Berufseinstieg

Nach der Ausbildung direkt zum Job – darauf kommt’s an!

Im Laufe der Ausbildung im Reisebüro rückt eine spannende Frage immer näher: Werde ich übernommen? Wir haben bei Reisebüro-Chefs nachgefragt, auf welche Eigenschaften sie bei Mitarbeitern besonders Wert legen, damit die Chancen für eine Festanstellung steigen.

von Britta Winkgens, 29.09.2015, 14:19 Uhr
Glückwunsch zur Festanstellung! Wer es als Azubi richtig angeht, steigert die Übernahmechancen.
Foto: Thinkstock

Abläufe am Counter kennenlernen, Veranstalter-Marken studieren, Buchungssysteme verstehen, erste Kunden beraten: das und vieles mehr füllt die ersten Wochen und Monate einer Ausbildung zum Tourismuskaufmann oder zur Tourismuskauffrau. Der nächste große Schritt wartet dann spätestens in drei Jahren auf die angehenden Reiseverkäufer: Die Übernahme in die Festanstellung.

Aus statistischer Sicht stehen die Aussichten dafür nicht schlecht: Laut Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) wurde 2013 in Betrieben mit einem bis neun Mitarbeitern etwas mehr als jeder zweite Auszubildende (55 Prozent) übernommen. Auch Reisebüro-Chefs ziehen sich ihren Nachwuchs gerne dauerhaft heran: „Wenn wir Azubis einstellen, tun wir das mit der Absicht, sie zu übernehmen“, sagt Anton Maichle. Er ist Inhaber des Reisebüros Maichle mit Filialen im schwäbischen Biberach an der Riss und Laupheim und beschäftigt seit 25 Jahren regelmäßig Azubis.

Auch wenn die wirtschaftliche Situation oft über Gehen oder Bleiben entscheidet – ein positiver Eindruck beim Chef kann viel bewirken. Was beim Vorgesetzten gut ankommt, kann dabei ganz unterschiedlich sein. Zählt bei der Bewerbung für die Ausbildungsstelle noch besonders die schulische Bildung, treten bei der Übernahme in die Festanstellung auch andere Kriterien in den Vordergrund. „Mir ist Ehrlichkeit besonders wichtig“, betont Klaus Gerken, Inhaber des Reisebüros Hage in Oldenburg. Dazu gehört für ihn, auch mal Schwächen zu zeigen. „Nur so weiß ich, wo es hakt, und wo ich unterstützen kann“, sagt Gerken, der seit über 20 Jahren sein eigenes Reisebüro betreibt und schon etliche Nachwuchskräfte ausgebildet hat.

Überheblichkeit kommt dagegen oft nicht so gut an. „Eine rechthaberische Art ist für mich ein No-Go“, betont Reisebüro-Inhaber Maichle. Punkten können Azubis bei ihm dagegen etwa mit einer aufgeschlossenen, lockeren Art – auch gegenüber dem Kunden. „Es geht nicht nur um Fachwissen, sondern auch darum, die Leute zu unterhalten. Schließlich verkaufen wir keine Staubsauger, sondern etwas, worauf der Kunde sich im Normalfall freut.“

Gefühl für den Kunden zeigen

Dazu gehört auch die Fähigkeit, sich in den Kunden einzufühlen. „Ich lege bei unseren Mitarbeitern besonders Wert auf ein großes Maß an Empathie“, sagt Jörg Weißgräber, Mitglied der Geschäftsleitung von Reisebüro Fahrenkrog Touristik & Business Travel aus Kiel. „Nur so hören Dir Kunden zu“, betont Weißgräber, der sich im Unternehmen um die Ausbildungsangelegenheiten kümmert. Das Reisebüro Fahrenkrog beschäftigt in seinen fünf Filialen in der Regel fünf oder sechs Auszubildende. Über ein eigenes Azubi-Bonus-System sammeln die Nachwuchskräfte Punkte. Neben den Noten aus der Berufsschule wird in dem System vor allem Einsatzbereitschaft belohnt. Wer E-Learnings macht, Abendveranstaltungen besucht oder an Schiffsbesichtigungen teilnimmt, sammelt fleißig Punkte.

Neben dem Bonus-System finden ein bis zwei Mal im Jahr „Bewertungsgespräche“ statt, wo die Mitarbeiter die Azubis beurteilen und umgekehrt. „Wer nicht ganz unten rausfällt, bekommt von uns eine Übernahmegarantie“, sagt Weißgräber.

Regelmäßiges Feedback sowie ein offener Austausch mit dem Vorgesetzten ist laut Klaus Weber, Experte für Berufsorientierung beim BIBB, besonders wichtig. Auch über die Übernahmechancen sollte offen gesprochen werden. Kommt der Chef nicht von sich aus auf die Auszubildenden zu, sollten sie selbst aktiv werden – auch wenn es etwas Überwindung kostet. „Damit zeigen Auszubildende nochmals zusätzlich ihre Motivation für eine Festanstellung, das macht einen guten Eindruck“, betont Weber. Ein guter Zeitpunkt dafür sei zu Beginn des letzten Ausbildungsjahrs.

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