Austausch mit Kollegen

Privates in fünf Fällen

Der Austausch mit Kollegen sorgt für prima Klima im Büro. Aber was tun, wenn die Kollegen zu viel von sich preisgeben und andere damit nerven? TravelTalk gibt Tipps.

von Pia Vagt, 21.03.2011, 14:17 Uhr
Foto: PolkaDot

Das kennt jeder: Manchmal beschäftigen einen manche Dinge so sehr, dass man großen Redebedarf hat. Dann kommen Gewissensbisse: Hat man zu viel erzählt oder andere genervt? „Grundsätzlich ist es sinnvoll, Privates während der Arbeitszeit stark zu begrenzen“, sagt Dirk Martin Wolters, Berater für Kommunikation und Konfliktbewältigung. Verbindet Sie mit Kollegen eine Freundschaft, kann man die während der Mittagspause pflegen – das macht unangreifbar, auch dem Chef gegenüber. Aber was ist, wenn einem andere zu sehr auf die Pelle rücken? Hier sind Tipps für fünf Situationen.

Situation 1: Das Gespräch wird zu intim

Sie mag die liebste Kollegin sein, aber es gibt trotzdem Dinge, die man nie wissen wollte. Zum Beispiel, wenn sie zwischen Anruf und dem nächsten Kundengespräch aus heiterem Himmel über intime Details ihrer neuesten Eroberung berichtet.

Tipp: „Möchte man nun nicht in das Gespräch einsteigen, ist Fingerspitzengefühl gefragt, weil es sich um ein sehr persönliches Thema handelt“, meint Wolters. Sagen Sie zum Beispiel: „Ich habe gerade etwas Dringendes zu erledigen. Lass uns später reden, zum Beispiel bei einem Kaffee in der Mittagspause.“ Damit stoßen Sie den anderen nicht vor den Kopf. Man kann auch deutlicher werden: „Du erzählst mir gerade detailliert über dein Liebesleben – das ist mir aber unangenehm, weil es mir zu intim ist. Bitte nimm darauf Rücksicht.“ Wichtig ist, dass Sie von sich sprechen und den anderen nicht verurteilen. Denn wer mag schon ein empörtes „Das hat am Arbeitsplatz ja nun wirklich nichts verloren“ hören?

Situation 2: Die Kollegin klagt ständig

Sie hatten den ganzen Tag gute Laune, und die Arbeit ging flott von der Hand. Dann motzt eine Kollegin los: „Der Chef hat sich immer noch nicht um die neuen Regale gekümmert!“ oder „Tja, auch heute werde ich wohl mal wie der länger bleiben müssen, aber wen interessiert das schon?“ Ärgerlich, und zudem passiert es nicht zum ersten Mal.

Tipp: „Dahinter steckt eigentlich immer der Wunsch nach mehr Anerkennung“, sagt Experte Wolters. Deshalb nimmt man der Kollegin oft schon den Wind aus den Segeln, wenn man ihre Leistungen würdigt: „Ich finde es toll, wie schnell du bei dem Stress vorankommst.“ Wichtig: Es muss ernst gemeint sein, nur dann wirkt’s glaubwürdig. Sonst ein wohlwollendes Feedback geben und das Gespräch suchen: „Ist dir bewusst, dass du dich in letzter Zeit viel beschwerst? Was ist los?“

Situation 3: Es wird gelästert

„Sag mal, findest du nicht auch, dass Petra sich heute bei der Präsentation ganz schön in den Vordergrund gespielt hat?“, werden Sie von einer Kollegin gefragt – und die hofft nun natürlich, dass Sie ihr beipflichten.

Tipp: Möchte man da nicht mitmachen, ist es ratsam, relativ früh eine eindeutige Grenze zu ziehen. Fragen Sie zum Beispiel zurück: „Hast du mit Petra schon über deinen Eindruck gesprochen? Vielleicht ist es ihr gar nicht bewusst, und du hilfst ihr mit dem Feedback.“ Bringt das nichts, hilft laut Wolters nur eins: klar sagen, dass es einem unangenehm ist, wenn so über andere gesprochen wird. Einfach schweigen ist keine Lösung. „Das wird nämlich unbewusst als Zustimmung empfunden“, meint der Kommunikationsberater.

Situation 4: Die Kollegin redet drumherum

„Man könnte ja auch mal...“ – die Kollegin kommt bei Teamabsprachen leider nie sofort zum Punkt. Wenn sie erst einmal redet, kann das dauern. Das muss aufhören. Aber wie?

Tipp: „Fragen Sie in einer ruhigen Minute: Kann ich dir mal ein Feedback geben?“, schlägt der Experte vor. Die meisten Leute sind neugierig und möchten das wissen. Sagen Sie dann etwa: „Ich habe beobachtet, dass dein Redeanteil hoch war und andere weniger gesprochen haben. Wie hast du das erlebt?“ Wichtig: Vermitteln Sie Ihrer Kollegin klar, dass es sich nicht um einen Angriff, sondern um eine freundliche Hilfe handeln soll. Sonst geht sie nur auf Abwehr. Passiert das bei Teambesprechungen, ist es sinnvoll, wenn ein Moderator die Diskussion leitet.

Situation 5: Die Gespräche nehmen überhand

Sie wollen nur schnell neues Papier holen oder sich Tee machen – und, zack, steht die Kollegin neben Ihnen und weiß etwas Launiges zu erzählen. Eigentlich nett, wenn es nicht acht Mal am Tag passieren würde. Denn die Zeit fehlt Ihnen am Ende des Tages.

Tipp: „Versuchen Sie es erst mal indirekt und charmant“, rät Wolters. Indem Sie sagen: „Ich hätte schon große Lust, mit dir zu plaudern, das ist immer sehr interessant. Aber es würde mich in Teufels Küche bringen, weil ich dringend ein Angebot ausarbeiten muss.“ Versuchen Sie also, den anderen ins Boot zu holen, indem Sie signalisieren: Ich schätze dich sehr, aber du musst auch mich unterstützen, damit ich meine Arbeit schaffe.

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