Rechtstipps für Kreuzfahrten

Wenn die Seereise ins Wasser fällt

Schiffsreisen sind beliebter denn je. Aber auch auf hoher See läuft nicht alles rund. TravelTalk-Rechtsexperte Kay P. Rodegra erklärt, was Kunden erwarten können.

von Kay P. Rodegra, 04.11.2011, 13:46 Uhr
Foto: Steve Mason/Photodisc

Ausstattung


Fehlen auf dem Schiff zugesagte Einrichtungen, liegt ein Reisemangel vor. Ist zum Beispiel der Pool nicht nutzbar, kann der Preis um fünf Prozent gemindert werden (AG München, Aktenzeichen 273 C 23427/00).

Wird ein Schiff als „rollstuhlgeeignet“ beworben, muss es für Rollstuhlfahrer problemlos zu befahren sein, sonst ist eine Reisepreis-Reduzierung von 50 Prozent fällig (AG Bonn, Az. 4 C 191/96). Wichtig: Der bloße Hinweis darauf, dass ein Schiff „behindertengerecht eingerichtet ist“ garantiert nicht, dass es für Rollstuhlfahrer geeignet ist (LG Darmstadt, Az. 6 S 354/95).

Bordpersonal


Verspricht der Katalog englischsprachiges Bordpersonal und es fehlt auf einem chinesischen Flußkreuzfahrtschiff, kann der Kunde zehn Prozent des Reisepreises zurückfordern (LG Frankfurt/M. Az. 2/24 S 374/96). Fehlt die versprochene deutschsprachige Reiseleitung, sind fünf Prozent angemessen (LG Frankfurt/Main, Az. 2-24 S 377/01). Spricht der Schiffsarzt kein deutsch, ist das – wenn nicht eine entsprechende Zusicherung vorliegt – kein Mangel (AG Offenbach, Az. 38 C 415/04). Für Behandlungsfehler des Schiffsarztes ist der Reiseveranstalter nicht verantwortlich (AG Rostock, Az. 47 C 260/10). Stürzt ein Passagier dagegen auf einer feucht gewischten Marmortreppe im Schiff, und das Personal hat keine Warnschilder aufgestellt, haftet der Veranstalter für die Folgen der Verletzung (OLG Koblenz, Az. 2 U 904/09).

Geräusche und Gerüche


Schiffstypische Geräusche sind kein Reisemangel und müssen erduldet werden (AG München, Az. 242 C 16587/07). Auch Dieselgerüche und Abgase auf einem Schiff lassen sich nicht vermeiden und stellen eine reine Unannehmlichkeit dar (AG Hamburg, Az. 4 C 446/01).

Wird die Bettruhe aber durch defekte Stabilisatoren gestört, gibt es 50 Prozent des Tagesreisepreises für jede schlaflose Nacht zurück (AG Frankfurt/M., Az. 30 C 1259/05).

Kabine


Ist die Kabine kleiner als im Katalog angegeben, kann der Preis verringert werden. Auch ohne konkrete Angabe kann ein Mangel vorliegen: Das Amtsgericht München sah eine Vier-Bett-Kabine mit gerade mal neun Quadratmetern als zu klein an und reduzierte den Preis um 7,5 Prozent (Az. 1163 C 43496/88). Ist in einer Dreierkabine die dritte Schlafmöglichkeit nur ein zu kurzes Sofa, beträgt die Erstattung 35 Prozent (AG Offenbach, Az. 31 C 6017/00).

Fehlt in der Unterkunft die Klimaanlage, gibt es 25 Prozent zurück (AG Königstein, Az. 21 C 97/96). Sieht man aus einer Außenkabine nur auf eine Wand, werden 15 Prozent des Reisepreises erstattet (AG Stuttgart-Cannstatt, Az. 10 C 3489/95).

Mitreisende


Wenn sich andere Passagiere nicht benehmen können, ist das schlicht und einfach Pech. Kunden können den Preis nicht mindern. Auch nicht, wenn andere Urlauber einen geschmacklosen Kleiderstil haben (AG Frankfurt/Main).

Route


Wird von der vertraglich vereinbarten Reiseroute abgewichen, liegt ein Mangel vor. Aufgrund von Packeis konnte ein Schiff nicht die legendäre Nordwest-Passage befahren. Auch angekündigte Landgänge fielen aus. Der enttäuschte Urlauber bekam 30 Prozent des Preises zurück (LG Hamburg, Az. 310 O 26/07).

Eine Minderung von 25 Prozent ist gerechtfertigt, wenn drei von acht versprochenen Häfen nicht angelaufen werden (AG München, 281 C 31292/09).

Liegt das Schiff vor einem Hafen auf Reede, und für Landgänge ist ein Ausbooten notwendig, besteht kein Mangel (AG Stuttgart, Az. 7 C 9734/97).

Kreuzfahrtschiff


Wird statt des gebuchten Cruiseliners ein Ersatzschiff zur Verfügung gestellt, ist das ein Reisemangel, selbst wenn die Schiffe miteinander vergleichbar sind. Das Landgericht Frankfurt/M. minderte den Reisepreis um 20 Prozent (Az. 2-24 S 374/96).

Ist ein Segeltörn gebucht, das Schiff fährt aber bei geeigneten Bedingungen nicht unter Segeln, kann eine Preisminderung von 70 Prozent die Folge sein (LG Hannover, Az. 12 S 55/98).

Seegang


Schlechtes Wetter und Wellenschlag gehören zum allgemeinen Lebensrisiko. Wer bei hohem Seegang in seiner Kabine stürzt und sich verletzt, kann in der Regel keinen Schadensersatz fordern (LG Bremen, Az. 7 O 124/03). Gleiches gilt, wenn Reisende bei schlechtem Wetter auf dem rutschigen Deck hinfallen (LG Darmstadt, Az. 13 O 577/05).

Verpflegung


Erkrankt ein Urlauber wegen der Schiffsmahlzeiten an Salmonellen, so verringert sich der Reisepreis für die Leidenszeit um 100 Prozent (LG Darmstadt, Az. 3 O 442/92), zusätzlich gibt es Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Ist das Essen an Bord stets nur lauwarm, so erhält der Kunde fünf Prozent zurück (AG München, Az. 274 C 23427/00).

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