Bewerbung

Tipps für die richtige Bewerbungsstrategie

Die richtige Bewerbungsstrategie und gute Ideen sind wichtiger denn je. Denn die Arbeitgeber haben große Auswahl. Wir sagen, worauf Bewerber achten müssen.

von Sylvia Buckl, 28.10.2011, 00:00 Uhr
Was soll in die Bewerbung rein? Sollten auch Hobbies und private Details erwähnt werden?
Foto: iStock Foto

Für sich selbst zu trommeln ist nicht jedermanns Sache. Aber genau das muss jeder können, der sich aus der Masse von Bewerbern herausheben will.

Birthe Schierenstedt hat mit Eigen- Marketing keine Probleme. Die Touristikerin mit Bachelor-Abschluss hatte schon vier Wochen nach der Kündigung durch ihren insolventen Exarbeitgeber wieder einen Vertrag in der Tasche. Ihr Schlüssel zum Erfolg: „Kompetent auftreten, sehr eigenständig, überzeugend. Man muss seine Qualifikationen herausstellen und das mit Beispielen belegen“, sagt sie. Die junge Frau hat nichts dem Zufall überlassen, bis sie ihre neue Stelle im Veranstaltungs-Marketing von Reiseland bekam. Für die 25 Bewerbungen, die sie bis dahin geschrieben hatte, „optimierte“ sie ihren Lebenslauf und stellte eine „Leistungsbilanz“ auf, in der sie besondere Projekte hervorhob. All das erzählt sie, als wäre es selbstverständlich. Zusätzlich achtete sie auf das Timing: Ihre Bewerbung sollte nicht mit allen anderen in den ersten drei Tagen eintreffen, besser etwas später.

Eine sehr gute Bewerbung ist keine Jobgarantie, aber ohne sie hat man kaum Chancen. Dabei hat sich vieles verändert: Schon die Mappen – ob elektronisch oder in Papierform – werden immer individueller, sagt Expertin und Autorin Anne Jacoby. „Personalchefs erwarten eine Art Selbstgutachten, das etwas über die Persönlichkeit verrät.“ Das gilt auch für E-Mail-Bewerbungen, die in der Reisebranche seit zwei Jahren zunehmend Verlangt werden. „Je weniger Papier, desto günstiger. Denn wir werden mit Papier zugeschüttet“, empfiehlt deshalb Christiane Radu, Personalentwicklerin und Recruiterin bei Rewe Touristik. „Das spart Porto, und ich kann die Bewerbung leicht weiterleiten und bearbeiten.“Aber Vorsicht! Das sehen nicht alle so. Wiebke Bachor zum Beispiel, Geschäftsführerin der Reisebüro Kette Reiseland, findet Online- Bewerbungen zu standardisiert. Man könne daran nichts ablesen. „Lieber per Post und auch initiativ bewerben, als in der E-Mail-Masse untergehen“, ist ihr Tipp. Im Zweifel sollte man vorher fragen, was bevorzugt wird.

Ebenso wichtig wie die Eigenwerbung ist es, sich intensiv mit dem möglichen neuen Arbeitgeber zu beschäftigen. Rewe-Personalerin Radu ist oft verwundert, wie wenig Bewerbern zum Unternehmen einfällt. Beeindruckt ist sie dagegen, wenn jemand das neue Logo bemerkt hat oder sich an einen Messe-Aufritt erinnert. Christiane Radu: „Wenn man jeden Tag Floskeln hört wie: Ich interessiere mich für Ihr Unternehmen, weil ich gern in einem internationalem Umfeld arbeite, dann freut man sich, wenn mal jemand authentisch ist.“

