Recht

Was ist auf dem Weg ins Büro versichert?

Der Job am Counter ist nicht besonders gefährlich. Dennoch passieren Unfälle, besonders oft auf dem Arbeitsweg. Die wichtigsten Fragen beantwortet TravelTalk-Rechtsexperte Kay P. Rodegra.

von Kay P. Rodegra, 26.04.2011, 14:26 Uhr
Foto: Hemera

Was ist ein Arbeitsunfall?

So bezeichnet man einen Unfall, der im Rahmen und im Zusammenhang mit einer beruflichen Tätigkeit passiert. Beispiele sind der Treppensturz im Reisebüro, das Einklemmen einer Hand in der Schublade oder die Schnittwunde, die man etwa beim Scherbenaufheben erleidet. Nicht zum Arbeitsunfall gehören private Tätigkeiten im Reisebüro, etwa Essen und Trinken. Wer sich am heißen Kaffee die Zunge verbrüht oder beim Brotschneiden den Finger verletzt,
erleidet keinen Arbeitsunfall.

Wie ist man versichert?

Bei einem Arbeitsunfall ist man durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Dieser Versicherungsschutz umfasst zum Beispiel die umfassende Heilbehandlung, erforderliche Umschulungen, Renten bei Erwerbsunfähigkeit oder auch die Hinterbliebenenrente.

Was passiert, wenn der Mitarbeiter nach einem Arbeitsunfall krankgeschrieben ist?

Dann gilt nichts anderes als bei einer anderen Erkrankung: Wer arbeitsunfähig ist und zu Hause bleibt, bekommt zunächst weiter sein Gehalt. Nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz zahlt der Arbeitgeber bis zu sechs Wochen weiter, danach gibt’s von der Krankenkasse Krankengeld.

Was ist ein Wegeunfall?

Der zählt auch als Arbeitsunfall. Darunter fallen Unfälle, die dem Arbeitnehmer auf dem Weg von seiner Wohnung zur Arbeitsstätte und zurück nach Hause passieren. Der gleiche Weg in der Pause, etwa zum Mittagessen, gehört ebenfalls dazu; nicht aber der zum Bäcker, Schnellrestaurant oder Lebensmittelmarkt.Auf dem Weg zur und von der Arbeit ist der Arbeitnehmer in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Das Verkehrsmittel spielt keine Rolle. Wer den Bus, das Fahrrad oder das eigene Auto nutzt, ist genauso versichert wie der Fußgänger.

Muss man unbedingt von zu Hause aus zum Arbeitsplatz fahren, um versichert zu sein?

Nein. Wer von seinem Lebengefährten oder seinen Eltern aus zur Arbeit fährt, ist ebenfalls versichert, wenn die Strecke von der Entfernung vergleichbar ist.

Was gilt, wenn der Reisebüromitarbeiter einen Umweg fährt?

Das kommt darauf an. Fährt man einen Umweg, um einen Stau zu meiden oder zu tanken, ist man immer noch auf seinem Arbeitsweg, also versichert. Fährt der Mitarbeiter aus privaten Gründen einen Umweg, um zum Beispiel einzukaufen, die Tagezeitung zu besorgen oder noch gemeinsam mit einer Freundin zu frühstücken, ist er auf dieser Strecke nicht mehr versichert.

Und wenn man sein Kind in den Kindergarten fährt?

Umwege, die erforderlich sind, um sein Kind vor der Arbeit in die Kita oder auch zu den Großeltern zu bringen, fallen unter den versicherten Arbeitsweg.

Und bei Fahrgemeinschaften?

Die Strecken, um einen anderen Beschäftigen abzuholen, gehören ebenfalls noch zum versicherten Weg zum Reisebüro.

Ist der Weg zur Berufsschule auch versichert?

Für junge Counterkräfte in der Ausbildung greift die gesetzliche Unfallversicherung. Das gilt auch auf dem direkten Weg von zu Hause in die Schule.

Zahlt der Chef den Autoschaden, wenn der Angestellte auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall hat?

Nein. Die Schäden am eigenen Fahrzeug trägt der Arbeitnehmer selbst oder der Unfallgegner – je nachdem, wer Schuld hat.

Habe ich auf einem Wegeunfall Anspruch auf Schmerzensgeld?

Wer durch das Fehlverhalten eines anderen Verkehrsteilnehmers verletzt wird, hat gegen ihn einen Anspruch auf Schmerzensgeld. Mögliche Zahlungen der gesetzlichen Unfallversicherung oder auch die Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall haben damit nichts zu tun.

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