Burnout

Wie Führungskräfte gegensteuern

Aus den Schlagzeilen ist der Burnout fast verschwunden. Alles gut? Im Gegenteil: Belastung, Frust und Fehltage steigen. Wie Chefs gegensteuern können.

von Evelyn Sander, 26.07.2016, 15:09 Uhr
Foto: Shutterstock

Die neue Balance zwischen Privatleben und Job tut ihr gut. Diese zu finden ist angesichts der Immer-mehr-und-schneller-Jobs nicht gerade einfach. Dabei ist Stress an sich nicht grundsätzlich negativ. „Er kann gesundheits- und leistungsfördernd sein“, sagt der Arbeitspsychologe Tim Hagemann. Es sei eine Frage der Dosis: Nach Stressphasen braucht man Erholungsphasen. Doch in der Realität ist eher Dauerstress angesagt. Acht von zehn Mitarbeitern leiden unter belastenden Arbeitsbedingungen wie Termindruck, Multitasking und Informationsflut, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Daneben klagen 42 Prozent der Mitarbeiter über steigenden Druck, 18 Prozent stoßen oft an ihre persönlichen Grenzen, so die Bertelsmann Stiftung. Experten schlagen längst Alarm, denn zu viel Stress macht krank. Schon heute gehen zehn Prozent aller Krankmeldungen auf psychische Krisen zurück.

Digitalisierung steigert den Stresslevel

Verschärft wird der Stress durch die Digitalisierung, die die Grenzen zwischen Job und Privatleben verwischt. Man ist ständig erreichbar, nach Feierabend, am Wochenende, im Urlaub. Und wenn im Unternehmen ein Klima der Überbelastung herrscht, fällt es dem Einzelnen schwer, sich abzugrenzen oder Nein zu sagen.

Dennoch lassen sich Burnout oder Depressionen nicht allein mit hoher Arbeitsdichte erklären. „Top-Manager und Selbstständige arbeiten sehr viel und haben trotzdem seltener Burnout“, weiß Hagemann. Entscheidend sei, wie man selbst den Job empfindet. Studien zeigen unter anderem, dass Angestellte und Arbeiter oft gestresst sind. „Ihnen fehlt dann die Wertschätzung, sie haben das Gefühl, sich abzustrampeln und wenig zu erreichen“, so der Arbeitspsychologe.

Um die Beschäftigten fit zu halten, winken Arbeitgeber mit Gesundheitsprogrammen und flexiblen Arbeitszeitmodelle. Doch es geht um viel mehr: Entscheidend für belastenden Stress ist die Unternehmenskultur. Viele Stressfaktoren wie Termin- und Leistungsdruck, Multitasking, Unterbrechungen im Job und fehlende Anerkennung sind hausgemacht.

„Mangelnde Wertschätzung und fehlende Spielräume gehören zu den größten Stressursachen“, beobachtet Burnout-Expertin Helen Heinemann. Ein Thema der Führungskultur. Sie rät zu regelmäßigen Gesprächen auf Augenhöhe. Ist der Mitarbeiter zufrieden? Was könnte man verbessern? Passt der Job zu seinen Stärken? Ganz oft seien zum Beispiel Abläufe nur auf Kunden ausgerichtet und nicht darauf, wie viel Stress das für die Kollegen bedeutet, so Heinemann.

Der Chef sollte ihm das Gefühl vermitteln, dass er dazugehört, dass sein Job einen Sinn hat. „Mitarbeiter brauchen Freiräume und müssen Verantwortung übernehmen können“, rät die Burnout-Expertin. Chefs müssen abgeben.

Dazu kann auch Alexandra Beital nur raten. Wollte sie früher immer alles selbst machen, gibt sie jetzt gern Verantwortung ab. Dafür braucht man nicht unbedingt ein Jahr Auszeit. „Schon ein Wochenende am Meer für sich allein hilft, sein Leben von einer anderen Perspektive zu sehen“, findet Beital. Sie hat ihre Arbeitszeit reduziert, startet morgens mit Yoga, und Nein sagen hat sie auch gelernt: „Ich weiß heute ganz genau, was ich nicht will.“

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