Profil und Initiative zeigen, das kommt nicht nur bei Touristik-Riesen an, sondern auch bei Büros. Reiseverkehrskauffrau Melanie Keil zum Beispiel hat 40 Reiseagenturen selbst besucht, bevor sie sich dort beworben hat. So etwas kann sehr gut ankommen. „Wenn einer sich gezielt ein Büro ausgesucht und angeschaut hat, das sticht hervor“, findet Wiebke Bachor. Diese Ansicht teilen ebenfalls viele Reisebüro- Chefs. Der Versuch, durch eine besonders originelle Bewerbung aufzufallen, geht dagegen meist daneben. „Ich rate von Mappen mit Sternchen und Hochglanz und anderem Schnickschnack ab. Das beeindruckt nicht“, sagt Personalerin Radu. „Alles, was aus dem Rahmen fällt, polarisiert“, warnt auch Bewerbungstrainerin Christine Öttl.

In jedem Fall ist es gut, sich Rat und Feedback von anderen zu holen,bevor eine Bewerbung auf Reise geht. Bei Birthe Schierenstedt war es die alte Chefin. Warum nicht? Sie ist Teil ihres sozialen Netzes. Networking überhaupt ein Faktor, der wichtiger geworden ist, damit Bewerber und Arbeitgeber zusammenkommen. Stellenan zeigen in Fachpublikationen – wie der fvw – sind zwar nach wie vor ein wichtiger Kanal für Angebote. Doch deutlich mehr suchen Firmen zurzeit auch über Online-Jobbörsen (www.fvw.de), die eigene Homepage und über ihr Networking. Weniger virtuelle Kontakte via Internet-Plattformund Websites wie Xing oder Facebook, vielmehr echte persönliche Kontakte. „Ein Netzwerk ist in der Touristik unabdingbar“, sagt Christiane Radu von Rewe. Wer kennt wen von einer Info-Reise oder einer Veranstaltung? Weiß man von jemandem, der den Job wechseln will? Solche Fragen geben Reisebüro- Chefs unisono gern in ihre Runde, wenn sie jemanden suchen.

Weniger Einigkeit herrscht, wie viel Privates zu einer Bewerbung gehört. Hier ist offenbar einiges im Fluss. Während zum Beispiel Karriere-Coach Svenja Hofert meint, der Familienstand gehe keinen etwas an, ist Reiseland-Chefin Wiebke Bachor das Privatleben eines Bewerbers wichtig. „Ein Kind zum Beispiel beeinflusst das Leben, und das spielt in den Job rein“, sagt sie. Und Hobbys seien dann interessant, wenn sie etwas mit Networking zu tun haben. Dahinter steckt etwa der Gedanke: Ist jemand im Verein, kann er Gruppenreisen gut verkaufen. Wenn überhaupt, sind private Dinge etwas für das Vorstellungsgespräch. Treuselige Ehrlichkeit ist aber auch dann nicht angesagt. Niemand muss wissen, wenn man noch an seiner Scheidung knabbert oder die pubertierende Tochter täglich Stress macht. Wenn man nach Persönlichem gefragt wird, sollte man knapp antworten: „Alles gut organisiert, alles prima“, rät Bewerbungstrainerin Martina Frisch.

Glaubt man Arbeitgebern, ist es in der Reisebranche nicht üblich, Namen von Bewerbern zu googeln oder ihr Profil auf Internetseiten zu suchen. Nur mal so aus Neugier werde das vereinzelt gemacht, heißt es. Sicher sollte man sich dessen als Bewerber aber nicht sein. Das Internet- Profil gehört deshalb – inoffiziell – zu einer Bewerbung dazu. Sicher ist jedoch: Wer einen Job finden oder Karriere machen will, muss offen sein – offen für andere Menschen und die Welt. Das lehrt kein Ratgeber. Rewe-Personalerin Radu nennt das den „Blick über den Tellerrand“. Und Wiebke Bachor wünscht sich, „dass jemand noch leuchtende Augen bekommt, wenn er vomReisen spricht“. Denn: „Nur wer selbst brennt, kann andere für die Idee entzünden.“ Und so vielleicht unter Hunderten von Bewerbern herausstechen.

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