Uni-Abschluss

Unzufrieden mit Bachelor-Absolventen

Viele Firmen sind laut einer DIHK-Umfrage mit Bachelor-Absolventen unzufrieden. Der Master-Abschluss hat einen besseren Ruf.

28.05.2015, 08:54 Uhr
Foto: Thinkstock

Das wenig schmeichelhafte Gerede vom Schmalspur-Akademiker nervt Bachelor-Studenten schon lange. Jetzt geht’s wieder los: Nur 47 Prozent der Unternehmen sind mit Bachelor-Absolventen zufrieden. Das ergab die neue Hochschulumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter 2000 Firmen. Vier Jahre zuvor waren es noch 63 Prozent. „Eine besorgniserregende Entwicklung“, findet DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft sagt allerdings, dass Bachelor-Absolventen in der Wirtschaft mehr geschätzt würden als gedacht. Die Erklärung: Während der Stifterverband für seine Studie eher größere Unternehmen befragte, untersuchte die DIHK vor allem kleinere und mittlere Firmen.

Kleine Firmen kritisieren Bachelor-Absolventen

Laut DIHK sind besonders kleine Firmen sowie die Tourismus- und Gastrobranche von den Fähigkeiten der Bachelor-Absolventen enttäuscht. Im Gegensatz dazu steht der Master besser da: Die Erwartungen der Arbeitgeber werden von 78 Prozent der Master-Absolventen erfüllt, vor vier Jahren waren es nur 65 Prozent. Mittlerweile bieten rund 70 Prozent der touristischen Fakultäten Master-Studiengänge an, 33 listet der Hochschulkompass auf.

Die Fortsetzungsrate unter Touristikstudenten schätzt Hochschulprofessor Roland Conrady auf rund 50 Prozent. Die meisten wollen ihre Berufschancen verbessern. Auch Miriam Bollens, die gerade an der HS Worms ihre Master-Arbeit schreibt, sieht darin einen Türöffner. Wer ins Management will, brauche den höheren Abschluss. „Ich mache den Master, damit ich später nicht vor einer Schranke stehe“, sagt die 25-Jährige.

Beim Job-Einstieg spielt der Abschluss bei Veranstaltern wie FTI, Dertour oder TUI keine große Rolle. „Wir haben keine Präferenzen“, betont Rolf Geppert, Leiter der Personalentwicklung bei DER Touristik. Die Kritik am Bachelor teilt er nicht: „Wir sind zufrieden mit den Absolventen.“ Bezogen auf touristische Berufe macht man bei FTI keine Unterschiede zwischen den Abschlüssen. „Jedoch haben wir die Erfahrung gemacht, dass viele Führungskräfte Bachelor-Absolventen bevorzugen, weil diese dank der kürzeren Ausbildungszeit oft näher an der Praxis sind“, sagt Heike Niederberghaus, Director Human Ressources. Bei TUI kommt es auf das Gesamtpaket an: Praxis- und Auslandserfahrung seien wichtige Kriterien, „hier sind Bewerber mit Master tendenziell besser aufgestellt“, sagt der Konzern.

Den Boom bei den Studentenzahlen sieht die DIHK kritisch. Sie gehe zulasten der dualen Ausbildung. „Wir leiden an einer Überakademisierung“, so Schweitzer. Er fordert eine Verknappung der Studienplätze, um wieder mehr junge Menschen in die duale Ausbildung zu holen. Ob das funktioniert, ist fraglich: Schließlich verdienen Akademiker besser und die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen ist seit Jahrzehnten am niedrigsten.

Geringe Akademiker-Quote im Tourismus

Außerdem gibt es immer weniger Betriebe, die ausbilden: 2014 rutschte die Zahl der Azubis in der Touristik auf 4992 – ein Rekordtief. Von einer Verknappung der Studienplätze hält Professor Conrady indes nichts, schon gar nicht im Tourismus. „Wir haben in unserer Branche eine Unterakademisierung.“ Traditionell habe man in der Touristik gewisse Vorbehalte gegenüber Akademikern. Verstehen kann er das nicht. „Wenn ich besser ausgebildete Mitarbeiter habe, kommt das doch auch der Profitabilität der Firmen zugute.“

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