Verlust von Lehrstühlen

Verbände kritisieren „Sterben der Tourismuswissenschaft“

Die touristischen Verbände beklagen in einem gemeinsamen Brief an den Wissenschaftsrat eine mangelnde Förderung der Forschung im Bereich Tourismus. Es gebe zu wenige entsprechende Studiengänge in Deutschland. Doch das Gremium sieht das anders.

17.10.2018, 07:18 Uhr
Tourismus ist als Teilbereich häufig in andere Studiengänge, wie Geografie und Betriebswirtschaftslehre, integriert.
Foto: Getty Images

Zwischen Reiseverbänden und dem Wissenschaftsrat herrscht Uneinigkeit über den Status touristischer Studiengänge an deutschen Hochschulen. In einem von den Verbänden ASR, BTW, Dehoga, DGT, DRV, DTV, DZT und RDA unterzeichneten Schreiben fordern die Verbandsvertreter den Wissenschaftsrat auf, dem Trend entgegenzuwirken, dass in Deutschland immer mehr tourismusbezogene Studiengänge gestrichen würden. Der Wissenschaftsrat berät Bund und Länder bei der Weiterentwicklung des Hochschulsystems.

Unter anderem heißt es in dem Brief: „Die Weichen in der Hochschullandschaft werden hier falsch gestellt. Angesichts der riesigen Herausforderungen im Tourismus wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und demografischer Wandel geht dadurch nicht nur Wissen verloren, sondern wandert hochqualifizierter Nachwuchs zunehmend ins Ausland ab und steht dem deutschen Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung.“ Anlass für das Schreiben war die Auflösung mehrerer Lehrstühle, zuletzt im April mit dem Tourismusmanagement an der Leuphana Universität Lüneburg. „Damit setzt sich der Trend des Sterbens der Tourismuswissenschaft an den deutschen Hochschulen fort“, heißt es.

Die allgemeine Kritik lautet, Bundesländer und Hochschulen würden sich kontinuierlich aus Forschung und Lehre im Tourismusbereich zurückziehen. Derzeit könne man Tourismus landesweit nur noch an vier staatlichen Hochschulen studieren, und dies auch nur im Rahmen eines Geografiestudiums. Aufgrund der hohen wirtschaftlichen Relevanz des Touristiksektors in Deutschland, die sich aus fast drei Millionen Beschäftigten und einer Wertschöpfung von über eine Milliarde Euro ergebe, sei die Tourismusforschung von eklatanter Bedeutung, so die Verbände.

Wissenschaftsrat sieht Tourismus nicht als eigenständiges Fach an

Der Generalsekretär des Wissenschaftsrats, Thomas May, teilt in einer schriftlichen Antwort an den BTW mit, dass man der Bitte der Verbände nicht nachkommen werde. Es lasse sich zum einen „schwer einschätzen, ob ‚Tourismus‘ in Deutschland ein eigenständiges Fach darstellt“. Eher handele es sich um einen Gegenstandsbereich. Zudem gebe es derzeit insgesamt 138 tourismusbezogene Studiengänge an deutschen Fachhochschulen – wenn auch zum Teil an privaten. Weiterhin fänden sich in der Datenbank geförderter Forschungsprojekte der DFG (Depris) aktuell 16 mit Tourismusbezug. May weist in dem Antwortschreiben auch darauf hin, dass der Wissenschaftsrat in seiner beratenden Funktion zum Bildungsangebot an deutschen Hochschulen nur im Auftrag von Bund und Ländern tätig werde.

ASR-Präsident Jochen Szech nennt die Stellungnahme des Wissenschaftsrats „enttäuschend“ und fordert nun Bund und Länder auf, in Tourismusforschung zu investieren. (HMB)

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