Anspruch auf Bildungsurlaub

Ungenutzte Chancen

In fast allen Bundesländern gibt es den Anspruch auf Bildungsurlaub. Genutzt wird er selten.

von Evelyn Sander, 22.01.2016, 14:19 Uhr
Der Antrag auf Bildungsurlaub lohnt sich
Foto: Thinkstock

Theoretisch kann man Bildungsurlaub in fast allen Bundesländern beantragen, praktisch wird der Anspruch auf Bildungsurlaub links liegen gelassen. Nur ein bis zwei Prozent der Beschäftigten beantragen Bildungsurlaub. Und das, obwohl in Umfragen oft zwei Drittel der Beschäftigten an Fortbildungen interessiert sind und auch Unternehmer gern betonen, wie wichtig lebenslanges Lernen ist.

Doch der Joballtag sieht anders aus: Beschäftigte stehen zunehmend unter Druck, Zeit und Energie für Weiterbildung bleiben auf der Strecke. Arbeitgeber schaffen eher ein Betriebsklima, in dem Bildungsurlaub kein Thema ist. „Gerade in kleineren Betrieben findet eher eine Anti-Werbung statt“, kritisiert Andreas Michelbrink, Chef der Gewerkschaftspolitischen Bildung (GPB) bei Verdi. Wer den Antrag auf Bildungsurlaub stellt, bekomme schon mal zu hören, dass man ja auch ein Buch lesen könne.

Eine weitere Ursache der verhaltenen Nachfrage nach Bildungsurlaub ist auch, dass sich Beschäftigte und Chefs mit Bildungsurlaub wenig auskennen. „Viele junge Kollegen wissen gar nicht, dass es den Anspruch gibt“, sagt Michelbrink. In den nächsten Monaten startet Verdi deshalb eine Werbekampagne (www.bildungsurlaub-machen.de).

Eine zentrale Forderung ist der Anspruch auf Bildungsurlaub in ganz Deutschland. Zwar gibt es seit Januar dieses Jahres auch in Thüringen und Baden-Württemberg den Anspruch auf Bildungsurlaub, in Bayern und Sachsen dagegen immer noch nicht. In den kommenden Wochen arbeite man an einer Beschwerde vor der Internationalen Arbeiter Organisation (ILO) gegen die Bundesrepublik Deutschland. Denn die internationale ILO-Konvention 140 schreibe die Einrichtung von Bildungsurlaub vor.

Wie der Bildungsurlaub dann konkret aussieht, ist Ländersache: Entsprechend unterschiedlich sind die Anforderungen für Teilnehmer, Dauer und mögliche Kurse. Sind zum Beispiel in Sachsen-Anhalt nur berufliche Kurse anerkannt, kann man sich in Niedersachsen auch politisch, allgemein oder kulturell weiterbilden. Entscheidend ist dabei der Arbeitsort, nicht der Wohnort. Ablehnen können Chefs den Antrag auf Bildungsurlaub immer, wenn zwingende betriebliche Belange dagegen sprechen.

In der Regel stehen Beschäftigten fünf Tage im Jahr für Bildungsurlaub zu. Auf den jeweiligen Länder-Websites findet man Angebote der anerkannten Bildungsträger, die von EDV-, Sprach- bis hin zu Yoga- oder Foto-Kursen reichen. Dabei übernimmt der Arbeitgeber die bezahlte Freistellung, Kurskosten zahlt der Teilnehmer.

Eine Investition, die sich auszahlt, davon ist GPD-Chef Michelbrink überzeugt. Demokratie funktioniere nur mit Menschen, die sich für ihre Interessen einsetzen – besonders angesichts der Digitalisierung, steigenden Anforderungen im Job und der aktuellen Probleme und Herausforderungen in der Gesellschaft. Michelbrink: „Wir brauchen in Deutschland eine echte Bildungskultur.“

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