Karriere-Tipps

Wie perfekt muss der perfekte Bewerber sein?

Die Podiumsdiskussion „Das Märchen vom perfekten Bewerber“ auf der ITB zeigte, wie unterschiedlich Personaler bei der Suche nach Mitarbeitern vorgehen.

22.03.2016, 15:09 Uhr
Engagierte Diskussion in der fvw Karrierewelt auf der ITB: Jürgen Hesse (Berater und Autor, rechts), Meike Haagmanns (Joven Tour), Kathrin Groth (Hapag-Lloyd Cruises), Christiane Radu (DER Touristik) und Evelyn Sander (fvw).
Foto: Christian Wyrwa

Kathrin Groth ist begeistert, wie kreativ junge Bewerber sein können. „Wir haben sogar schon eine Flaschenpost als Bewerbung bekommen“, erzählt die Personalchefin von Hapag- Lloyd Cruises. Auch wenn mittlerweile die meisten Bewerbungen per E-Mail kommen, freut sich Groth immer noch über Anschreiben in Papierform. Die Auswahl der Mitarbeiter erfolgt per Assessment Center. Ein Teil besteht aus einer praktischen Prüfung, der andere aus einem schriftlichen Test, in dem die Allgemeinbildung und betriebswirtschaftliche Kenntnisse abgefragt werden.

Christiane Radu, bei DER Touristik Köln für die Ausbildung zuständig, sieht das ganz anders: „Ich habe am liebsten Online-Bewerbungen“, sagt sie. Sie prüft die Eignung der Bewerber in Interviews. Zwei- bis dreimal lädt die DER Touristik Interessenten zu Gesprächen ein. Assessment Center werden allenfalls für führende Positionen durchgeführt.

Die Podiumsdiskussion „Das Märchen vom perfekten Bewerber“ auf der ITB, an der neben Groth und Radu auch Meike Haagmanns, Inhaberin von Joven Tour, und Karriereberater Jürgen Hesse teilnahmen, zeigte, wie unterschiedlich Personaler bei der Suche nach Mitarbeiter vorgehen. Bewerber sind verunsichert.

Frust bleibt da nicht aus – sowohl bei Bewerbern wie bei Personalern. Die Anforderungen sind hoch. „Ein Bewerber muss Kompetenz haben, Probleme lösen können, hoch motiviert sein, Biss haben, wach sein, die richtige Persönlichkeit mitbringen, Sympathie, Vertrauen und Zutrauen erzeugen“, sagt Jürgen Hesse, Autor von mehr als 200 Karriereratgebern. Die erste große Hürde ist die Bewerbung, an der viele scheiterten. „Es gibt Bewerbungen, die sind unappetitlich voll von Rechtschreibfehlern“, bemängelt der Berater. Doch er habe diese Bewerber trotzdem mal getestet und mit denen verglichen, die einwandfreie Anschreiben abgeliefert haben. „Die mit den schlechten Bewerbungen sind nicht die Dümmsten“, hat Hesse beobachtet.

Persönlichkeit ist entscheidend


Für DER-Fachfrau Radu sind Rechtschreibfehler daher kein Ausschlusskriterium. „Ich achte auf Authentizität und darauf, dass keine Floskeln enthalten sind.“ Wer Wochen an seiner Bewerbung feile, sei meistens wenig authentisch, so die er- fahrene Personalerin.

Auch Meike Haagmanns, Gründerin des Backpacker-Veranstalters Joven Tour, legt mehr Wert auf Persönlichkeit als auf Formalien. „Wichtig ist Passion und dass jemand zeigen kann, warum er für den Job brennt“, sagt die Jungunternehmerin. Die gelernte Stewardess mit Bachelor- und Masterabschluss im Ausland hatte selbst große Schwierigkeiten, eine Stelle in der Touristik zu finden. Sie erhielt reihenweise Absagen. Der Grund: Sie wollte das Fliegen nicht aufgeben und suchte eine Teilzeitstelle. „Keiner zeigte sich flexibel“, berichtet Haagmanns. Sie löste das Problem, indem sie sich mit ihrem eigenen Veranstalter selbstständig machte.

Überrascht zeigen sind Personaler darüber, wie schlecht viele auf die meist gestellte Frage nach ihren Schwächen vorbereitet sind. Bewerber fragen sich: Wie ehrlich darf ich sein?

Auf heikle Fragen vorbereitet sein


„Ich erwarte nicht, dass jemand seine Schwächen wirklich zugibt“, sagt Radu. Sie will nur das Gefühl haben, dass sich der Bewerber über solche Fragen Gedanken gemacht hat und vorbereitet ist.

Berater Hesse rät Bewerbern, auf die Schwächefrage durchaus mit Humor zu antworten und etwa seine Schwäche für Schokolade zu verraten. Bei einer weiteren Nachfrage des Personalers könne der Kandidat immer noch eine weitere Schwäche nennen, die für die gefragte Position nicht hinderlich sei. Fazit: Wer gut vorbereitet ist, imponiert.

0

Aktuelle Jobs und Stellenangebote, ob im Reisebüro, bei Reiseveranstaltern oder im Business Travel – hier finden Sie den Job der wirklich zu Ihnen passt. zu den Touristikjobs

 
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten