Elternzeit

Männer mögen die Light-Version

Männliche Touristiker nehmen nur selten oder kurz Elternzeit. Dabei profitieren von der Jobauszeit nicht nur die Arbeitnehmer.

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von Julia Krause, 21.01.2016, 09:48 Uhr
Foto: Thinkstock

Elternzeit gleich Mutterzeit? So sah die Realität in Deutschland bis zur Einführung des Elterngeldes zumeist aus. Denn erst seit 2007 bietet der Gesetzgeber auch für Väter eine finanzielle Unterstützung an: Nehmen sie mindestens zwei Monate Elternzeit in Anspruch, steht ihnen für diese Zeit – genau wie den Müttern – 65 Prozent ihres Nettogehaltes zu. Maximal vergibt der Staat 1800 Euro pro Monat. Je nach individuellen Lebensverhältnissen und Einkommen kann das Modell auch für Gering- und Mittelverdienern interessant sein. Mit Blick auf die Reisebranche wird deutlich, dass Männer in Elternzeit noch wesentlich seltener anzutreffen sind als Frauen. Bei Schauinsland-Reisen haben seit der Gesetzeseinführung im Jahr 2007 vier Männer Elternzeit genommen. Heute sind dort insgesamt 88 Männer beschäftigt. Die Quote der männlichen Kollegen, die mindestens zwei Monate Erziehungszeit genommen haben, beträgt also 4,5 Prozent. Diese Rechnung bezieht sich wohlgemerkt auf alle männlichen Beschäftigten – nicht alle von ihnen sind seit 2007 Vater geworden.

Setzt man weiterhin die Anzahl der männlichen Elternzeitnehmer zu allen männlichen Beschäftigten in einem Unternehmen ins Verhältnis, um einen Richtwert zu ermitteln, liegt der prozentuale Anteil bei Studiosus ebenfalls bei 4,5 Prozent. Bei TUI Deutschland sind es immerhin 11,5 Prozent. Platz 2 der exemplarisch befragten Unternehmen nimmt Canusa Touristik mit 16,7 Prozent Männern ein, die mindestens einmal seit 2007 in Elternzeit waren. Die Spitzenposition hat RUF Reisen: Obwohl erst seit 2011 männliche Elternzeitnehmer erfasst werden, waren es seitdem schon acht von 31 männlichen Beschäftigten (25,8 Prozent).

Deutschlandweit beantragen laut Statistischem Bundesamt mittlerweile 13,4 Prozent der Väter das staatliche Elterngeld. Bei den Müttern liegt die Quote sogar über 90 Prozent. Zwar steigt die Tendenz, die staatlichen Leistungen in Anspruch zu nehmen, seit Beginn der Einführung stetig an. Doch verläuft diese Entwicklung bei Männern langsamer als bei Frauen. Außerdem wird die Mindestbezugsdauer von zwei Monaten selten überschritten: Nur etwa 20 Prozent der Väter bleiben länger zu Hause, um sich um den Nachwuchs zu kümmern.

Sorge um das Image im Kollegenkreis

Doch was hält Männer davon ab, die Elternzeit auszudehnen? Neben dem Umstand, dass sie in dieser Zeit nur ein reduziertes Gehalt beziehen (was als Hauptverdiener oft problematisch ist), mögen auch die Akzeptanz im Unternehmen sowie das eigene Ego eine Rolle spielen.

„Eine Überlegung war auch: Möchte ich für diese Zeit verzichtbar sein?“, sagt Christoph Edlinger, Leiter der RUF-Akademie bei dem Reiseveranstalter. Letztlich habe er sich dafür entschieden, seine Elternzeit in zweimal vier Wochen aufzuteilen. Dank sorgfältiger Vorbereitung und Koordination, so Edlinger, habe sich die Belastung für die übrigen Teammitglieder in Grenzen gehalten.

Auch Torben Kaufmann, Sales Manager für Gruppenreisen & Incentives bei Canusa Touristik, machte sich anfangs Sorgen darum, wie sein Elternzeit-Wunsch bei den Kollegen ankommen würde. Seine Chefs überraschten ihn jedoch schnell mit dem Vorschlag, dass eine Auszubildende die verbleibende Teamkollegin in seiner Abwesenheit unterstützen könne. „Dadurch, dass ich meine Elternzeit frühzeitig ankündigt habe, konnte ich meine Kollegin noch selbst einarbeiten“, sagt er. Dennoch beließ auch er es bei insgesamt zwei Monaten Job-Auszeit. „Dass es schwierig werden würde, längere Zeit wegzubleiben, war mir schnell klar“, sagt er. Auch deswegen habe er von vornherein gar nicht nach mehr gefragt.

Laut Canusa-Geschäftsführer Kolja Kassner würden Elternzeiten jedoch weder im Kollegium noch bei Geschäftspartnern und Kunden negativ aufstoßen. Im Gegenteil: „Rückmeldungen sind, sofern sie überhaupt kommen, positiv und anerkennend“, so Kassner.

Eine staatliche Förderung gibt es seit dem 1. Juli 2015 jedoch nicht nur für komplette Erziehungsauszeiten. Der Staat begünstigt auch eine Teilzeitbeschäftigung beider Elternteile: Mit der Einführung des sogenannten Partnerbonus bekommen Antragsteller je vier zusätzliche Monate staatliche Zulagen „geschenkt“. Voraussetzung ist, dass beide innerhalb der beantragten Elternzeit mindestens vier Monate mit reduzierter Stundenanzahl (25 bis 30 Wochenstunden) arbeiten. Kombiniert werden kann dies auch mit dem Elterngeld Plus, das die Bezugsdauer von insgesamt 14 auf maximal 28 Monate bei halbierter Leistung ausdehnt. Nach Aussage des Bundesfamilienministeriums kommt diese Neuregelung auch Arbeitgebern zugute: Sie hätten somit „kürzere Ausfallzeiten von wertvollen Fachkräften und gewinnen zusätzliche Handlungsspielräume bei der Gestaltung ihrer Personalstruktur“, so das Ministerium.

Flexible Arbeitsmodelle sind gefragt

Um Eltern entgegenzukommen, bieten einige Unternehmen von sich aus flexible Arbeitsmodelle an. Studiosus etwa verfolgt das Prinzip von Jahresarbeitszeitkonten: Statt Kernarbeitszeiten gibt es bewegliche Wochenstunden, die in Absprache mit dem Vorgesetzten vom Arbeitnehmer selbst festgelegt werden.

Zudem können Überstunden auf ein Langzeitkonto übertragen werden. Konkret bedeutet dies, dass Angestellte die zusätzlich geleisteten Stunden nicht regelmäßig abbummeln müssen, sondern sie am Stück nutzen können – beispielsweise um eine gewisse Dauer in Teilzeit zu arbeiten. Genutzt haben dies laut Unternehmen 14 Prozent der Mitarbeiter.
Liegt ein solches Modell vor, dürfte dies auch die Rückkehrer-Quote erhöhen: Bei Studiosus liegt die Rate der Männer, die nach einer Elternzeit wieder in den Job einstiegen, bei 100 Prozent. Bei Frauen beträgt sie 69 Prozent, wobei die meisten ungeachtet ihrer vorherigen Vollzeitstelle zunächst einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen.

 
 
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