Generation Y auf der Karriereleiter

„Top unter 30“ beginnt wieder

Sie selbst können den Begriff Generation Y nicht mehr hören und stellen lieber still und leise die Arbeitswelt auf den Kopf. Die „heimlichen Revolutionäre“ machen gerade Karriere – wie die Finalisten des fvw Talent-Wettbewerbs.

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von Evelyn Sander, Ira Lanz, Sabine Pracht, 09.07.2018, 07:20 Uhr
Schon seit 2013 veranstaltet die fvw-Redaktion den Talentwettbewerb „Top unter 30“. Ziel ist es, engagierte Nachwuchskräfte und junge Selbstständige in der Touristik zu entdecken und zu fördern. Aus den 15 Finalisten wählt eine Jury die fünf Gewinner, die in diesem Jahr am 19. September auf dem fvw Kongress in Köln geehrt werden.
Foto: fvw

Verwöhnt, nur Work-Life-Balance im Kopf, keine Lust auf Führung – seit Jahren wird darüber lamentiert, was die Generation Y will. „Ich kann es nicht mehr hören“, sagt der Soziologe Klaus Hurrelmann. Der Professor von der Hertie School of Governance beurteilt die jungen Nachwuchskräfte ganz anders: Sie stellen Althergebrachtes infrage und die Arbeitswelt auf den Kopf. Für ihn sind sie deshalb „heimliche Revolutionäre“. Heimlich, weil diese Generation das Arbeitsleben nicht mit Krawall umkrempelt, sondern leise, von innen heraus. „Es sind pragmatische Idealisten, die versuchen, Bedingungen zu ihren Gunsten zu verändern“, sagt Hurrelmann.

„Karriere machen“, ist für sie kein Selbstzweck. Ein großes Büro, mehr Gehalt oder Dienstwagen? Darauf kommt es nicht an. Die junge Generation steht auf Teamwork, will sich auf Augenhöhe austauschen. „Trotzdem möchten sie Einfluss haben und gestalten, was sie für wichtig halten“, sagt der Soziologe. Durch diese Einstellung sind sie durchaus für Führungsjobs geeignet, wobei es nicht um Führung im alten Stil geht. „Wenn sie merken, dass ihnen die Möglichkeiten zur Gestaltung genommen werden, lassen sie sich darauf weniger ein.“ Die junge Generation sucht Jobs, in denen sie ihre Vorstellungen verwirklichen kann, aber nicht um jeden Preis. Hurrelmann: „Sie spüren, wie gefährlich Selbstausbeuterspiralen im heutigen Berufsleben sind.“ Das hat mit dem Kneifen vor Karriere, wie es ihnen gern vorgehalten wird, nichts zu tun. Ihnen ist eben auch wichtig, Zeit für Freunde und Familie zu haben. Nicht zuletzt schützen sie sich damit vor dem Burnout, den nicht wenige bei ihren Eltern und Bekannten mitbekommen haben.

Mit dieser Einstellung passen sie perfekt in moderne, agile Organisationsstrukturen, die sie oft mitgestalten. Unternehmensberater singen seit Jahren das hohe Lied dieser Unternehmensreform. Ist doch längst bewiesen, dass Firmen erfolgreicher sind, wenn sie starre Hierarchien über Bord werfen und Mitarbeiter stärker an Entscheidungen beteiligen, ihre Teams nicht in den Burnout treiben und ein wertschätzendes Arbeitsklima haben. Soweit die Theorie. De facto dominiert in vielen Chefetagen die Babyboomer-Generation, die mit Druck und Ellenbogen nach oben gekommen ist, damit noch Erfolg hat und sich an alten, verkrusteten Strukturen festklammert.

Und jetzt drängt so eine junge, selbstbewusste Generation in die Arbeitswelt, die völlig andere Vorstellungen und Forderungen hat. Sie wird zum Motor für den längst fälligen Kulturwandel. Karriere wird als Weg zur persönlichen Weiterentwicklung gesehen, wobei die Grenze zwischen Beruf und Privatleben zunehmend verschwimmt. „Leistung und Lebensgenuss gehören für die Generation Y untrennbar zusammen“, so Hurrelmann. Sie sind Pioniere des sogenannten Work-Life-Blending: Beim Arbeiten wird gelebt, beim Leben wird gearbeitet. Das ist auch bei den meisten Finalisten des jährlich von fvw organisierten Talentwettbewerbs „Top unter 30“ so.

 
 
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