Expis als Quereinsteiger

Auf Umwegen an den Counter

Erst Schule, dann Ausbildung und schließlich die Festanstellung – lange war das der gängige Werdegang von Reiseverkäufern. Heute kommen viele Expis auch auf anderen Wegen ins Reisebüro. Wie man sich als ehemalige Flugbegleiterin am Counter zurechtfindet und was die Arbeit in einer Autowerkstatt mit dem Job im Reisebüro gemein hat – wir stellen Kollegen vor, die den Quereinstieg ins Reisebüro gemeistert haben.

von Britta Winkgens, 17.11.2015, 09:06 Uhr
Ans berufliche Ziel gelangt man nicht immer nur auf dem direkten Weg.
Foto: Thinkstock

Mache ich den Job, den ich immer machen wollte? Gehe ich in meinem Beruf voll auf? Wer sich diese Fragen schon einmal gestellt hat, gehört eventuell zu den 92 Prozent der Deutschen, die laut einer Umfrage des Jobportals Monster nicht ihrem Traumberuf nachgehen. Auch Christin Laabs, Expi beim Anklamer Reiseservice in Anklam, haben vor einigen Jahren solche Fragen beschäftigt. Die 27-Jährige war damals als Flugbegleiterin tätig. „Ich wollte schon immer viel von der Welt sehen, habe mich aufgrund meiner privaten Situation jedoch nach geregelten Arbeitszeiten gesehnt“, sagt sie. Auch ihr vorheriger Job als Hotelfachfrau ließ einen „nine-to-five“-Arbeitsalltag nicht zu. Also nahm sie kurzerhand eine Stelle auf Stundenbasis im Reisebüro an.

Wer Zweifel am eigenen Job hegt, sollte sich laut Diplom-Psychologin Ina Velke ehrlich fragen, wie zufrieden er auf einer gefühlten Zehner-Messskala ist. „Bei durchschnittlich fünf oder weniger sollte man etwas unternehmen“, rät die Beraterin, die Menschen in beruflichen Neuorientierungsphasen coacht. Eine wichtige Frage die man sich vor dem Berufswechsel stellen sollte: Was hat mir in der Vergangenheit besonders viel Freude bereitet?

Wissen aus dem bisherigen Job nutzen

Bei Christin Laabs war das ganz klar alles rund um Geografie und Reisen. Sie ist überzeugt, dass man sich als Quereinsteiger hinter ausgebildeten Reiseverkehrskaufleuten nicht verstecken muss: „Wenn man den Willen und das Interesse am Job hat, funktioniert der Neueinstieg.“ Sie konnte am Counter auch schon mehrfach von ihrer vorherigen Arbeit als Flugbegleiterin profitieren: „Kunden, die noch nicht so oft geflogen sind, kann ich durch meine Erfahrung die Angst nehmen. Auch mit den Qualitätsstandards in Hotels kenne ich mich dank meiner Ausbildung aus“, sagt sie.

Profitieren vom bisherigen Job konnte auch Nadja Strohmann aus Wilhelmshaven – obwohl die Arbeit in einer Autowerkstatt auf den ersten Blick wenig mit ihrem neuen Job am Counter gemein hatte. Nachdem ihre Schwiegermutter plötzlich verstarb, übernahm sie vor rund vier Jahren das Alltours Reisebüro Strohmann, das die Schwiegermutter 20 Jahre lang geführt hatte. Zuvor hatte Nadja Strohmann mit ihrem Mann zusammen in der eigenen Kfz-Werkstatt gearbeitet. In ihrer neuen Rolle als Reisebüro-Chefin konnte sie deshalb aus den Erfahrungen mit der Selbstständigkeit schöpfen. „Auch im Umgang mit Kunden bin ich durch unsere Werkstatt geübt. Trotzdem war ich am Anfang völlig erschlagen von der neuen Arbeit, vor allem von den Buchungssystemen“, erzählt sie.

Ihr Glück: sie konnte auf die Unterstützung zweier Reiseverkäufer zurückgreifen, die zuvor jahrelang für ihre Schwiegermutter gearbeitet hatten. „Ohne sie wäre es nicht gegangen“, sagt Nadja und betont, wie wichtig es ist, ein Team zu haben, das hinter einem steht. „Vertrauen ist das A und O“.

Kunden reagieren positiv

Den Kunden gegenüber habe sie immer mit offenen Karten gespielt. „Ich habe ehrlich gesagt, wenn ich irgendwo nicht weitergekommen bin, und Kollegen um Rat fragen musste.“ Zeitweise habe sie sich wieder wie eine Schülerin gefühlt, aber gemerkt, dass vieles nicht mehr so schnell geht, wie noch zu Schulzeiten. „Man muss Geduld mit sich selbst haben.“ Die Kunden jedenfalls haben sie gut aufgenommen, sagt Nadja Strohmann.

Auch Christin Laabs hat bisher keine negativen Erfahrungen mit Kunden oder Kollegen gemacht. Sie ist mittlerweile seit 2009 als Expi im Reisebüro tätig und schmeißt seit 2011 sogar alleine das Reisebüro Anklamer Reiseservice in Anklam. „Quereinsteiger sind meistens sehr motiviert, bringen einen frischen, innovativen Blick mit, und können Prozesse, die sich eingeschliffen haben, auch mal hinterfragen“, sagt Job-Beraterin Velke.

Neben Motivation und Interesse spielt aber natürlich auch das Fachwissen eine wichtige Rolle. Nadja Strohmann hat nebenbei viele Online-Schulungen absolviert und an Zielgebietsschulungen teilgenommen. Christin Laabs macht etwa in ihrem Urlaub Info-Reisen, um sich weiterzubilden. „Man muss offen und neugierig sein, dann ist man auch als Quereinsteiger auf einem guten Weg“, sagt Nadja.

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