zu binden ist gerade für kleinere Unternehmen ein großes Thema. Besonders gesucht sind Mitarbeiter mit dualer Berufsausbildung. „Das Thema Mitarbeiter finden und halten ist sehr gefragt“, sagt Regele vom DIHK. So bietet die IHK Vorträge und Workshops rund um Mitarbeitergewinnung und -motivation mit Tipps für Social Media, Pressearbeit und den Aufbau einer Arbeitgebermarke (Employer Branding). Es gibt Ratgeber für familienfreundliches oder altersgerechtes Arbeiten. Um mehr Jugendliche für die Lehre zu gewinnen, organisiert man den IHK-Aktionstag Handel und Tourismus. Zudem startet die IHK Darmstadt ein Azubi-Speed-Dating und hat an knapp 40 Schulen Zukunftswerkstätten eröffnet, in denen sich Firmen präsentieren können. Die IHK Schwaben gründete im Rahmen einer Qualitätsoffensive den Azubiclub „Die Servicehelden“, um dem Nachwuchs mehr Wertschätzung zu geben.

Das eigene Ding

Existenzgründer Hier will die IHK einen Rundum-Service bieten. Es gibt Einstiegsinformationen zur Selbstständigkeit sowie persönliche Beratungen zum Geschäftskonzept, zur Markteinschätzung und zur Standortwahl. Die IHK bietet Sprechtage mit Banken und Sparkassen sowie Stellungnahmen zu Förderanträgen an. „Die IHK beraten auch über die Wahl der Unternehmensform und geben Tipps, wo und wie man staatliche Fördermittel bekommt“, erklärt DIHK-Tourismusexpertin Regele. Antworten gibt es auf Fragen zur Gewerbeanmeldung, zu Kosten und rechtlichen Folgen. Online gibt’s Tipps unter www.nexxt-change.org oder ihk-mentor.de. Um Geschäftskontakte zu knüpfen kann man neben den IHK-Veranstaltungen oder Stammtische auch die Online-Kontaktbörse nutzen – zu finden unter www.kooperationsboerse.ihk.de

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